Studieren in Melbourne - Studium in Victoria - Auslandsstudium in Australien

Auslandsstudium in Australien

The University of Melbourne - Universität in Melbourne
.: Diese Seite ist ein Informationsangebot des Instituts Ranke-Heinemann zum Auslandsstudium in Australien :.

 
Institut Ranke-Heinemann

 

Erfahrungsberichte - The University of Melbourne / Australien


Insa Rullkötter: Kunstgeschichte [2/2006 - 9/2006]
Ruth Streicher: Politikwissenschaften [2/2005 - 12/2005]
Matthias Bräuer: Informatik [7/2003 - 6/2004]
Philip Büchner: Publizistik [2/2003 - 1/2004]
Jens-Ake Güldner: Geographie [2/2001 - 12/2001]
Zeno Danner: Jura [2/2001 - 12/2001]
Anne Wach: Psychologie [0/2001 - 0/2001]
Marc Schonhardt: Soziologie, BWL [0/2000 - 0/2000]

Erfahrungsbericht - Insa Rullkötter



Erfahrungsbericht für das Institut Ranke Heinemann
“Ein Auslandsemester an der University of Melbourne, Semester 1, 2006“
Insa Rullkötter

Hinweis: Bitte beachtet, dass dies die “Nur-Text-Version” des Berichtes ist. Die pdf Version mit zusätzlichen Grafiken und Bildern findet Ihr unter folgendem Link.

In Deutschland teilen sich 82 150 000 Einwohner 357 020 km².
Das sind 0,0043 km² pro Einwohner.

In Australien hingegen leben gerade einmal 19 195 000 Einwohner,
welche sich jedoch 7 692 030 km² teilen.
Somit kommen 0,4007 km² auf einen Einwohner!

In Australien hat der Einzelne demnach 93 mal mehr Platz als in Deutschland.

Ein Gefühl von Freiheit....?!!


Zeit fließt wahrlich wie Wasser und ehe ich es realisieren konnte, war mein Austauschsemester auch schon wieder vorbei. Vor mir liegt nun mein großer roter Koffer mit all dem, was mich die Airline aus meinem achtmonatigen Leben in Australien mit nach Hause nehmen ließ. Von meinen Wänden schauen mich Bilder von Landschaften, Menschen und Momenten an, auf der Festplatte meines Laptops stapeln sich Essays über „Aboriginal Art“ und noch viel mehr Bilddateien, die mich allesamt daran erinnern, was für eine grandiose Zeit in Melbourne hinter mir liegt.

„If Australia still tugs at your heart strings, prepare for it and make it count“, lautete die Antwort einer australischen Professorin per Email auf meine Frage, ob es denn wirklich möglich sei, Kunstgeschichte in Australien zu studieren. Zugeben, den traditionellen Weg, der üblicherweise ins europäische Ausland führt, habe ich mit dieser reichlich exotischen Wahl nicht eingeschlagen, aber wieso nicht mal über den Tellerrand des eigenen Fachbereichs hinausschauen? Mein Herz hängt an diesem Land seit ich nach meinem Abitur einige Zeit in Sydney verbracht habe und dort zur Aufbesserung meiner Sprachkenntnisse ein International College for Oversea Students besucht habe. Mit dem Beginn meines Studiums zurück in Deutschland wuchs sodann der Wunsch, zurückzukehren und mich fachbezogen mit australischer Kunst zu beschäftigen. Durch das Akademische Auslandsamt meiner Universität besuchte ich unterschiedliche Infoveranstaltungen und suchte den Kontakt zu Ehemaligen. Beim Vergleich der zur Auswahl stehenden Universitäten fiel meine Wahl recht bald auf die University of Melbourne, da mir sowohl das Studienangebot als auch die Stadt auf Anhieb gefielen. Beraten wurde ich bei dieser Entscheidung darüber hinaus von den Mitarbeiterinnen des Instituts Ranke Heinemann, über das ich meine Bewerbung problemlos habe abwickeln können, sowie vom Staff des International Office in Australien. Meine Entscheidung stand also fest: Ich werde mein 6. Semester in einem Land studieren, das dem Einzelnen 93 mal mehr Platz als in Deutschland bereitstellt und in einer Stadt, die für seine „four seasons in one day“ bekannt ist.

Über das Institut Ranke Heinemann bewarb ich mich sodann mit allen nötigen Unterlagen, u.a. mit dem TOEFL-Sprachtest, den ich Monate zuvor im Prometric Testzentrum in Frankfurt abgelegt hatte. Die Uni ließ mit ihrem Offer Letter leider ein bisschen auf sich warten, was aber wohl mehr an der TOEFL-Firma ETS lag, die es versäumt hatte, die im Testpreis inbegriffenen Transcript Results nach Melbourne zu schicken. Nach einigen Emails und Faxen ließ sich aber auch dieses Problem aus der Welt schaffen und wieder einmal waren die Ansprechpersonen in Melbourne sehr geduldig und hilfsbereit. Zusammen mit der Beantragung des Online-Visums stand für mich fest, dass ich mich für ein Apartment im Studentenwohnheimkomplex namens „College Square“ bewerben wollte. Dieses von YMCA Australia betriebene Wohnheim beherbergt fast ausschließlich internationale Studenten, wobei es sich bei diesen größtenteils um Amerikaner und Asiaten handelt. Zentral im italienischen Stadtteil Carlton an der lebhaften Lygon Street gelegen, betrug mein Weg zur Uni lediglich fünf Minuten zu Fuß. Durch meine frühzeitige Bewerbung wurde mir ein Two-Bedroom-Apartment zugeteilt, während die Mehrzahl der Austauschstudenten normalerweise in Twin-Share-Apartments, d.h. ein Schlafzimmer mit zwei Betten, unterkommt. Sollte man nicht zusammen mit einem Freund anreisen, so gestaltet sich die Zuordnung des/der Mitbewohner/in rein zufällig. Entgegen meiner Zimmernummer „1313“ habe ich in dieser Hinsicht unglaublich viel Glück gehabt, so wohnte ich während des Semesters mit einer absolut liebenswerten Amerikanerin aus Minnesota zusammen, die ich von Anfang an in mein Herz geschlossen habe.
Das Kennenlernen neuer Leute gestaltete sich in den ersten Tagen und Wochen problemlos. Vor Beginn des Semesters nahm ich an dem von Studenten der Residental Colleges (Ormond und Newman College) veranstalteten Melbourne Welcome Program teil, was ich jedem zukünftigen Studenten der University of Melbourne nur wärmstens empfehlen kann und für das man sich im Vorfeld online bewerben muss. Neben dem ausgiebigen Erkunden der Stadt (Verkehrssystem, Zoo, Museen, Strand etc.) und der australischen Lebensart standen auch Surfstunden und Formal Dinner à la Harry Potter auf dem Programm. Auch mein Wohnheim College Square bot in den ersten Wochen kostenfreie Freizeitaktivitäten und Campwochenenden an, bei denen Freundschaften geschlossen wurden, die mich während meines Semesters in Melbourne begleitet haben. Nun, wo ich auf diese Monate zurückblicke, kann ich sagen, dass ich dort eine Gruppe von Freunden gefunden habe, die zu meiner „Familie auf Zeit“ geworden sind. Menschen unterschiedlichster Herkunft und Persönlichkeiten, mit denen ich so unglaublich viel zusammen erlebt habe, viele Partys gefeiert, auf Field Trips Australien erkundet, gelacht und geweint und am Schluss zusammen für die Examen gelernt habe.

Die University of Melbourne bietet ihren internationalen Studenten in der Orientation Week vor Beginn des Semesters ein umfangreiches Informationsprogramm. Neben einer Einführung in die Bibliothek erfuhr man u.a., wie man sich einschreibt, seinen Emailaccount aktiviert oder australische Essays strukturieren sollte. Die Informationsveranstaltungen der jeweiligen Fakultäten habe ich als sehr strukturiert und durchorganisiert empfunden. Jeder Student erhält eine individuelle Mappe, die die personalisierten Unterlagen für die Einschreibung enthält. Neben studienbedingten Veranstaltungen kommen aber auch solche mit Spaßfaktor nicht zu kurz. Teilnehmen konnte man an einer Rallye durch Melbourne, einer Einführung in Bush Dance, Campusführungen und BBQ’s, sowie Kochkurse („Two minute noodles are not enough“) und eine Veranstaltung, in der man über die billigsten Reisemöglichkeiten in Australien informiert wurde, und nebenbei noch einen Trip nach Sydney gewinnen konnte. Mit der Zeit verwandelte sich der Universitätscampus in einen riesigen Zirkus: Kostümierte Leute liefen durch die Gegend und als new student wurde man nur so mit Zuckerwatte, kostenlosen Give-Aways und Stapeln an Infobroschüren beglückt. Lohnenswert ist es, sich frühzeitig im Internet schon über die vom International Students Outdoor Program (ISOP) angebotenen Field Trips zu informieren. Zu wirklich unschlagbaren Preisen werden dort Eintagestouren in die Umgebung sowie Events wie Rockclimbing, Swimming with Dolphins etc. angeboten, neben größeren Mehrtagestouren, von denen viele in der Semester-Break stattfinden (z.B. Western Australia, Central Australia oder East Coast). Neben einer gehörigen Portion Spaß und aufgeschlossenen Teilnehmern enthalten diese Touren immer auch einen pädagogischen Aspekt, so dass man nebenbei ein ordentliches Wissen über die Gegend, Pflanzen, Tiere und Kuriositäten Australiens mitnimmt. Ich selbst habe vier Touren über das Semester verteilt mitgemacht: Kayaking at Dusk auf dem Yarra River (eine tolle Art, Melbourne mal aus einer anderen Perspektive zu erkunden), zwei Trips in die Gebirgsregionen Victorias - in die Dandenong Ranges und Grampians - bestritten, sowie zum Ende des Semesters eine viertägige Tour quer durch Tasmanien. Ich war von allen Touren restlos begeistert. Phillip Island und die obligatorische Great Ocean Road (wenn man schon im australischen Bundesstaat Victoria studiert, ist dies natürlich ein absolutes Muss) habe ich zusammen mit YMCA College Square erkundet – ebenfalls lohnenswert und um ein Vieles günstiger als bei üblichen Touristenunternehmen!!

Die vier Kurse, die ich während meines Semesters an der University of Melbourne belegt habe, beschäftigten sich alle in irgendeiner Weise mit Aspekten Australiens, die ich mit meinen eigenen Studien- und Fachinteressen kombiniert habe. Neben fachbezogenen Thematiken wollte ich möglichst viel über das Land lernen, das ich acht Monate mein Zuhause nennen sollte/wollte.

„Exploring Central Australia“, so nannte sich mein wohl absoluter Lieblingskurs. In einer Gruppe von nur 25 Studenten (man musste ich vorher schriftlich um die Zulassung bewerben) haben wir die Geschichte und den Mythus des Red Centres Australiens thematisiert, mit Buchautoren gesprochen und viele intensive Diskussionen geführt. Das Highlight dieses Kurses bildete der einwöchige Field Trip ins Outback. In diesen Tagen, die wir in Alice Springs und Umgebung (Uluru, Kata Tjuta etc.) verbrachten, bekamen wir die Möglichkeit, mit unterschiedlichsten Menschen in Kontakt zu treten und vor Ort eigene Forschung für unser Research Essay zu betreiben. Auch auf diesem vom „Australian Centre“ der Universität angebotenen Trip hatte das „educational input“ höchste Priorität. Wir besuchten die ‚Stolen Generation Unit’ in Alice Springs, sprachen mit Aborigines in einer ‚remote community’, diskutierten mit dem ‚Land Council’ über die Landrechte der Aborigines und übernachtete mehrere Nächte in typisch australischen Swags (Schlafsack) auf einer Cattle Station irgendwo im australischen Outback unter dem Sternenhimmel, das Southern Cross direkt über uns.

„Australia Now“ ist der wohl bekannteste Kurs für internationale Studenten an der University of Melbourne – nicht zuletzt aufgrund des breit gefächerten Überblicks, den man als „Touri“ über Australien erhält, in Bereich wie Geschichte, Politik, Sport, Aborigines, sowie Kunst und Kultur. Hinzukommen unterschiedliche Spezialisten der einzelnen Fachrichtungen, die zu Gastvorträgen eingeladen werden. Unterstützt wird dies sodann noch durch unterschiedliche Lernformate, wie Filme oder offenen Diskussionen. Die zweistündige, wöchentliche Vorlesung wird zudem noch durch ein einstündiges Tutorium unterstützt, das ein Forum für Fragen und vertiefende Gespräche bietet. Auch in diesem vom „Australian Centre“ angebotenen Kurs war es möglich, das Thema des abschließenden Essays selbst zu wählen, so dass es möglich war, sich entsprechend seiner eigenen Fachrichtung ganz gezielt mit etwas „Australischem“ auseinanderzusetzen.

In meinem dritten Kurs „Picturing Australia“ stand die Beschäftigung der Repräsentation Australiens in den Medien im Vordergrund. Strukturiert und anschaulich aufbereitet bekam man einen Einblick, welches Bild Australiens in 200 Jahren Bildmedien in die Welt getragen wurde – aus der eigenen internationalen Perspektive eine reichlich spannende Angelegenheit. Neben dem obligatorischen Research Essay musste man für diesen Kurs auch ein Photo Journal anfertigen – dem jeweiligen Wochenthema entsprechend hieß es drei repräsentative Bilder der jeweiligen Zeitepoche in den Tiefen der Unibibliothek zu finden und diese entsprechend darzustellen und zu interpretieren.

Mein vierter Kurs nannte sich „Contemporary Aboriginal Art“ und brachte viele aktuelle Diskussionen mit sich, die sich zurzeit in Australien um die Schwierigkeiten im Umgang mit der zeitgenössischen Kunst der Ureinwohner ranken. Dabei wurde nicht nur auf kunsthistorische Aspekte eingegangen, sondern auch auf generelle Thematiken wie „Land rights“, „Kinship systems“ und das Marketing von traditioneller Aboriginal Art in Museen und Kunstgalerien. Gastvorträge unterschiedlicher berühmter Persönlichkeiten – Künstler, Forscher und Museumsdirektoren – bildeten einen gelungenen Rahmen dieser absolut schwierigen, aber das heutige australische Leben beherrschenden Thematik.

Neben dem Studium bietet Melbourne jede Menge Abwechslung, und dies nicht nur auf dem Campus in Form von unterschiedlichen Aktivitäten, von Street Latin Dance bis hin zu Clubs wie der „Chocolate Lovers Society“. Das Zentrum der sichtlich europäisch geprägten Stadt bildet der Yarra River mit seinen wunderschönen Promenaden und der Skyline, die abends in unterschiedlichen Lichtern erstrahlt und von den stündlichen Feuerfontänen des Crown Casinos erhellt wird. St. Kilda, Melbournes Strandort ist nur eine halbe Stunde vom Stadtzentrum entfernt und ist, wie eigentlich jeder Spot am leichtesten mit der Tram zu erreichen. Das Tramsystem ist leicht zu verstehen und auch für internationale Studenten mit kleinem Budget ansprechend. Die Lebensfreunde der Melburinans (Achtung, hier lässt man tatsächlich das ‚o’ weg) kommt aber erst dann so richtig zum Vorschein, wenn es um die vielen Festivitäten geht, die diese Stadt jährlich austrägt: von den Tennis Open, dem Formel 1 Grand Prix, dem Comedy-, sowie Food & Wine Festival… in Melbourne ist wahrlich immer was los. Während meines Austauschsemesters hatte ich das Glück, dass die Commonwealth Games 2006 in Melbourne ausgetragen wurden und die ganze Stadt auf den Beinen war. Es wurde soviel gefeiert, gelacht und gelebt… eben australisch!

Ich bin unheimlich dankbar, dass ich die Möglichkeit bekommen habe, ein Semester an der University of Melbourne zu studieren. Das Stipendium des Ranke-Heinemann-Instituts hat finanziell einen großen Teil dazu beitragen, wofür ich mich an dieser Stelle noch einmal herzlich bedanken möchte. Ich habe in diesen wenigen Monaten so viele unglaubliche Menschen kennen gelernt, die wohl beklopptesten und gleichzeitig tollsten Geschichten in meinem Leben erlebt, an Selbstbewusstsein gewonnen, viel über Australien und die Sicht auf meine eigene Nationalität sowie Europa gelernt und mein Leben in vollen Zügen genossen. Ich hätte mir manchmal gewünscht, ich könnte die Zeit einfach anhalten…

"...Once you start, all you can think of is being a waitress in a Paris bistro, or writing a novel in London, serving Vodka tonics in Prague, or laying on Sydney beaches. Once you begin, you are no longer afraid to go. And if you could afford it, you would throw aside all your responsibilities and go where the wind would take you. You could easily be talked into catching the first plane to Sao Paulo and selling beads on the street. Or at least you believe this now. And this is the feeling of living someplace foreign."

Insa Rullkötter


Seitenanfang - Auslandsstudium in Australien - The University of Melbourne

Erfahrungsbericht - Ruth Streicher



Die Sonne brennt. Die Straßen sind breit. Die Häuser sind klein.
So die grobe Zusammenfassung der wichtigsten Unterschiede
zwischen Melbourne und Berlin, die mir durch den Kopf gehen,
als ich am 12. Februar 2005 das erste Mal australischen Boden
betrete. Das ist also Australien?
Von Schweiß durchnässt und mit einem Rucksack, der nur in den
Augen kulanter Flughafenangestellter 20 kg Gewicht hat,
erreiche ich mein Ziel: Drummond Street Nummer 208. Dort
wohnt Penny, und Penny kenne ich aus Berlin, wo sie selbst
Austauschstudentin war und für ein halbes Jahr meine WG-
Mitbewohnerin. Penny hatte damals gesagt, Melbourne sei viel
cooler als Sydney. Von der Atmosphäre, und überhaupt, in
Melbourne sei es viel einfacher, einen netten Pub um die Ecke zu
finden. Zufällig passte das Profil der University of Melbourne auf
meine persönlichen Interessen. Und aus purem Glück bekam ich
das Direktaustausch-Stipendium der Freien Universität Berlin,
durch das ich ein Jahr an der Uni Melbourne studieren konnte,
ohne Studiengebühren zahlen zu müssen. Als ich
schweißtriefend vor Pennys Haus stehe, realisiere ich zum ersten
Mal, dass der Traum vom Studium in Australien wirklich wahr
geworden ist, und unabsehbare Folgen mit sich bringt...
„No worries!“ Da Penny noch arbeiten muss, heißt mich ihr
Freund Ash willkommen, und führt mich scherzend durch’s
Haus. Ob ich meinen Rucksack abstellen kann? „No worries!“ Es
dauert eine Weile, bis ich begreife, dass dieser Ausdruck nicht
mehr als „ja“ oder auch „na klar“ oder manchmal „in Ordnung“
bedeuten kann, und nichts damit zu tun hat, ob ich mir Sorgen
mache oder nicht. Viel länger wird es brauchen, bis ich mich in
den australischen Akzent eingehört habe und selbst nicht nur
Aussagen von AustralierInnen verstehen, sondern auch darauf
antworten kann, ohne dass ich ein breites Grinsen bei meiner
Gegenseite hervorrufe. Irgendwann, gegen Ende des Jahres, wird
mir „no worries“ so leicht über die Lippen gehen, dass es mir
selbst gar nicht mehr auffällt.
Doch bis dahin ist es ein weiter Weg, der sich zumindest anfangs
erstaunlich hürdenfrei gestaltet. Da zufällig einer von Pennys
vier MitbewohnerInnen auszieht, kann ich direkt in der
Drummond Street wohnen bleiben und erspare mir die nervige
Zimmersuche. Dementsprechend einfach ist es auch, mit
AustralierInnen in Kontakt zu kommen – schließlich wohnen vier
von ihnen bei mir im Haus und sind unglaublich aufgeschlossen,
nehmen mich mit auf Partys und Wochenendausflüge, und
werden zu einer der wichtigsten Komponenten in meinem
Australienjahr.
Die andere wichtige Komponente ist definitiv mein Studium an
der University of Melbourne. Auch der Einstieg in den Uni-Alltag
ist viel einfacher, als ich mir das vorgestellt habe. Bereits an
meinem Ankunftstag in Melbourne mache ich einen kleinen
Streifzug durch den Campus der Uni, auf dem mir zahlreiche
knallgelbe Plakate ins Auge springen. „Any questions? Come to
the Orientation Welcome Centre!“ Von überall auf dem Campus
weisen Pfeile zum Orientation Welcome Centre, dem ich gleich
am nächsten Morgen einen Besuch abstatte. Sprachkurse? E-
Mail-Konto? Freizeitaktivitäten? Für jede Frage bekomme ich
mindestens zwei Broschüren in die Hand gedrückt, mit dem
Hinweis, doch die entsprechende Veranstaltung auf der
„Orientation Week“ zu besuchen. Beladen mit einem Berg von
Broschüren trete ich abends den Heimweg an.
Der Service-Charakter und die freundliche Atmosphäre – auch in
der Uni-Verwaltung - erleichtern den Uni-Alltag ungemein.
Natürlich kommt gerade hier zum Tragen, dass die University of
Melbourne auf einer ganz anderen finanziellen Basis steht als die
FU Berlin. So gibt es eine ganze Reihe von uni-eigenen Service-
Büros, beispielsweise den „Career Service“. Dieser spricht mit
Studierenden auf Anfrage Lebensläufe und Bewerbungsschreiben
durch und unterhält eine zentrale Job-Datenbank, auf die nur
Uni-Angehörige zugreifen können. Oder die „Language and
Learning Skills Unit“. Dort kann man in individuellen Tutorien
seine Essays durchsprechen, und eine Vielzahl von Tipps und
Tricks zum wissenschaftlichen Arbeiten von der Homepage
runterladen.
Den Auslandsaufenthalt nutze ich bewusst dazu, um auch
studienmäßig über den Tellerrand zu schauen. Während ich in
Berlin Politikwissenschaften mit einem regionalen Schwerpunkt
auf Südostasien studiere, treten in Melbourne die
Politikwissenschaften in den Hintergrund und der regionale
Schwerpunkt in den Vordergrund. Zu Südostasien besuche ich an
der University of Melbourne sowohl ein Fach aus Geschichte
(Modern Southeast Asia) als auch aus dem Bereich Gender
Studies (Gender and Politics in Southeast Asia). Außerdem
bestreite ich mein erstes Online-Seminar (Asia, Pacific and the
West in History) und besuche in zwei Semestern auch zwei
Kurse, die sich thematisch mit meinem Gastland Australien
befassen.
Strukturell sind die meisten Fächer aufgeteilt in eine
zweistündige Vorlesung und ein einstündiges Tutorium mit etwa
zehn Leuten, in dem die Vorlesung und die Texte noch einmal
intensiv besprochen werden. Dieses Format ermöglicht eine viel
intensivere Beschäftigung mit Themen, als dies beispielsweise in
ähnlichen Seminaren an der FU der Fall ist. Ob einem die
DozentInnen und TutorantInnen zusagen, hängt wohl vom
persönlichen Geschmack ab. Insgesamt sind meine Erfahrungen
allerdings sehr positiv und bin mit einem Teil der DozentInnen
und TutorantInnen noch heute in Kontakt. Außerdem ist die
Betreuung durch die Lehrenden vorbildlich. Auf Anfragen per e-
Mail kommt meist noch am selben Tag eine Antwort zurück. Und
wer will, kann auch einfach direkt bei seinen DozentInnen
vorbeischauen.
Dennoch – oder gerade deswegen – ist mein Studium an der
University of Melbourne mit unglaublich viel Stress verbunden.
Kurz-Essays, Input-Referate und Take-Home-Exams gehören
zur Tagesordnung. Oft genug liegen die Essay-Deadlines für vier
verschiedene Fächer nur wenige Tage auseinander. Die Bücherei
der ‚Faculty of Arts’ reagiert aufmunternd auf den zunehmenden
Stress der Studierenden zu Semesterende. ‚Are you stressed?’
fragen bunte Plakate an den Eingangstüren und weisen
aufmunternd darauf hin, dass die Uni-Bibliothek zu
Prüfungszeiten bis drei Uhr morgens geöffnet hat. Das einzig
gute an dem extremen Zeitdruck ist die Zeit danach. Weil alle
Leistungsnachweise schon Anfang der Semesterferien erbracht
sein müssen, nutze ich die freie Zeit für ausgiebige Reisen in
den Norden und das Innere des Landes und eine Wandertour auf
der Insel Tasmanien.
Obwohl ich mich bis Ende des Jahres an die breiten Straßen und
die kleinen Häuser in Melbourne gewöhnt habe, holt mich am
Tag meiner Abschiedsfeier an Silvester 2005 die Hitze wieder
ein. Als nachmittags die Thermometer auf 46 Grad steigen, steht
definitiv fest, dass der 31. Dezember der heißeste Tag des
Jahres ist. Zum Glück fällt uns die perfekte Lösung ein: wir
packen die Badesachen und feiern den Jahreswechsel am Strand
im Melbourner Stadtteil St. Kilda. Wem es zu heiß wird, kann
einfach kurz ins Meer springen. In der Hinsicht ist meine
Rückkehr nach Berlin dann doch ziemlich ernüchternd...


Seitenanfang - Auslandsstudium in Australien - The University of Melbourne

Erfahrungsbericht - Matthias Bräuer



BERICHT ZUM AUSLANDSSTUDIUM 2003/04

Name: Matthias Bräuer
Studienfach: Medieninformatik
Heimatuniversität: Technische Universität Dresden
Zielland: Australien
Universität: The University of Melbourne

Nachdem ich in den Wochen vor dem Abflug beinah Tag und Nacht für zwei Projekte und die Vorbereitung einer Prüfung gearbeitet hatte, stieg ich am 9. Juli erleichtert und doch etwas wehmütig in das Flugzeug. Ich würde Dresden und viele gute Freunde für ein Jahr nicht sehen, andererseits war ich natürlich auch voller Erwartungen und Vorfreude auf mein Auslandsjahr „down under“.

Nach 20-stündigem Flug kam ich recht erschöpft in Melbourne an, mit dem eigenartigen Gefühl im Bauch, niemanden auf dem gesamten Kontinent zu kennen. Glücklicherweise funktionierte der Abholdienst der Universität problemlos und so wurde ich sicher zu dem ebenfalls von der Uni organisierten Hotel gefahren, wo ich sehr freundlich empfangen wurde. Auch der Fahrer hatte schon ein paar gute Tipps parat und so merkte ich gleich am ersten Abend etwas, was mir in den folgenden Tagen noch öfters auffallen würde: die Menschen hier sind ungemein freundlich und hilfsbereit und sehen die meisten Dinge recht locker und unkompliziert.

Die folgenden Tage verbrachte ich dann neben dem Erkunden der Stadt und des Uni-Geländes überwiegend mit der Suche nach einer dauerhaften Wohnung. Es herrscht zwar keine Wohnungsnot in Australien, trotzdem kann so eine Suche recht lange dauern und viel Nerven kosten. Um diese Zeit des Jahres (also kurz vor Semesterbeginn) bewerben sich nämlich bis zu 20 Leute um ein Zimmer in den hier sehr beliebten Wohngemeinschaften, so dass man schon sehr gut zu den Mitbewohnern passen muss. Nachdem ich etwa 15 Leute angerufen und fünf Wohnungen besichtigt hatte, fand ich dann nach vier Tagen endlich das Richtige. Recht zentral und uninah gelegen wohne ich jetzt zusammen mit zwei Studenten aus Indien, die beide allerdings schon seit vielen Jahren in Australien sind.

Fünf Tage nach meiner Ankunft bin ich dann im Rahmen eines ersten Willkommens-Programms für eine Woche in eines der Residential Colleges gezogen. Diese von der Uni bewirtschafteten Wohnheime sind in der Tradition der Colleges in Cambridge oder Oxford gehalten und dementsprechend auch recht stark auf Tradition bedacht (bei festlichen Anlässen werden beispielsweise feierliche Roben getragen). Insgesamt waren die fünf Tage aber ausgesprochen unterhaltsam, da bewusst noch nicht auf unirelevante Dinge eingegangen wurde. Stattdessen machten wir Stadtrundgänge, Museumsbesuche und interessante Lektionen in Bezug auf australische Kultur und Ausdrucksweise. Außerdem unternahmen wir eine Bootsfahrt auf dem Yarra-River, einen Ausflug in einen Naturschutzpark (mit Wombats, Kängurus und Koalas) und besuchten ein „Football Aussie Rules“ – Spiel. Dieser nur hier existierende Sport ist der ganze Stolz der Australier und eine Mischung aus europäischem Fußball, American Football und Rugby.

Außerdem gab es natürlich reichlich Gelegenheit, interessante Leute kennen zu lernen und das Nachtleben dieser gigantischen Stadt etwas zu erforschen. Melbourne als zweitgrößte Stadt Australiens (3,5 Mio. Einwohner) ist ungemein vielseitig und hat einfach ein tolles Flair. Da gibt es das italienische Viertel und Chinatown und natürlich die tolle Innenstadt mit alten viktorianischen Kirchen und Gebäuden inmitten gigantischer Bürokomplexe und Wolkenkratzer. Außerdem einen riesigen Vergnügungskomplex am Fluss mit Hotel, Casino und Spielhallen, bei dem man zwischen Erstaunen und Unglauben über soviel Protz und Verschwendung hin- und hergerissen ist. Und trotz dieser unglaublichen Dimensionen ist Melbourne sehr sicher und vor allem auch sehr sauber, was vielleicht dem Lebensgefühl der Leute zu verdanken ist.


Nachdem ich aus dem College aus- und in meine Wohnung eingezogen war, ging auch schon das offizielle Begrüßungsprogramm der Universität los, die sog. Orientation Week. Es ist schon beeindruckend, wie aufwändig dies hier gestaltet wird. Eine Woche lang wurde man in unzähligen Informationsveranstaltungen in alle möglichen Aspekte des Studierens hier eingeführt und durch zahlreiche Barbecues und kulturelle Veranstaltungen kam auch der Spaß nicht zu kurz. Da ich mich außerdem für das SOAAP (Student on Arrival Assistance Program) angemeldet hatte, konnte ich mich bei Fragen immer an meine Mentorin wenden.

Dadurch verlief die Einschreibung in Kurse weitgehend problemlos. Man muss sich zwar erst einmal an das Einschreibsystem im Internet gewöhnen, aber dadurch gestaltete sich auch das Ändern meines Stundenplans sehr einfach. Ich hatte nämlich am Anfang noch keine hundertprozentig feste Vorstellung, welche Fächer ich belegen wollte, was hauptsächlich daran lag, dass ich nur maximal vier Lehrveranstaltungen pro Semester besuchen darf. Das Kursangebot ist allerdings sehr umfangreich und als „Study Abroad“-Student kann ich ja aus den Angeboten sämtlicher Fakultäten wählen.

Technisch gesehen ist die Uni topmodern, insbesondere die Hörsäle erinnern mit den gepolsterten Sitzen eher an Kinosäle. Zugegebenermaßen habe ich auch die allermeisten meiner Vorlesungen und Tutorials im gerade mal zwei Jahre alten ICT Building, einem großen Komplex mit viel Glas und Beton, der sich eine Strasse entfernt vom Hauptcampus befindet.

Auf dem Campus selbst findet man Gebäude unterschiedlichsten Alters, was sich natürlich vor allem in der Bauart widerspiegelt. Neben charmanten und etwas älteren viktorianischen Gebäuden gibt es auch große funktionale und nicht allzu attraktive Backsteinblöcke sowie futuristische Bauten mit viel Glas. Außerdem Wiesen und Wasserspiele, Säulengänge und kleine Höfe mit viel Bepflanzung. Das Hauptgelände selbst ist eher noch kleiner als der Campus in Dresden, allerdings ist die Zahl der Studenten mit etwa 40.000 um ein Drittel höher.

Der Anteil internationaler Studenten ist sehr hoch (etwa 40%, im Postgraduate-Bereich teilweise bis zu 100%), wovon ein Großteil aus Asien (Indien, Malaysia, Singapur, Indonesien und China) und den USA kommt. Allerdings kommen in den letzten Jahren auch immer mehr Europäer nach Australien. So habe ich hier bereits sehr viele weitere Deutsche, Dänen und Franzosen kennen gelernt.

Das Studieren selbst unterscheidet sich zumindest im Undergraduate-Bereich nicht allzu sehr von Deutschland. Es gibt zu jeder Vorlesung eine Reihe von Tutorien (Übungen). Im Gegensatz zu Deutschland beläuft sich der Umfang der Veranstaltungen pro Woche allerdings nur auf etwa 10 bis 15 Stunden (im Vergleich zu den 30 bis 40 Stunden in meinen letzten Semestern). Allerdings ist erheblich mehr Zeit für die Vorbereitung von Hausaufgaben einzuplanen, die zumeist auch einen nicht unerheblichen Leseaufwand darstellen. Zudem fließen in die Bewertung in der Regel auch kleinere oder größere sog. Assignments ein. Dabei handelt es sich oft um Essays, die im Verlauf des Semesters angefertigt werden müssen.

In dem einen Postgraduate-Fach, das ich belege, ist sogar gar keine Prüfung vorgesehen, sondern die Endnote setzt sich aus Vorträgen (allein und in einer Gruppe), zwei kleineren Essays und einem großen Research Paper zusammen. Besonders in diesem Fach, das sich mit Fallstudien in der Softwareentwicklung auseinandersetzt, werden auch die Lehrziele deutlich, die hier überall sehr stark betont werden: Förderung des kritischen Denkens, Meinungsbildung sowie akademische bzw. wissenschaftliche Prinzipien und Methoden. Außerdem ist die Atmosphäre im Unterrichtsraum gerade im Postgraduate-Bereich noch wesentlich stärker durch Diskussion und Meinungsaustausch geprägt. Dies wird auch dadurch erleichtert, dass den Kurs etwa 20 Studenten belegen, aber dabei gleichzeitig von zwei Professoren betreut werden! Außerdem ist es hier üblich, den Professor mit dem Vornamen anzureden, was ein wenig das Förmliche aus den Gesprächen herausnimmt. Trotzdem muss man natürlich sehr gut argumentieren, da (auch schon im Undergraduate-Bereich) extrem viel Wert darauf gelegt wird, dass man Aussagen auch rechtfertigt.

Insgesamt kann ich sagen, dass mein Auslandsaufenthalt sehr gut begonnen hat. Die Universität ist hervorragend und ich werde mit Sicherheit viel lernen, gleichzeitig lädt die Umgebung zu einer Vielzahl von Aktivitäten außerhalb des Studiums ein. In den nächsten Wochen wird sich dann wahrscheinlich langsam Routine einstellen und es wird im Vergleich zu den aufregenden ersten Tagen sicher ruhiger werden. Allerdings gibt es hier noch so viel zu entdecken, dass sicher so schnell keine Langeweile aufkommen wird.

--------------------------------------------------------------------------

Zwölf unglaublich schöne Monate voller Erfahrungen, Erlebnisse und Eindrücke liegen hinter mir. Inzwischen bin ich wieder in Deutschland und es ist Zeit, ein wenig über das vergangene Jahr zu reflektieren und über das Erlebte zu berichten. Ich denke, dass mich der Aufenthalt in Australien in vielerlei Hinsicht bereichert hat. Mit Sicherheit sind die persönlichen Veränderungen am deutlichsten. Da ich bei meiner Abreise alles hinter mir gelassen hatte und mir sozusagen ein komplett neues Leben aufbauen musste, bin ich deutlich erwachsener und reifer geworden. Organisatorische Aspekte wie das Finden einer Wohnung oder die Orientierung an einer neuen Universität waren nur die kleineren Hindernisse. Viel schwerer wog das Kennenlernen vieler andere Kulturen und Denkweisen, der Aufbau eines neuen Freundeskreises und ganz allgemein das Einleben in eine fremde Umgebung mehr als 16.000 km entfernt von Zuhause.

Ich kann mich erinnern, wie ungewiss und waghalsig dieser Schritt vor einem Jahr auf mich wirkte. Wie würde ich die Trennung von Freunden und Familie verkraften, wie würde ich mich an eine Großstadt mit 3,5 Millionen Einwohnern gewöhnen? Kürzlich fragte mich ein Kommilitone aus Dresden, der nun ebenfalls für ein Jahr nach Australien geht, ob ich diese Entscheidung jemals bereut hätte. Neben den persönlichen Herausforderungen bringt so ein Auslandsaufenthalt ja auch beachtliche Investitionen an Zeit und Geld mit sich. Die Frage erschien mir sehr vertraut, hatte ich doch ähnliche Emotionen kurz vor meiner Abreise. Doch ich konnte ihn voll und ganz beruhigen. Die Zeit in Melbourne war definitiv die beste und nachhaltigste Erfahrung meines Lebens. Schon allein die geographische Entfernung von allem, was vorher vertraut und selbstverständlich gewesen ist, bewirkt, dass man sich „öffnet“ und aktiv das Neue in sich aufnimmt. Man weiß, dass man eben nicht jederzeit mal schnell nach Hause zurückfliegen kann. Und nach einer Weile will man dies auch in der Regel nicht mehr.

In der Tat ist es beinahe unheimlich, welch ungeheure Faszination Australien auf die meisten Menschen ausübt. Ich habe während meines gesamten Aufenthaltes eigentlich nie Heimweh gehabt. In den Abschnitten über Australien und Melbourne werde ich ein paar Dinge ansprechen, die dies etwas verdeutlichen werden. Gerade bei einem einjährigen Aufenthalt fällt die Rückkehr dann auch sehr schwer und die letzten Wochen vor dem Rückflug waren in der Tat emotional sehr aufreibend. Der Abschied von Dresden war mir schwer gefallen, der Abschied von Melbourne erschien mir beinahe unmöglich. Andere Austauschstudenten berichteten von ähnlichen Erfahrungen. Die Universität kennt das Phänomen und bietet Beratung und Informationsveranstaltungen zu Themen wie „Culture Shock? But I’m just going home“ an. Doch es ist nicht nur das einzigartige Lebensgefühl und die Atmosphäre Australiens, die die Heimkehr erschweren. Schwer wiegt auch die Veränderung der eigenen Anschauungen und Ansichten.

Es fällt mir nicht leicht, dies zu beschreiben, aber ich kann sagen, dass der Auslandsaufenthalt meine ganze Gedankenwelt auf den Kopf gestellt hat. Das, was vorher fremd und weit entfernt – ja unerreichbar – erschien, ist nun auf angenehme Weise vertraut. Durch die unglaubliche Multikulturalität in Melbourne, die vielen Freunde aus aller Welt, die ich gewonnen habe und meine Reisen innerhalb Australiens und Südostasiens habe ich eine starke Neugier auf fremde Kulturen und Länder entwickelt. Kurz gesagt möchte ich einfach noch viel mehr sehen und kennen lernen. Insbesondere mein Interesse für asiatische Sprachen und Kultur hat sich noch weiter gesteigert. Ein Studien- oder Praktikumsaufenthalt in China oder Japan ist einer meiner seit langem gehegten Wünsche und nach dem Jahr in Australien wirkt dies auch nicht mehr so problematisch und kompliziert. Nachdem man einmal den Sprung ins Ungewisse gemacht hat, verliert das Unbekannte seinen Schrecken.

Im Gegensatz zu meinem Zwischenbericht werde ich dieses Mal keine besondere chronologische Reihenfolge beachten, sondern allgemein auf unterschiedliche Aspekte des Auslandsaufenthaltes eingehen. Neben ein paar generellen Bemerkungen zu Land und Leuten sowie der Stadt Melbourne werde ich über meine akademischen und natürlich außeruniversitären Erlebnisse und Erfahrungen berichten. Ich wünsche schon einmal vorab einen unterhaltsamen Einblick in das Leben und Studieren auf dem fünften Kontinent.


Australien – Leben „down under“

Australien ist ein eigentümliches Land. Es ist gleichzeitig der kleinste Kontinent und die größte Insel der Erde. Gerade einmal 20 Millionen Menschen leben hier auf einer Fläche, die so groß wie Europa oder die Vereinigten Staaten ist. Und die meisten davon leben an der Küste in einer Handvoll von Großstädten. Der größte Teil Australiens ist glühend heiße Wüste und noch dazu wird die unfruchtbare Gegend von den giftigsten und tödlichsten Lebewesen auf diesem Planeten bevölkert. Interessanterweise gilt das Land trotz all dieser Unwirtlichkeiten als einer der lebenswertesten und schönsten Flecken der Erde und ohne allzu sehr zu verallgemeinern kann man sagen, dass die Menschen hier offener, freundlicher und einfach lebensfroher sind als das in vielen anderen Ländern der Fall ist. Dies trifft insbesondere auch auf den Vergleich mit Deutschland zu.

In der Tat ist es das einzigartige Lebensgefühl und die Lockerheit im Umgang miteinander, die einen schnell in den Bann zieht. Eine typische australische Redewendung (und eine Art Universalausdruck für jede erdenkliche Gelegenheit) ist das „no worries“ (keine Sorgen), das man sich nach einer Weile auch selber angewöhnt. Außerdem benutzen Australier sehr oft den Term „mate“ (Kumpel), auch für Personen, die sie gar nicht näher kennen. Beispielsweise ist es völlig normal, wenn man im Supermarkt vom Kassierer mit „No worries, mate.“ verabschiedet wird, nachdem man sich im gleichen Stil mit „Thanks, buddy.“ bedankt hat. Dadurch fällt es sehr leicht, mit den Menschen in Kontakt zu kommen.

Natürlich könnte man diese Art des Umgangs miteinander als oberflächlich abtun, doch im Gegensatz zu meinen Erfahrungen mit den meisten US-Amerikanern wirkt dies bei „Aussies“ (wie Australier sich selbst nennen) in der Regel liebenswert, echt und ungekünstelt. In der Tat spiegelt der locker-freundschaftliche Umgangston eine Mentalität und Lebensanschauung wieder, die in ihren Grundfesten stark von den Idealen der Gleichheit, Fairness und einer gewissen Abneigung gegenüber Autorität und „high achievers“ (Überfliegern) geprägt ist. Das Prinzip des „fair go“ (in etwa mit gerechter Behandlung zu übersetzen), das für jedermann gelten soll, und der Gedanke der „mateship“ (Kameradschaftlichkeit) sind tief in der australischen nationalen Identität verwurzelt.

Dies ist vor allem deshalb so, weil diese Ideale oft als einzige Gemeinsamkeit der vielen unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen gesehen werden und es den Menschen in Australien ansonsten schwer fällt genau zu definieren, was es eigentlich bedeutet, Australier zu sein. Von den Anfängen als Strafkolonie über die Zuwanderungswelle während der Goldrausch-Ära bis zur Entstehung des Multikulturalismus nach dem zweiten Weltkrieg hat sich Australien immer wieder stark verändert. Geschichte und Kultur des Landes sind wirklich sehr faszinierend und ich hatte in einem meiner Kurse an der Uni die Möglichkeit, mich recht intensiv damit zu beschäftigen (mehr zu den von mir belegten Fächern folgt später). Unter anderem habe ich auch einen Forschungsaufsatz über das Problem der Definition einer australischen nationalen Identität geschrieben. Ich möchte aber an dieser Stelle nicht noch intensiver darauf eingehen, da dies den Rahmen dieses Berichtes sprengen würde.

Neben der Freundlichkeit und Lockerheit der Menschen fällt noch ein zweiter Aspekt des Lebens in Australien sofort auf – die unglaubliche Multikulturalität. So identifizieren sich drei Viertel der Bevölkerung mit einer nichtaustralischen Herkunft und insgesamt werden mehr als 200 Sprachen gesprochen. Tatsächlich wird in Australien eine Politik des Multikulturalismus gelebt, die es in dieser Art und Weise kaum irgendwo anders auf der Welt gibt. Es ist schwer vorstellbar, dass sich dies erst in den letzten 20 bis 30 Jahren entwickelt hat. Bis etwa 1980 galt noch die Politik des „White Australia“, die das Ziel hatte Immigranten zur britischen und „weißen“ Kultur zu „bekehren“. Diskriminierung insbesondere gegenüber asiatischen Einwanderern war gängig, was auch aus der unmittelbar und drastisch erlebten Bedrohung durch die Japaner während des zweiten Weltkriegs resultierte.

Inzwischen wird die Multikulturalität staatlich gefördert. Die vielen Kulturen werden ermutigt, ihre Sprachen und Gebräuche zu pflegen und ihre Identität zu wahren. Es gibt sogar einen speziellen öffentlich finanzierten Fernsehsender, der sich einzig und allein diesem Ziel widmet – durch internationale Filme im Originalton, Nachrichten von Fernsehstationen aus aller Welt, Dokumentationen, Sprachlernprogramme und vieles mehr. Sogar die deutsche Fernsehserie „Kommissar Rex“ konnte man sich im Original anschauen.

Die meisten Australier werden als Hauptvorteil des Multikulturalismus sicher die Fülle an internationalem und authentischem Essen nennen. Auch wenn dies banal klingen mag, ist es dennoch erwähnenswert, wie gut (und billig) man in Australien essen gehen kann. Im Gegensatz zu Deutschland, wo in vielen Städten ein „Asia-Imbiss“ oft schon das Höchste der Gefühle ist, findet man hier erstklassige und vor allem authentische Restaurants mit indischer, thailändischer, chinesischer, malaysischer, indonesischer oder japanischer Küche. Die Bewahrung der individuellen Kulturen bringt auch eine ganze Reihe von internationalen Festivals mit sich, auf die ich im Abschnitt über Melbourne etwas eingehen werde.

Die Vielfalt an Kulturen, Sprachen und Menschen, denen ich während meines Aufenthaltes begegnet bin, hat mich stark in ihren Bann gezogen. Sicherlich ist ein Auslandsaufenthalt immer vom Kennenlernen einer anderen Kultur und Lebensweise geprägt. In Australien kam ich allerdings nicht nur mit einer, sondern gleich einer ganzen Vielzahl fremder Kulturen in Kontakt. Durch das Zusammenleben mit meinen indischen Mitbewohnern, durch die Arbeit in MUOSS mit meinen vielen Freunden aus Südostasien (mehr dazu später) und durch Studienprojekte mit chinesischen Mitstudenten habe ich beispielsweise sehr viel über die verschiedensten asiatischen Kulturen lernen können. Nebenbei habe ich durch die große Zahl an Austauschstudenten an der University of Melbourne auch Leute aus praktisch jedem europäischen Land und natürlich den USA kennen gelernt.

Das Besondere gerade an einem einjährigen Studienaufenthalt in Australien ist, dass man sich sehr schnell einlebt und ein neues Zuhause schafft. Auch wenn es sicher Ausnahmen gibt, wage ich zu behaupten, dass man sich beispielsweise in Frankreich auch nach einem Jahr in der Regel noch als Deutscher unter Franzosen fühlen wird. Ähnlich ist dies sicher für Ausländer, die nach Deutschland kommen. In Australien ist dies anders. Man sieht sich nach einer Weile einfach nicht mehr als „Fremder“, da Aspekte wie unterschiedliches Aussehen, eigenartiger Akzent oder andere Religion hier einfach keine Rolle spielen. Im Gegensatz zum eher „monokulturellen“ Deutschland gibt es hier keine wirklich dominierende Bevölkerungsgruppe. Die verschiedenen Kulturen leben neben- und miteinander und bewahren sich ihre individuellen Eigenheiten. Die allermeisten Menschen, die man auf der Straße sieht, sind mehr oder weniger genauso „fremd“ oder „heimisch“ wie man selber. Vor allem aus diesem Grund kann man sich nach einer Weile sehr gut vorstellen, auch für eine längere Zeit in diesem Land zu leben.


Melbourne – Kultur, gutes Essen und wechselhaftes Wetter

Melbourne ist nach Sydney Australiens zweitgrößte Stadt und mit 3,5 Millionen Einwohnern im Vergleich zu Dresden gigantisch. Noch dazu sind Wohnblöcke und Apartments in Australien sehr unüblich. In der Regel möchte jede Familie so früh als möglich ein eigenes Häuschen in den Vororten haben. Folglich ist die Bevölkerungsdichte etwas geringer als in deutschen Städten und inklusive der äußeren Stadtteile und Vororte erstreckt sich Melbourne über eine wahrlich riesige Fläche. Von der Aussichtsplattform in der City lässt sich dies am Abend besonders schön erleben und es ist einfach atemberaubend, dieses endlose, bis zum fernen Horizont reichende Lichtermeer mit eigenen Augen zu sehen.

Trotzdem lebt man sich außerordentlich schnell ein. In der Tat fühlt man sich gerade in Melbourne schon nach relativ kurzer Zeit zu Hause. Ein Schulfreund, der zu dieser Zeit in Sydney studierte, berichtete mir, dass es dort etwas länger gedauert hatte, bis der Funke übergesprungen war. Melbourne aber ist aus vielen Gründen sofort sympathisch und ist nicht umsonst auch 2004 zum wiederholten Mal mit dem Titel „most liveable city of the world“ (lebenswerteste Stadt der Welt) ausgezeichnet worden. Im Folgenden werde ich die Stadt ein bisschen vorstellen und versuchen, die einzigartige Lebensqualität und die Faszination, die von ihr ausgeht, etwas näher zu bringen.

Melbourne ist, besonders im Vergleich mit dem lauten, hektischen und amerikanisch anmutenden Sydney, eine eher ruhige und beschauliche Stadt. Im Gegensatz zu Sydney hat Melbourne keinen weltberühmten Hafen, keine endlosen Sandstrände und kein lärmendes, schrilles Nachtleben. Stattdessen findet man hier europäische Café-Kultur, alte viktorianische Bauten, herrliche Museen, Theater und Konzerthallen sowie Unmengen an Straßenzügen voller hervorragender Restaurants. In der Tat bietet Melbourne die beste, umfangreichste und abwechslungsreichste Küche Australiens, weshalb es oft auch als „Food Capital“ (Essens-Hauptstadt) des Landes bezeichnet wird.

Dazu trägt auch die Tatsache bei, dass Melbourne sicher eine der multikulturellsten Städte Australiens ist. Beispielsweise gibt es hier die größte griechische Gemeinschaft außerhalb Griechenlands. Das Stadtbild ist deshalb auch stark von dieser faszinierenden Mischung der verschiedenen Kulturen geprägt – stärker, als ich das in jeder anderen Stadt in Australien beobachtet habe. Man braucht eigentlich nur einmal in eine der vielen Straßenbahnen einsteigen (die aufgrund ihrer historischen Wagen eines der Wahrzeichen Melbournes sind) und wird die verschiedensten Sprachen und Akzente hören. Viele der inneren Stadtteile um die City herum sind von einer bestimmten Bevölkerungsgruppe geprägt, was sich natürlich vor allem in den Menüs der Restaurants niederschlägt.

Beispielsweise ist der uninahe Stadtteil Carlton auch als Little Italy bekannt. Entlang der berühmten Lygon Street findet man ein hervorragendes Pizza- und Pastarestaurant neben dem anderen, dazu hochklassige Torten- und Eisläden sowie den besten Kaffee Melbournes (in Dutzenden verschiedenen Ausprägungen). Gerade an diesem Stadtteil lässt sich das besondere Flair der Stadt besonders gut darstellen. In Carlton wurde nämlich als Erstes das Essen im Freien (mit Tischen und Stühlen auf dem Bürgersteig) etabliert. Man muss sich einfach vorstellen, an einem warmen Sommerabend mit einer Gruppe von Freunden auf dieser Straße entlang zu spazieren. Vorbei an den endlosen Terrassen, die die Straße säumen; vorbei an zahllosen Restaurant-Chefs, die einem mit südländischer Freundlichkeit und Überschwang die Abendkarte entgegenstrecken und auf Italienisch begrüßen. Sich dann nach dem Dinner in einem der Gartencafés noch einen Capuccino gönnen und den vorbeiflanierenden Menschen zuschauen ist schlicht und einfach Leben pur und genau das, was Melbourne auszeichnet und so sympathisch macht.

Neben „Little Italy“ gibt es noch das griechische Viertel in der City, das vietnamesische Viertel Richmond, in dem man sehr gut nach asiatischen Gewürzen und anderen Produkten shoppen kann und die mehrere Kilometer lange Sydney Road mit ihren vorwiegend türkischen und libanesischen Restaurants sowie einer Unmenge an kleinen, intimen Kramläden. Auch das Melbourner Chinatown ist eine sich über mehrere Blöcke erstreckende Straße voller authentischer asiatischer Restaurants aller kulinarischen Richtungen, vor denen traditionell gekleidete junge Frauen höflich zum Eintreten einladen.

Neben diesen ethnisch geprägten Vierteln gibt es noch weitere Stadtteile, die ihre ganz eigene Atmosphäre haben. Beim Partyvolk sehr beliebt sind die Straßen des Szeneviertels St. Kilda, das von Kneipen, Bars und Nachtclubs überquillt. Etwas elitärer ist die Chapel Street im noblen Stadtviertel South Yarra. Mit den zahlreichen Designer-Läden und Edelcafés ist dies der beste Ort, um das Neueste in Sachen Mode zu sehen (und bei entsprechendem Budget auch zu kaufen). Nicht umsonst ist Melbourne auch als „Fashion capital“ (Modehauptstadt) Australiens bekannt. Das Künstler- und Studentenviertel Fitzroy gibt sich da weitaus weniger pompös. Entlang der zentralen Brunswick Street finden sich aber einige der besten Restaurants und Bars Melbournes sowie zahlreiche Läden für Ungewöhnliches und Exotisches.

Interessanterweise ist es unter den Melbournians (wie sich die Einwohner selbst nennen) sogar sehr beliebt, am Abend am Yarra River entlang zu spazieren und den Blick auf die bunt illuminierte Skyline zu genießen. Der dort gelegene Southgate-Shopping-Komplex und das Crown Casino (das größte Casino der südlichen Hemisphäre) bieten ebenfalls vielfältigste Möglichkeiten zum Freiluft-Dinieren und die ruhige, entspannte und romantische Atmosphäre zieht die Pärchen der Stadt an. Tagsüber bietet die mit Bäumen gesäumte Promenade den richtigen Hintergrund für eine Vielzahl an Straßenkünstlern, Malern und Musikanten. Passend, dass gleich in der Nähe das Arts Centre mit der Gemäldegalerie, Theater- und Konzerthalle sowie weiteren Museen und Ausstellungen zu finden ist.

Ich hoffe, dass aus den obigen Schilderungen deutlich wird, wie vielschichtig und faszinierend Melbourne aufgebaut ist. Kein Stadtviertel gleicht dem anderen und es dauert eine Weile, bis man zumindest die vordergründigsten der vielen unterschiedlichen Facetten dieser extrem kosmopolitischen Stadt kennen gelernt hat.


Beim Besuch des Stadtzentrums fällt schnell auf, wie sauber und gepflegt die Stadt wirkt. Große Fußgängerzonen mit teilweise richtig professionellen Straßenkünstlern, Obst- und Zeitungsstände und viele Shopping-Malls bestimmen das Bild. Die Orientierung fällt aufgrund der im Gitternetz angeordneten Gebäude sehr leicht. Da das Zentrum zudem recht kompakt ist, dauert es nicht lange, bis man alle Straßennamen aus dem Kopf weiß und sich perfekt auskennt. Viele von Melbournes guten Pubs und Cocktail-Bars befinden sich (meist etwas versteckt) in der City, so dass man gar nicht weit gehen muss, um einen vergnüglichen Abend zu verleben.

Es ist anscheinend bei den Bankern und Geschäftsleuten im Business-Viertel rund um die Collins Street auch sehr beliebt, nach der Arbeit noch mit Kollegen in eine der schicken Bars zu gehen, um den Arbeitstag stilvoll abzuschließen. Jedenfalls sieht man am frühen Abend eine Menge professionell gekleideter Menschen durch die Straßen gehen. In Melbourne ist es auch völlig normal, selbst als hoch bezahlter Manager mit der Straßenbahn nach Hause zu fahren und dabei mit dem daneben sitzenden Arbeiter zu schwatzen. Für mich war es immer wieder faszinierend, dieses australische Prinzip der Gleichheit und Offenheit so vor Augen geführt zu bekommen. Elitäres Gehabe und Abgrenzung ist den meisten Aussies fremd.

Zum Thema Nachtleben möchte ich nur noch eine weitere kurze Randbemerkung machen. Besucher aus Sydney monieren oft, dass Melbourne am Abend wie ausgestorben und viel zu ruhig wirkt. Das stimmt schon, weil Lärm in der Stadt nicht gern gesehen wird (für mich war mein erster Besuch in Sydney fast ein Schock, als ich den Geräuschpegel zu mitternächtlicher Stunde erlebte). Trotzdem bietet Melbourne eine riesige Anzahl an Clubs, Pubs und Bars – man muss nur wissen, wo man hingehen muss. Meist verbirgt sich hinter einer unscheinbaren Fassade eine riesige Partyfläche in Unter- oder Obergeschossen, deren Schall nur nicht auf die Straße dringt. Beispielsweise befindet sich in Melbourne auch der größte Nachtclub der südlichen Hemisphäre. Besonders erwähnenswert ist auch die außerordentlich lebendige Live Musik-Szene. Unter anderem wegen einiger hervorragender Jazz-Clubs wird die Stadt übrigens auch als Hauptstadt des Jazz und Blues in Australien erachtet.

Positiv zu bemerken ist die äußerst geringe Kriminalitätsrate Melbournes, was für eine Stadt dieser Größe wahrscheinlich ungewöhnlich erscheint. Es ist absolut kein Problem, nachts allein durch die Straßen der City zu gehen. In dem Park, der sich gegenüber meiner Wohnung befand, sah man auch zu später Stunde trotz kaum vorhandener Beleuchtung Jogger fleißig ihre Runden drehen. Ich muss sagen, dass ich mich in Melbourne praktisch immer sicherer gefühlt habe als das in manchen Gegenden Dresdens der Fall ist.

Beim Beobachten des Menschengetümmels merkt man dann auch bald, wie fröhlich und gelassen die meisten Leute aussehen. Der Unterschied zu den meist etwas missmutig, nachdenklich und besorgt aussehenden Deutschen ist mir nach meiner Rückkehr besonders deutlich geworden. „The best about Melbourne is the people“ (Das Beste an Melbourne sind die Menschen) hatte mir schon der Fahrer gesagt, der mich damals vom Flughafen abgeholt hatte. In der Tat sind die Melbournians unglaublich freundliche, lebensfrohe und gemütliche Menschen, die die meisten Dinge erfrischend unkompliziert und locker sehen. Zum Teil hat dies sicher auch mit der bewussten Abgrenzung zu den etwas aggressiveren und wettbewerbsorientierten Sydneysiders zu tun.

So kommt man immer mal wieder mit den Leuten ins Gespräch, ob in der Straßenbahn oder im Café. Vor allem fällt die Orientierung von Anfang an sehr leicht, da man sich sicher sein kann, bei Fragen immer eine freundliche, manchmal auch ironisch-humorvolle Antwort zu erhalten. Die Hemmschwelle der Kontaktaufnahme mit Menschen in einem völlig fremden Land ist dadurch schnell überwunden. Beispielsweise schenkte mir nach meiner Ankunft ein Besitzer eines Internet-Cafés gleich eine Karte der Innenstadt, als er merkte, dass ich neu in der Stadt war. Als ich in der Straßenbahn einen Mann nach dem Weg fragte, meinte der nur mit einem Grinsen, dass er auch nicht aus Melbourne sei. Also erkundigte er sich gleich mal für mich bei den anderen Leuten im Abteil, die auch bereitwillig Auskunft gaben.

Richtig deutlich wird die beispiellose Fairness und Freundlichkeit der Menschen beim Besuch eines „Footy“-Spiels. Dieser in Melbourne erfundene Sport mit dem offiziellen Namen „Football Australian Rules“ ist, wie im letzten Bericht schon erwähnt, eine actionreiche Mischung aus Fußball, American Football und Rugby, bei dem es auch schon mal recht hart zur Sache geht. Die Faszination dafür grenzt in der Stadt schon beinahe an Verrücktheit und beinah jeder Stadtteil hat auch einen eigenen Verein, so dass die Hälfte der Mannschaften in der nationalen Liga aus Melbourne kommt. Der Dekan der Engineering-Fakultät verglich den Sport nicht umsonst mit einer Art Religion und widmete einen Teil seines Einführungsvortrags für internationale Studenten ausschließlich dem „Footy“.

Das Tolle daran ist nun, dass trotz der fanatischen Verehrung der Spieler durch ihre Fans die Spiele absolut friedlich ablaufen. Was noch viel mehr verblüfft ist die Tatsache, dass Anhänger beider spielenden Fraktionen bunt gemischt auf den Rängen nebeneinander sitzen. Natürlich werden bei Toren die Fahnen geschwenkt, das gegnerische Team ausgebuht und die eigene Mannschaft bis zum Versagen der Stimme angefeuert. Am Ende wird dann auch noch aus voller Kehle die Hymne des Siegers gesungen. Trotzdem verlassen danach alle in faszinierender Eintracht das Stadion, ohne Rangeleien, Anfeindungen oder Handgreiflichkeiten. Ich muss sagen, dass ich in Deutschland noch nie bei einem Fußballspiel gewesen bin, da es gerade in Dresden immer wieder zu unschönen Szenen und Auseinandersetzungen mit der Polizei kommt. In Melbourne machte es richtig Spaß, einfach mal für einen Nachmittag ins Stadion zu gehen und einer willkürlich gewählten Mannschaft zuzujubeln.

Ein weiteres Highlight Melbournes sind die vielen, wunderschönen Gärten. Die Stadt ist unglaublich grün und bietet eine enorme Vielfalt bei den Parkanlagen. Das Angebot reicht von klassischen Stadtparks nicht unähnlich dem Dresdner Großen Garten über riesige steppenähnliche Grünflächen bis zu den aufwändigen und beeindruckenden Royal Botanic Gardens. In den äußeren Stadtgebieten finden sich auch eine Menge großer Golfanlagen. In vielen der Gärten stehen kostenlos Elektrogrills für die bei den Australiern so beliebten Barbecues zur Verfügung.
Im Sommer sind die Gärten Schauplatz einer beeindruckenden Vielzahl von Festivals und Open Air-Aktivitäten. Es lohnt sich dann auch, mal einen Blick in eine der vielen Informations-Broschüren mit dem „Summer fun in the parks“-Programm zu werfen, um auch nichts zu verpassen. Beispielsweise veranstalteten die diversen Partnerstädte Melbournes internationale Feste, darunter das „Dancing Kite“-Festival (Tanzender Drachen) der chinesischen Metropole Tianjin mit Drachenbau-Workshops, „Martial Arts“-Demonstrationen und chinesischen Tänzen. Das Melbourne Symphony Orchestra veranstaltete eine Reihe von Freilichtkonzerten in der Sydney Meyer Music Bowl, einem großen Amphitheater in den King’s Gardens. Natürlich gab es auch gleich an mehreren Standorten Open Air-Kino (besonders empfehlenswert: das Moon Light Cinema in den Royal Botanic Gardens).
Zu den ungewöhnlicheren Aktivitäten zählten Angebote zum nächtlichen Beobachten der Sterne unter Anleitung, Wanderungen bei Tag und Nacht zum Entdecken der mannigfaltigen Tier- und Pflanzenwelt in den Gärten sowie historische Exkursionen auf den Spuren der Aborigines und den Anfängen Melbournes. Das wirklich Tolle an diesem Sommerprogramm war aber, dass (bis auf das Kino) alles kostenlos war! Es ist wirklich erstaunlich, wie viel Geld die Stadt in die Unterhaltung ihrer Bürger steckt. Natürlich steckt hinter den Angeboten die Intention, den Tourismus weiter anzukurbeln, aber wenn in einem Grußwort der Lord Mayor (Oberbürgermeister) Melbournes in absolut herzlichem Ton zur Teilnahme an den vielen Aktivitäten einlädt und viel Vergnügen wünscht, merkt man einfach, dass dies wirklich ehrlich gemeint ist und auch ein wenig Stolz über die Lebensqualität in der Stadt erkennen lässt („Let’s celebrate our great city“).

Doch die Sommerangebote in den Gärten sind bei weitem nicht alles, was die Stadt zu bieten hat. Eigentlich gibt es praktisch jede Woche ein anderes Festival oder Ereignis, das mitzuerleben sich lohnt. Sehr oft habe ich bemerken müssen, dass ich mal wieder ein Fest verpasst hatte, weil es einfach so viele davon gab.
Natürlich hat jede der vielen kulturellen Gruppierungen mindestens ein Festival pro Jahr. Da gab es unter anderem das mehr als eine Woche währende und sehr aufwändig zelebrierte Chinese New Year, das große Greek Festival, das Thai Culture and Food Festival und sogar ein zünftig begangenes Oktoberfest. Beim Moomba Water Festival wird die kulturelle Vielfalt mit einer langen Parade und vielen Aktivitäten am Fluss ausgiebig gefeiert. Im Sommer verwandelte sich auch Melbournes berühmter Queen Victoria Market jeden Mittwochabend in einen riesigen multikulturellen Night Market mit Produkten und Köstlichkeiten aus aller Welt. Wer schon immer mal sein Abendessen aus afrikanischem Büffelsteak, australischem Krokodilsfilet und niederländischen Poffertjes zusammenstellen wollte, ist hier richtig.

Zusätzlich veranstalten viele Stadtteile eigene Feste, wozu unter anderem das St. Kilda Festival (größtes Stadtteilfest Australiens), das Lygon Street Festival und das Sydney Road Festival zählen. Des Weiteren finden eine ganze Reihe von Film- und Musikfestspielen statt (International Film Festival, Kurzfilmfestival, Animationsfilmfestival, German Film Festival, International Jazz and Blues Festival uvm.). Sehr unterhaltend war auch das International Comedy Festival, das über mehrere Wochen ging und erstklassige Standup-Comedians aus aller Welt anzog. Etwas für die Sinne boten unter anderem das hervorragende International Arts Festival, das Food and Wine Festival und das Better Living Festival.

Generell lieben die Australier das Feiern und die Nationalfeiertage Australia Day und Anzac Day werden auch entsprechend pompös begangen – mit Militärparaden, Jetüberflügen und großen Feuerwerken. Apropos Feuerwerk: das ungemein effektvolle Sylvesterspektakel war mit Sicherheit das eindrucksvollste, das ich je in meinem Leben gesehen habe (Ähnliches berichtete mein Schulfreund aus Sydney). Sehr beeindruckend war für mich auch, dass trotz der über 400.000 Menschen, die sich am Ufer des Flusses und auf den Brücken drängten, alles friedlich ablief. In der ganzen Nacht gab es keine ernsthaften Vorfälle und es herrschte eine ausgesprochen fröhlich-heitere Familienfeststimmung.

Im Prinzip ist das einzig wirklich Negative an Melbourne kurioserweise das Wetter. Die Sommertemperaturen sind mit 30 bis 40 Grad zwar angenehm warm und auch im Winter lässt es sich bei Tageswerten zwischen 15 und 20 Grad aushalten. Allerdings ist das Melbourner Wetter sehr wechselhaft (launisch und unberechenbar wären vielleicht bessere Ausdrücke). Nicht umsonst sprechen die Bewohner von „four seasons in one day“ (vier Jahreszeiten an einem Tag). Ich habe Tage erlebt, an denen das Thermometer innerhalb einer Stunde von 37 auf 22 Grad absackte oder nach einem sintflutartigen Regen am Morgen noch tropische Temperaturen am Nachmittag herrschten. Generell regnet es (besonders im Winter) viel und häufig, was ab und an auch mal zu größeren Überschwemmungen führt, da die Kanalisation für solche Wetterkapriolen anscheinend nicht ausgelegt ist. Zudem kann es nachts empfindlich kalt werden, was insbesondere wegen der schlecht isolierten Häuser und fehlenden Zentralheizungen recht unangenehm werden kann.


The University of Melbourne – Forschung hautnah

Die University of Melbourne wurde 1853 gegründet und ist nach der University of Sydney die zweitälteste Universität Australiens. Das Institut Ranke-Heinemann (www.ranke-heinemann.de) bezeichnet die renommierte und bekannte Institution als „eine der bedeutendsten Forschungsuniversitäten im asiatischen Raum“. Tatsächlich ist sie nach der CSIRO (Commonwealth Scientific & Industrial Research Organisation) die zweitgrößte Forschungseinrichtung in Australien und hat zahlreiche Nobelpreisträger hervorgebracht. Verallgemeinernd kann man sagen, dass die Universität in vielen Fachbereichen die beste Universität des Landes ist, wenn man Faktoren wie Veröffentlichungen, Forschungsbudgets und Bewertungen durch die Studenten heranzieht. Dies drückt sich auch in den Zugangskriterien und Studiengebühren aus, die teilweise deutlich über den Maßstäben anderer Universitäten liegen.

Der Anspruch an sich selbst wird beim Blick in den „Strategic Plan 2004“ der Universität deutlich. Das dort klar formulierte Hauptziel lautet „Making Melbourne one of the finest universities in the world”. Qualitätsansprüche und Ziele u.a. in den Kategorien „Quality People“, „Quality Research“ oder „Quality Learning“ werden detailliert benannt und es ist wirklich faszinierend, wie pragmatisch und geschäftsorientiert Strategien und konkrete Teilziele (mit Erfüllungsfristen) aufgelistet sind. Das Motto der Universität „Postera Crescam Laude - Growing in the esteem of future generations“ soll dieses Ringen um den Respekt und die Achtung kommender Generationen ausdrücken.

Es ist ganz interessant, welche Auswirkungen dies auf die Organisation der Uni hat. Beispielsweise ist in Melbourne jeder in der Lehre Beschäftigte verpflichtet, Forschung in irgendeiner Art und Weise zu betreiben. Eine reine Lehrtätigkeit ist nicht möglich. Der Qualitätsanspruch wird auch dadurch sichergestellt, dass Lehrevaluationen von der Universität selbst und nicht durch studentische Vertreter (wie bei uns der Fachschaftsrat) durchgeführt werden. Die Ergebnisse haben dann auch konkreten Einfluss auf Mittelzuweisung und Bezahlung, so dass jeder Hochschullehrer angehalten ist, die Lehre auch ernst zu nehmen. Dies macht auch Sinn, da man ja Gebühren bezahlt und für sein Geld eine entsprechende Leistung erhalten möchte. Wie in einem Unternehmen wendet die Universität Prinzipien der Qualitätskontrolle an, um eine hohe Lehrqualität sicherzustellen.

In einigen der von mir belegten Fächer ging dies sogar so weit, dass studentische Vertreter benannt wurden, die dann als Bindeglied zwischen Professor und Studenten fungierten, um Probleme oder Anregungen speziell für dieses Fach weiterzuleiten. Dass Bedenken und Kritik auch tatsächlich ernst genommen werden, konnte ich selber sehr schön erleben. Im Fach „Distributed Systems“, das als einziges meine Erwartungen nicht erfüllte (siehe weiter unten), hatte ich bei einer von den studentischen Vertretern durchgeführten Umfrage ein paar Kritikpunkte und Änderungsvorschläge angegeben. Prompt bekam ich eine persönliche Mail vom Studiendekan, in der mir versichert wurde, dass meine Kommentare beachtet und konkrete Verbesserungen eingeleitet werden.

Die starke Betonung des Forschungsgedankens spiegelt sich in der Lehre wieder. Zum einen möchte die Universität besonders im Postgraduate-Bereich gern das Prinzip des „research-led teaching“ umsetzen. Das bedeutet, dass aktuelle Forschungsergebnisse und –arbeiten des entsprechenden Fachbereichs in den Inhalt der Vorlesungen einfließen. Zum anderen wird stark auf die Vermittlung forschungsrelevanter Fähigkeiten und Kenntnisse geachtet. Dies ist meiner Meinung nach auch einer der größten Unterschiede zum Studienablauf an der TU Dresden. In der Tat habe ich durch meinen Auslandsaufenthalt nicht so sehr spezifische fachliche Kenntnisse gewonnen, sondern vor allem außerordentlich viel über Methoden und Vorgehensweisen in der Forschung gelernt.

In meinem bisherigen Studium war es eigentlich nie wirklich nötig gewesen, einmal eine ernsthafte Literaturrecherche durchzuführen. Für Seminare wurden relevante Quellen in der Regel gleich vollständig zur Verfügung gestellt und für die Nacharbeitung von Vorlesungen reichten Skripte und Vorlesungsfolien meist völlig aus. Auch das akademische Schreiben kommt meiner Meinung nach im Informatikstudium in Dresden zu kurz. Der Große Beleg im 8. Semester ist eigentlich die erste wissenschaftliche Arbeit, die man im Verlauf des Studiums anfertigen muss. Von Kommilitonen aus meinem Jahrgang, die dies jetzt gerade hinter sich haben, habe ich in den letzten Wochen des Öfteren Klagen gehört, dass sie für den Beleg eigentlich völlig unvorbereitet waren.

Das fängt schon bei grundlegenden Fragen an: Wie erschließe ich ein Thema, wie bestimme ich konkret Ziel und Umfang der Arbeit, in welchen Arbeitsschritten gehe ich vor? Ein großes Problem ist auch die Erschließung erforderlicher Quellen. Wie gelange ich an wissenschaftliche Papers aus Journalen und Konferenzen, wenn ich nur die Referenz habe? Oftmals sind hier spezielle Suchmaschinen und Kataloge gar nicht bekannt und viele Veröffentlichungen im Netz sind ja lizenzrechtlich geschützt und kostenpflichtig. Ich muss auch gestehen, dass ich spontan selber nicht genau wüsste, wie man an der TU die (sicher vorhandenen) Abonnements elektronischer Publikationen nutzt. Das weitaus größte Problem ist aber die fehlende Erfahrung im akademischen Schreiben. Die Gliederung der Arbeit, das korrekte Referenzieren und Zitieren von Quellen und ganz allgemein der Stil und die Präsentation des Geschriebenen stellen ohne entsprechende Übung große Probleme dar.

An der University of Melbourne ist dies anders. Hier wird vom ersten Semester an auch in den technischen Disziplinen das Schreiben von Berichten und Forschungsaufsätzen geübt. Ich habe ja schon in meinem Zwischenbericht zum Auslandsaufenthalt erwähnt, dass in jedem Fach eine beträchtliche Zeit für das Anfertigen kleiner oder größerer sog. Assignments eingeplant werden muss. Auch bei allen praktischen Arbeiten (wie Programmieraufgaben) wird immer ein Bericht verlangt, der dann die eigentliche Bewertungsgrundlage darstellt. Bei solchen Projekten habe ich auch oft bemerkt, dass es nicht unbedingt eine feste und vorgeschriebene Lösung gibt. Viel wichtiger ist es, die eigene Herangehensweise an ein Problem und die erzielten Ergebnisse zu beschreiben und zu verteidigen. Die Anforderungen steigen dabei naturgemäß an und im Postgraduate-Bereich wird oft als Ziel eine mögliche Veröffentlichung der Arbeit gestellt. Auch deswegen gibt es äußerst strenge Richtlinien in Bezug auf Plagiarismus. Unsaubere Zitate und fehlende Referenzen werden strikt geahndet (meist mit einem Nichtbestehen des Faches), auch wenn es sich nicht um vorsätzliche Vergehen, sondern Nachlässigkeiten handelt.

Bei all diesen Anforderungen sind die Studenten aber nicht auf sich allein gestellt. Natürlich finden während der Orientierungswoche im ersten Semester (wie in Dresden ja auch) Einführungskurse u.a. zur Nutzung der Bibliothek und der IT-Infrastruktur statt. Zusätzlich gibt es aber noch eine Menge weiterer Informationsveranstaltungen, bei denen beispielsweise grundlegende Studientechniken (Mitschreiben bei Vorlesungen, Zeitplanung etc.) behandelt werden. Für Postgraduate-Studenten ist das Angebot an Kursen zum akademischen Schreiben, rechtlichen Hinweisen bzgl. der Veröffentlichung von Arbeiten und (für internationale Studenten) kulturellen Besonderheiten besonders reichhaltig.
Das Tolle ist aber, dass die Betreuung und Information nicht nach der Einführungswoche aufhört. Ausdrücklich betont man in Melbourne die Nutzung der zahlreichen vorhandenen sog. Services (Dienste). Dabei handelt es sich um spezielle, von der Uni finanzierte Einrichtungen, die für alle möglichen Probleme Hilfestellung und Beratung anbieten (mehr dazu auch später im Abschnitt über die Angebote der Student Union). Wichtig für den akademischen Erfolg sind vor allem die LLSU (Language and Learning Skills Unit) und die ESL (English as a Second Language Unit).

Die LLSU bietet während des Semesters unzählige Veranstaltungen für alle Studienniveaus an. In mehreren Teilveranstaltungen kann man hier beispielsweise sehr viel über alle Aspekte des akademischen Schreibens lernen. Wenn ein größeres Forschungs-Essay über das Semester hinweg angefertigt werden muss, lohnt es sich, regelmäßig die Angebote zu nutzen, um so nach und nach bei der Entstehung des Essays unterstützt zu werden. Es gibt sogar die Möglichkeit, seine Arbeit mehrmals probelesen zu lassen, um Fehler in der Argumentation oder Schlüssigkeit der Darstellung aufzudecken. Außerdem gibt es auch Angebote, die sich meist einem aktuell wichtigen Thema widmen (beispielsweise Zeitmanagement in der Mitte des Semesters, wenn besonders viele Assignments fällig sind, oder Umgang mit Prüfungsangst zum Beginn der Prüfungszeit).

Für internationale Studenten besonders hilfreich ist die ESL, die eine Vielzahl an Veranstaltungen zur Verbesserung der Englisch-Fähigkeiten anbietet. Neben „traditionellen“ Kursen über Grammatik und Wortwahl beim akademischem Schreiben oder Präsentationstechniken gibt es auch nicht ganz so ernste Veranstaltungen zur Erweiterung des allgemeinen Wortschatzes in „Standard-Situationen“ mit besonderer Beachtung australischer Eigentümlichkeiten. Deshalb eignen sich diese Kurse auch gut dazu, etwas über die australische Kultur kennen zu lernen.

Zusätzlich zu all diesen Angeboten werden oft auch in den Fächern selbst allgemeine Fähigkeiten vermittelt. Beispielsweise hat der Professor des von mir belegten Fachs über australische Kultur und Geschichte in der Mitte des Semesters einen Essaywriting-Workshop veranstaltet, um die nötigen Kenntnisse zum Schreiben einer bevorstehenden Forschungsarbeit zu vermitteln. In einem anderen Fach war die Leiterin der Zweigbibliothek Engineering eingeladen worden, die sehr sachkundig eine Stunde lang über das Auffinden von Informationen und die Literaturrecherche speziell in der Informatik referierte. Unter anderem bekam ich hier erstmals einen Überblick über Suchmaschinen, Kataloge und Verleger relevanter Online-Journale. Außerdem wurde erklärt, wie man an der University of Melbourne die Abonnements von Web-Publikationen nutzt.

Neben der Betonung des Forschungsaspektes ist bei den Assignments in der Regel auch das Üben der Arbeit im Team sehr wichtig. In beinah jedem Fach ist ein mittelgroßes Gruppenprojekt Teil der Endnote (zusätzlich zu aufwändigen ein- oder zweisemestrigen Praktika, die es auch in Dresden gibt). Das Interessante an Teamarbeiten in Melbourne ist, dass die Teams in aller Regel international bunt gemischt sind. Das heißt, dass nicht nur die übliche Projektorganisation (Termine, Diskussionen, Arbeitsaufteilung, Fristen und Deadlines etc.) geübt wird, sondern man auch sehr viel über die Arbeit in einer multikulturellen Arbeitsgruppe und die damit verbundenen Herausforderungen lernt.

Die Ausstattung der Universität ist auch voll und ganz auf Teamarbeiten ausgerichtet. Gerade in den neueren Gebäuden finden sich überall kleine Ecken mit Tischen und Sitzgelegenheiten, die sich perfekt für Gruppentreffen eignen. Im hochmodernen ICT-Building (Information and Communication Technology), in dem unter anderem das Department of Computer Science and Software Engineering zu Hause ist, existiert auch eine separate Etage speziell für Postgraduate-Studenten. Dort gibt es eine Menge kleinerer Studierräume mit Internetanschluss, Whiteboard und einem großen Konferenztisch in der Mitte. Eine Küche mit Kaffeemaschine und ein großer Gemeinschaftsraum sorgen für die nötige Entspannung.

Zusammengefasst kann ich sagen, dass ich an der University of Melbourne eine Lernumgebung erlebt habe, die von Forschung und Studieren in einem Maße geprägt war, wie ich das bis dahin nicht gekannt hatte. Sicher auch durch die räumliche Enge des Campus bedingt (mehr dazu weiter unten) sah man eigentlich ständig Gruppen von Studenten, die angeregt in Diskussionen oder Projektarbeiten vertieft waren. Auch die Bibliotheken waren zu jeder Zeit mit emsig lernenden Studenten gefüllt. Insgesamt eine sehr interessante Erfahrung für mich, da ich früher doch eher der „Heimarbeiter“ gewesen bin und die räumliche Entfernung der Fakultät Informatik vom Hauptcampus der TU Dresden doch etwas Studienatmosphäre vermissen lässt.


Meine Fächerwahl – Softwaretechnologie, Australisches und Chinesisch

Da ich in Melbourne im Rahmen eines sog. Study Abroad – Programms (und nicht als Austauschstudent) studiert habe, hatte ich bei der Fächerwahl die größtmögliche Freiheit, da ich praktisch aus dem gesamten Kursangebot der Uni wählen konnte. Ich war mir auch im Klaren darüber, dass der Auslandsaufenthalt mein Studium um ein Jahr verlängern würde. Daher war es mir wichtig Fächer zu wählen, die es so nicht unbedingt in Dresden gab und die mich interessierten. Inwieweit ich belegte Kurse im Rahmen meines Studiums in Deutschland anrechnen lassen könnte, war da erst einmal nebenrangig.

An der University of Melbourne gibt es keine separate Fakultät Informatik. Stattdessen gehört das Department of Computer Science and Software Engineering (kurz CSSE) zur Fakultät Engineering (wie beispielsweise auch die Elektrotechnik, der Maschinenbau und das Bauingenieurwesen). Interessant ist, dass es im Undergraduate-Bereich zwei verschiedene Informatik-Studiengänge gibt. Neben dem klassischen dreijährigen Bachelor of Computer Science kann man sich auch in vier Jahren zum Bachelor of Software Engineering ausbilden lassen. Da dies auch meine Spezialisierungsrichtung im Bereich der Medieninformatik darstellt, war es interessant zu sehen, dass in Melbourne der Unterschied zwischen den zwei Richtungen so stark betont wird. Tatsächlich wird Software Engineering als eigenständige Ingenieursdisziplin gesehen, die sich mit der systematischen Entwicklung von Software beschäftigt – inklusive der damit verbundenen Herausforderungen in den Bereichen HCI (Human Computer Interaction), Management und menschlich-sozialen Faktoren. Konsequenterweise gehören zum Inhalt des Kurses auch zwei jeweils ein Jahr währende Gruppenprojekte sowie Management- und nichttechnische Wahlfächer aus dem gesamten Angebot der Universität.

Trotzdem muss ich an dieser Stelle kritisch anmerken, dass meine Ausbildung im Bereich Softwaretechnologie an der TU Dresden anscheinend effektiver und tiefgehender war als das in Melbourne der Fall ist. In Gruppenprojekten und Tutoriums-Diskussionen ist mir immer wieder aufgefallen, dass selbst Studenten im „final year“ (also kurz vor dem Abschluss) wichtige Konzepte beispielsweise der modernen objektorientierten Programmierung nicht beherrschen. Dafür sind meiner Meinung nach elementare Informatikfähigkeiten (etwa in den Bereichen Algorithmierung und prozedurale Programmierung) weitaus stärker ausgeprägt als bei den meisten Studenten in Dresden. Tatsächlich werden an der University of Melbourne in praktischen Projekten bis hin zum dritten oder vierten Jahr vor allem grundlegende Fähigkeiten gelehrt. Als Programmierumgebung benutzen die Studenten beispielsweise freie Entwicklungswerkzeuge aus dem Unix-Bereich, während in Dresden schon im ersten Jahr hochkomplexe Entwicklungsumgebungen wie das Microsoft Visual Studio verwendet werden.

Anscheinend besteht das Ziel der Bachelor-Ausbildung vor allem darin, grundlegende und fundierte Programmier- und Informatikfähigkeiten zu vermitteln. Die professionelle Entwicklung großer Systeme sollen die Absolventen wohl zum großen Teil erst im Job erlernen und diese Kenntnisse dann unter Umständen in einem Masterstudiengang vertiefen. Ich muss sagen, dass ich mich durch ein deutsches Diplom eigentlich besser auf eine zukünftige professionelle Arbeit in der Industrie vorbereitet fühle. Allerdings brauche ich dafür auch wesentlich länger als die teilweise 21jährigen Bachelor-Absolventen.

Trotzdem gab es bei der enorm reichhaltigen Fächerauswahl auch zahlreiche Angebote aus dem dritten bzw. vierten Lehrjahr, die als so genannte Electives (Wahlpflichtfächer) auch spezialisierte Kenntnisse vermitteln und auf dem Niveau unserer Hauptstudiumsfächer liegen. Zudem konnte ich als Study Abroad – Student aufgrund meiner Vorkenntnisse auch im PostgraduateBereich studieren, solange ich das vorher mit den Professoren abklärte.
In meinem ersten Semester (das nach dem akademischen Jahr der University of Melbourne eigentlich das zweite Semester war), belegte ich zwei Fächer am CSSE-Department. Im Undergraduate-Bereich besuchte ich die Vorlesung Software Engineering Methods, die sich mit dem Erzielen von Qualitätseigenschaften in Software durch die Anwendung bestimmter ingenieurmäßiger Methoden beschäftigte. Dabei stand insbesondere das Testen von Software im Blickpunkt, aber auch das Reliability Engineering, das Performance Engineering und das Safety Engineering (in etwa mit Zuverlässigkeits-, Performanz- und Sicherheitsingenieurwesen zu übersetzen) waren Thema der Veranstaltung. In mehreren Assignments und praktischen Arbeiten konnte das Gelernte auch gleich angewendet werden, was die Vorlesung wesentlich praxisnäher als die thematisch ähnliche Veranstaltung Softwarequalitätssicherung in Dresden werden ließ. Zudem war ein größeres Teamprojekt zu bearbeiten, in dem mehrere Entwicklungsstadien eines Programms auf die Zuverlässigkeit hin untersucht werden mussten, um daraus mittels geeigneter Modelle und Regressionsmethoden Aussagen über den Testprozess abzuleiten. Insgesamt eine hervorragende Vorlesung, die besonders vom humorvollen Vortragsstil des Dozenten profitierte.

Die zweite Veranstaltung namens Software Engineering Case Studies war ein Fach aus dem Master-Studiengang „Master of Software Engineering“. Der Unterschied zum Undergraduate-Bereich bestand zum einen in der deutlich geringeren Teilnehmerzahl (etwa 12), zum anderen in der Organisation des Faches. Statt strikt getrennter Vorlesung und Übung gab es zwei Seminartermine pro Woche, bei denen die zwei (!) Lehrverantwortlichen in einer Mischung aus Vorlesung, Diskussion und Gruppenaufgaben den Lehrstoff vermittelten. Der Raum war dementsprechend auch wesentlich kleiner und ähnelte mit den halbkreisförmig angeordneten Sitzreihen und modernster Präsentationstechnik eher einem Konferenz- oder Beratungszimmer. Inhaltlich sollte es zwar eigentlich um Fallstudien aus der Softwaretechnik-Praxis gehen, doch es wurde schnell klar, dass die Veranstaltung vor allem das Ziel hatte, Kenntnisse über Forschungstechniken und das Schreiben akademischer Arbeiten zu vermitteln. Konsequenterweise gab es auch keine Abschlussklausur, sondern ein Hauptbestandteil der Note war (neben kleineren Essays, einem Vortrag und einem persönlichen Interview) ein Forschungsaufsatz, der in einem vierköpfigen Team über das Semester hinweg zu erstellen war. Besonders in diesem Fach habe ich durch die intensive und kompetente Betreuung ungeheuer viel über wissenschaftliches Arbeiten und Methodik gelernt. Gastvorträge von Entwicklern und Managern aus der Industrie sorgten zudem für Praxisnähe. Außerdem lernte man, dass die vermittelten Fähigkeiten der Problemanalyse und wissenschaftlichen Ausarbeitung auch und gerade in der Wirtschaft essentiell sind, wenn es darum geht, Berichte und „Consulting Papers“ auszuarbeiten.

Am Department of Information Systems (das wohl in Deutschland einem Wirtschaftsinformatik-Institut entspricht), besuchte ich die Vorlesung Distributed Systems. Wie weiter oben schon angedeutet, war dies allerdings eine recht große Enttäuschung, da zu viele Technologien aus dem Bereich der verteilten Systeme inhaltlich nur kurz angesprochen wurden und der nötige (technische) Tiefgang fehlte. Anscheinend ist es auch in Australien wie in Deutschland im Bereich der Wirtschaftsinformatik nur wichtig, einmal von den Dingen gehört zu haben als sie tatsächlich anwenden zu können. Der einschläfernde Vortragsstil des Dozenten tat sein übriges, um mich vom regelmäßigen Besuch dieser Veranstaltung abzuhalten. Unglücklicherweise war das anfangs so nicht abzusehen und es ist leider nur in den ersten zwei Wochen möglich, seine Kurswahl zu ändern. Allerdings sollte dieser kleine Ausrutscher auch die einzige Negativerfahrung im akademischen Bereich bleiben, so dass er meinen Aufenthalt an der University of Melbourne nicht zu nachhaltig getrübt hat.

Das vierte (und letzte) von mir im ersten Semester belegte Fach hieß Australia Now und wurde von der Faculty of Arts im Bereich der Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften angeboten. Gedacht ist es vor allem für ausländische Studenten (dementsprechend bunt gemischt war dann auch das Publikum), aber auch einheimische Studenten können es im ersten Semester in der Vertiefungsrichtung „AustralienWissenschaften“ belegen. Die Vorlesungen reichten inhaltlich von der Geschichte Australiens über eine Einführung in die Problematik der sog. „indigenous issues“, also dem Umgang mit den Aborigines als Ureinwohnern des Landes, bis hin zu australischen Sportidolen und Kinofilmen „made down under“. Insgesamt wurde also eine erhebliche Bandbreite abgedeckt, die es mir beispielsweise ermöglichte, die Tagespolitik des Landes besser zu verstehen. Zudem wurde auch bei dieser Einführungsveranstaltung schon viel Wert auf sauberes wissenschaftliches Arbeiten gelegt und ich denke, dass es mir nicht geschadet hat, auch einmal einen Forschungsaufsatz über das Problem der nationalen Identität Australiens zu schreiben.


Im zweiten Semester belegte ich neben zwei Computer Science Subjects im Postgraduate-Bereich auch gleich zwei Fächer zur chinesischen Sprachausbildung. Ich hatte ja in Deutschland schon ein Jahr lang Japanisch gelernt, konnte dies aber aufgrund organisatorischer Schwierigkeiten in Australien nicht fortsetzen. An der University of Melbourne sind nämlich die Japanisch-Kurse 25 Credit Points pro Semester, was etwa 10 Wochenstunden entspricht. Das war mir im ersten Semester zu viel gewesen, da es die Hälfte meines Stundenplans ausgefüllt hätte. Unglücklicherweise wurde im zweiten Semester (was wie erwähnt eigentlich das erste Semester im Jahresablauf der Universität ist) nur der Anfängerkurs angeboten, zu dem ich aufgrund meiner Vorkenntnisse nicht zugelassen wurde. Da ich allerdings durch meine vielen Kontakte zu Studenten aus Südostasien und meine Reise nach Malaysia (mehr dazu später) auch ein tiefer gehendes Interesse an der chinesischen Kultur und Sprache entwickelt hatte, fiel es mir nicht schwer, als Alternative einen Grundlagenkurs in Chinesisch zu besuchen. Es war auch spannend, einmal die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen diesen beiden Sprachen zu analysieren. Insbesondere beim Erlernen der Schriftzeichen hatte ich Vorteile, da die Japaner ja die Schrift ursprünglich von den Chinesen übernommen haben. Die im Laufe der Zeit erfolgten landesspezifischen Veränderungen in Schreibweise, Benutzung und Bedeutung der Zeichen zu entdecken war eine hochinteressante Beschäftigung für mich.

Insgesamt 6 Wochenstunden Unterricht plus intensives Selbststudium im Sprachlabor verwendete ich für die zwei Kurse Introductory Chinese 1A und Spoken Introductory Chinese 1A. Das Niveau war recht anspruchsvoll, da es sich ja nicht nur um einen reinen Sprachkurs handelte, sondern der Unterricht Teil der Angebote im Rahmen eines Bachelor-Studienganges „ChinaWissenschaften“ am „Sydney Meyer Asia Centre“ der Universität war. Jede Woche waren etwa 30 Schriftzeichen zu lernen und in die Bewertung flossen mehrere schriftliche Tests, eine Prüfung zum Hörverstehen und ein mündliches Interview ein.

Neben Chinesisch besuchte ich wie erwähnt auch noch zwei Kurse am Department of Computer Science and Software Engineering. Das Master-Fach Text and Document Management beschäftigte sich mit Textkompressions-, Indizierungs- und Such-Techniken für enorm große Datenbestände. Das Komprimieren und schnelle, gezielte Auffinden großer Mengen an Informationen wird in unserer heutigen Informationsgesellschaft ja immer wichtiger. Das Fach war stark algorithmisch und theoretisch geprägt und ausgesprochen anspruchsvoll. Neben einer Präsentation und zwei Prüfungen war auch ein umfangreicher Report zu einem praktischen Projekt anzufertigen. Das Besondere an dem Kurs war, dass der Lehrverantwortliche, Prof. Alistair Moffat, eine absolute Koryphäe auf seinem Gebiet ist. Das hatte ich am Anfang gar nicht gewusst, da er auch noch relativ jung ist und die Vorlesung betont locker und witzig gestaltete. Bei der Literaturrecherche für die Assignments fiel dann aber auf, dass sein Name immer wieder als Autor auftauchte oder zitiert wurde und er bei vielen entscheidenden Entwicklungen und Forschungsergebnissen beteiligt war. Kurz gesagt, der Mann ist berühmt und es war eine interessante Erfahrung, einmal bei einem führenden Vertreter seines Fachs lernen zu können.

Die zweite Vorlesung aus dem Bereich der Informatik mit dem Titel Intelligent Software Agents befasste sich mit einer aktuellen Entwicklung auf dem Gebiet der Softwaretechnologie, den sog. Agentensystemen. Das Ziel dieser Forschungsrichtung ist es, autonom und intelligent agierende Softwareeinheiten zu kreieren, um so unterschiedliche Aufgaben wie Informationsbeschaffung aus dem Internet oder die Simulation von wirtschaftlichen Prozessen zu ermöglichen. Besonders im militärischen Bereich wird diese Technik schon intensiv eingesetzt und mehrere Gastdozenten aus der Industrie zeigten Projekte, die unter anderem für das australische Verteidigungsministerium realisiert wurden. Obwohl die Idee der Agenten schon vergleichsweise alt ist, gibt es erst seit wenigen Jahren allgemein verfügbare und ausgereifte Programmierumgebungen. Insbesondere die dahinter stehenden Softwareentwicklungsmethoden und -standards sind aber noch überwiegend Stand der Forschung. An der University of Melbourne hat der verantwortliche Professor Leon Sterling deshalb das „Intelligent Software Agents Lab“ gegründet, um die Forschung in diesem Bereich voranzutreiben. Teile der Vorlesung beleuchteten deshalb auch die aktuelle Entwicklungsarbeit am Lehrstuhl. Insgesamt war dies eine sehr interessante Vorlesung, die mir als Anhänger der objektorientierten Software-Entwicklung Einblick in ein weiteres, in der Zukunft sicher wichtiges Paradigma der Software-Technologie gegeben hat. Zudem bot auch dieses Fach Gelegenheit, wissenschaftliche Praktiken zu erproben, da eine umfangreiche Liste an Papers durchgearbeitet sowie ein großer Bericht und eine Präsentation angefertigt werden mussten.


Neben dem Studium – Clubs, Theater, Festivals und Sport

Neben dem Studium hat mich natürlich auch das kulturelle Angebot der Universität beschäftigt. In der Tat bietet die University of Melbourne eine sehr stark sozial geprägte Studienumgebung. Der Campus, der nur einen Block im rechteckigen Straßenraster Melbournes ausmacht, ist angesichts der 40.000 Studenten beinah zu klein und mit einer Vielzahl an Cafés und Restaurants übersäht. Zudem gibt es jede Menge Rasenflächen und Sitzgruppen, verwinkelte Gänge und Ecken und viel grüne Bepflanzung. Dazu kommt die unmittelbare Nähe zur Lygon Street mit all ihren Restaurants, Cafés und Geschäften. In direkter Umgebung des Campus (aber nicht im Campusgelände selbst) gibt es zudem mindestens fünf Pubs (Kneipen), die mir bekannt sind.

Folge des Ganzen ist, dass es auf dem Campus eigentlich immer sehr lebendig zugeht und man sich nie einsam fühlt. Aufgrund der räumlichen Beschränkung trifft man trotz der Unmengen an Studenten auch ständig Freunde und Bekannte wieder, was besonders am Anfang sehr vorteilhaft ist, falls man vergessen hat, Kontaktdaten auszutauschen. Beispielsweise lief mir gleich in der ersten Woche eine Studentin aus Dresden über den Weg, die ich tags zuvor auf einer Party nur flüchtig kennen gelernt hatte.

Zentraler Mittelpunkt des sozialen und kulturellen Lebens ist das so genannte Union House. Dieses mehrstöckige Gebäude wird von der Student Union verwaltet, der gewählten Vertretung aller Studierenden und damit in etwa mit dem Studentenrat an deutschen Hochschulen vergleichbar. Zu den Aufgaben der Student Union zählen (wie in Deutschland) Sachen wie Interessensvertretung, Mitsprache in Gremien, Herausgabe von Informationsbroschüren und Uni-Zeitungen, Jobvermittlung, Beratung in rechtlichen, sozialen, religiösen, akademischen und sonstigen Fragen und natürlich die Organisation kultureller Ereignisse. Im Gegensatz zu Deutschland sind allerdings die Einflussmöglichkeiten der Student Union wesentlich größer. Aus dem großen Topf der Studiengebühren erhält sie einen Teil des „Amenities and Services Fee“ (in etwa „Gebühr für Annehmlichkeiten und Leistungen“), was einem Budget von ca. 14 Millionen australischen Dollars entspricht. Damit ist natürlich die Finanzierung wesentlich umfangreicherer Angebote möglich als dies in Deutschland der Fall ist.

Das Union House selbst ist im Vergleich zur StuRa-Baracke in Dresden auch deutlich imposanter. Auf vier Ebenen verteilt finden sich hier unter anderem ein Gemischtwarenhändler, ein Fahrradladen, ein Friseur, ein Computerzubehör-Shop, ein Schreibwarenladen, ein Reisebüro und eine enorm große Menge an Imbisstheken. Das Angebot reicht vom „Fish and Chips“-Shop über Sandwich- und Juice-Bars bis hin zur Sushi-Bar. Zwei chinesische und ein indischer Imbiss sorgen für weitere Abwechslung und natürlich gibt es auch mehrere Cafés sowie diverse Süßwarenläden (Donut King und Eisdiele) in dem Gebäude.

Aber das ist noch bei weitem nicht alles. Auf der zweiten Etage findet man z.B. die International Students Lounge des Melbourne University Overseas Students Service (mehr zu MUOSS etwas später), wo man unter anderem kostenlosen Tee und Kaffee sowie internationale Tageszeitungen bekommen kann. Daneben gibt es weitere spezielle Räumlichkeiten für bestimmte Studentengruppen, die ein einfaches Kennenlernen Gleichgesinnter ermöglichen (Mature Students Lounge, Queer Lounge u.a.). Des Weiteren beherbergt das Union House ein Kino (das auch für Musicals und Theateraufführungen benutzt wird), eine Kunstgalerie, mehrere Bastel- und Workshop-Räume und eine größere Bar mit Billard, Großbildfernseher und Außenterrasse. Erwähnenswert ist weiterhin die Rowden White Library, die als Motto bezeichnenderweise „Don’t study“ („Nicht studieren“) hat und eine riesige Sammlung an Romanen, Belletristik, DVDs, Videos und Musik zur Ausleihe bereithält. Außerdem gibt es dort Rechner mit Internet-Anschluss für die passionierten Computerspieler unter den Studenten sowie einen „Entspannungsraum“ mit Sitzsäcken und der Möglichkeit, Musik über Kopfhörer zu hören. Im obersten Stockwerk befindet sich zudem ein gut ausgestattetes Computerkabinett zum Internet-Surfen, Drucken und Scannen.

Natürlich sind im Union House auch die Büros der studentischen Vertreter zu finden. Zusätzlich gibt es einen Service and Information Desk, wo man unter anderem Camping-Ausrüstung mieten oder sich auch für einen der zahlreichen so genannten „Short courses“ anmelden kann. Dabei handelt es sich um einsemestrige Kurse aus so unterschiedlichen Bereichen wie Fitness, Computersoftware oder Meditationstechniken. Es ist verständlich, dass der Betrieb eines solchen Gebäudes enorme Kosten verursacht, da ja auch eine Menge Reinigungs- und Wartungspersonal sowie ein Sicherheitsdienst bezahlt werden müssen.

Trotzdem bleibt anscheinend noch genug Geld, um eine unglaubliche Fülle an kulturellen Veranstaltungen zu organisieren. Am auffälligsten sind sicherlich die zahlreichen kostenlosen BBQs (Grillfeste) und „Lunch Time Concerts“ auf dem „North Court“ (ein Platz hinter dem Union House). Jeden Dienstag und Donnerstag wurde hier eine Bühne aufgebaut, auf der studentische Bands ihr Können zum Besten gaben. Ab und zu gab es auch mal Open-Air-Kino (zusätzlich zu den regelmäßigen Vorführungen aktueller Kinofilme im eigentlichen Kinosaal). Richtig viel Engagement bewiesen die Organisatoren bei Festivals und Themenwochen. Zum sog. „Mud Fest“ im November gab es beispielsweise zwei Wochen lang eine Vielzahl an Veranstaltungen unter dem Thema „studentische Kunst und Kultur“. Die zahlreichen Vereine der Uni zeigten mit Akrobatik, Tanz, Gesang und Schauspiel, was sie drauf haben und parallel hatte man die Möglichkeit, in mehreren Ausstellungen die Kreativität und das Talent von Studenten in der Malerei und Plastik zu bewundern.

Generell muss man auch sagen, dass sehr viel für die (finanzielle und organisatorische) Unterstützung studentischer Vereine und Clubs getan wird. In der Tat wird es als normal und förderlich angesehen, wenn man als Student nicht nur über seinen Büchern hockt, sondern sich irgendwo außerakademisch engagiert. Die geringe Stundenanzahl pro Woche und die damit einhergehende Flexibilität sowie die kulturell und sozial reiche Campusumgebung (siehe oben) machen dies möglich. Eine Beteiligung bei Clubs und Societies wird von der Uni auch nicht als pure Freizeitgestaltung gesehen, sondern als wichtiger Aspekt zur persönlichen Weiterentwicklung. Das Grußwort des Vice Chancellors an neue internationale Studenten drückte dies aus: „ In addition to academic excellence, you will find the University of Melbourne offering a wealth of opportunities, which will enhance your personal and professional development. There are many international student organisations and activities, […] many student clubs and societies.” (“Sie werden sehen, dass die University of Melbourne zusätzlich zu akademischer Exzellenz eine Vielzahl an Möglichkeiten bietet, ihre persönliche und fachliche Entwicklung zu fördern. Es gibt viele Organisationen und Veranstaltungen für internationale Studenten, […] viele studentische Clubs und Vereine“) Auch in anderen Informationsbroschüren und Hinweisblättern wurde man immer wieder dazu aufgefordert einem Club beizutreten, um so auch schnell neue Freunde zu finden.

Die Bandbreite der Clubs reicht dabei von diversen Theatergruppen (z.B. „Chinese Theatre Group“) über Sportclubs bis hin zum „Anime Watchers Club“ oder auch „Star Trek Fan Club“, die in zur Verfügung gestellten Räumen des Union House regelmäßig ihre Lieblings-Fernsehserien anschauen. Die große Internationalität auf dem Campus bedingt, dass auch praktisch jede ausländische Studentengruppe ihren eigenen Club hat, wobei auch und gerade einheimische Studenten oft mitarbeiten, sei es um Sprachkenntnisse zu verbessern oder Einblicke in andere Kulturen zu erlangen. Zum Beginn jeden Semesters gibt es die „Clubs and Societies Days“, an denen sich alle Clubs mit Ständen rund ums Union House präsentieren und neue Mitglieder anwerben. Auch während des Semesters waren im Erdgeschoss des Union House eigentlich jeden Tag Tische aufgebaut, an denen beispielsweise Karten für eine der zahlreichen kulturellen Veranstaltungen verkauft wurden. Das Niveau der studentischen Aufführungen in den Bereichen Theater, Musical und Tanz ist dabei beeindruckend hoch und erreichte meist die Qualität professioneller Produktionen. Früher war der Besuch eines Musicals für mich etwas Exklusives und Seltenes, in Melbourne wurde dies aufgrund der günstigen Ticketpreise und der zentralen Lage des Veranstaltungsortes (eben das Union House) zur schönen Regelmäßigkeit.

Ansonsten hatte ich aufgrund der flexiblen Studienzeiten auch viel Zeit zum Sporttreiben. Der Vorteil in Melbourne ist, dass (wie alles andere auf dem Campus) die Sportstätten nicht sehr weit entfernt sind (direkt gegenüber vom Union House). Dadurch kann man auch mal zwischen zwei Vorlesungen schnell eine Stunde im Fitnessstudio einschieben, ohne dazu wie in Dresden den Campus verlassen zu müssen. Generell ist alles etwas weniger zentral gesteuert als an der TUD. „Melbourne University Sport“ stellt im Wesentlichen nur die Anlagen zur Verfügung, die einzelnen Sportarten werden dann durch studentische Vereine vertreten, die die nötigen Trainingsräume und Sportstätten für die entsprechende Zeit anmieten. Das wirkt sich aufgrund des großen Engagements der Studenten aber nicht negativ auf das Angebot aus, das in etwas vergleichbar mit Dresden ist (lokale Besonderheiten wie der Surf Club seien einmal außer Acht gelassen). Ich selber bin dem Tischtennisclub beigetreten und habe ansonsten regen Gebrauch von der professionellen Ausstattung des Fitnessstudios der Uni gemacht. Im zweiten Semester war zudem endlich die Restaurierung der Schwimmhalle auf dem Campus abgeschlossen, so dass ich auch recht häufig dort meine Bahnen gedreht habe.

Insgesamt kann ich sagen, dass es mir in Australien viel leichter gefallen ist, einen gesunden Ausgleich zwischen Studium und sonstigen Aktivitäten zu finden als an der TU. Sicher gibt es auch in Dresden Clubs und Vereinigungen, in denen man sich engagieren kann, aber die starke Unterstützung durch die Universität sorgt in Melbourne dafür, dass man praktisch „mit der Nase darauf gestoßen wird“. Die Clubs haben aufgrund der finanziellen Zuwendungen der Uni auch viel mehr Möglichkeiten Werbung zu machen und sind einfach besser ins Campusleben integriert.


Außerakademisches Engagement – was ich sonst noch so gemacht habe

Da ich die Zeit an der University of Melbourne nicht nur zum Studieren nutzen wollte, suchte ich von Anfang an nach Möglichkeiten, über außerakademisches Engagement neue Freunde kennen zu lernen und Einblicke in andere Kulturen zu erhalten. Ideale Voraussetzungen dafür fand ich in MUOSS.

Der Melbourne University Overseas Student Service ist die offizielle Vertretung aller internationalen Studenten an der University of Melbourne. Von außen wirkt MUOSS ziemlich bürokratisch, da es sehr viele unterschiedliche Positionen mit wichtig klingenden Namen (Education Vice President, Activities Officer, Liaison Director, Co-Opted Education Officer, Secretary General etc.) gibt. Wenn man allerdings erst einmal hinter die Kulissen geschaut und die Leute kennen gelernt hat, stellt man fest, dass es sich um eine Gruppe hoch motivierter, engagierter und ungemein humorvoller Studenten handelt, die jeden Spaß mitmachen und eine sehr herzliche Beziehung untereinander haben. Wahlen für das MUOSS-Komitee finden jedes Jahr in der Mitte des ersten Semester (April / Mai) statt. Wahlberechtigt sind alle internationalen Studenten der Uni.

Die wichtigsten Aufgaben von MUOSS sind die Vertretung der Interessen internationaler Studenten, die Förderung der kulturellen Vielfalt auf dem Campus, die Integration ausländischer Studenten in das Unileben und die Erleichterung des Übergangs in eine für viele unbekannte kulturelle Umgebung sowie natürlich die Organisation von Parties, Festivals und anderen Veranstaltungen mit internationalem Charakter.

Ich selber bin quasi gleich von Anfang an mit MUOSS bekannt geworden, da meine Mentorin im Rahmen des Willkommensprogramms der Uni zufälligerweise gerade die amtierende Präsidentin war. In der Folgezeit habe ich dann sehr oft als sog. „Volunteer“ (Freiwilliger) bei der Durchführung verschiedenster Veranstaltungen mitgeholfen. Gerade die Mitarbeit bei MUOSS hat es mir ermöglicht, innerhalb kurzer Zeit eine Vielzahl von Studenten aus aller Welt kennen zu lernen. Im Gegensatz zu den eher flüchtigen Bekanntschaften, die man bei Partys und anderen sozialen Ereignissen macht, habe ich durch MUOSS tiefe, andauernde Freundschaften geschlossen und intensive Einblicke in andere Kulturen bekommen. Ich denke, dass die offene, internationale und freundschaftliche Atmosphäre bei MUOSS mit Sicherheit zu den nachhaltigsten Eindrücken gehört, die ich während meines Auslandsaufenthaltes gewonnen habe.

Dazu trug auch bei, dass ein Großteil der Komitee-Mitglieder und Volunteers aus Asien stammt. Insbesondere Malaysia, Singapur und Indonesien sind stark vertreten, aber es gab auch immer viele Mithelfer aus China, Indien, Mauritius, Brunei, Japan und anderen fernöstlichen Ländern. Unter Europäern und Amerikanern herrscht ja sehr oft das Vorurteil, dass man nur schlecht oder gar nicht mit Asiaten in Kontakt kommen kann. Die Kluft zwischen den Kulturen ist leider immer noch sehr groß und selbst unter den toleranten Australiern (vorwiegend mit angelsächsischem Hintergrund) ist Scheu, Abgrenzung oder sogar Ablehnung gegenüber Menschen aus Asien relativ verbreitet. Persönlich denke ich, dass ein großer Teil dieses Verhaltens aus Unwissenheit und Angst vor dem Fremden und Unbekannten resultiert (was an sich ja auch sehr menschlich ist). Konsequenterweise führt dies aber dazu, dass sich auch Studenten mit asiatischer Herkunft oft abgrenzen und den Kontakt mit Leuten aus westlichen Kulturen meiden.

Ich selber habe keine derartigen Berührungsängste und habe mit Freude die Gelegenheit genutzt, mehr über mir vorher fast völlig unbekannte Länder wie Malaysia zu erfahren. Ich denke, dass die Erfahrungen und Eindrücke gerade auch bei meinem Besuch in Malaysia und Singapur (mehr dazu später) sowie die Vielzahl an neu geschlossenen Freundschaften eine wunderbare Belohnung für diese Offenheit waren. Ich kann wirklich jedem, der in ein multikulturelles Land wie Australien geht, nur raten, einmal über den Tellerrand des Bekannten hinauszuschauen. Natürlich ist es oft wesentlich einfacher, mit einem amerikanischen oder französischen Austauchstudenten in Kontakt zu kommen als mit einem Iraker oder Japaner, aber die Überwindung des größeren kulturellen Unterschieds kann meiner Meinung nach auch einen ungleich höheren Gewinn für die eigene Persönlichkeit bedeuten.

Das erste Event, bei dem ich mitgeholfen habe, war das Festival of Nations, das Ende August stattfand und über mehrere Tage ging. Hauptattraktion war die „International Food Fair“ (in etwa Messe für Internationales Essen). In Zusammenarbeit mit den verschiedenen internationalen Clubs und Vereinigungen hatten wir dafür auf dem North Court einen großen Basar mit Kochern, Grills und Theken aufgebaut, wo dann den interessierten Gästen Essen aus aller Welt verkauft wurde. Parallel gab es auf der Bühne internationales Flair mit Live-Musik und diversen Performances (Martial Arts, Tanz u.a.). Einer der chinesischen Kulturvereine veranstaltete sogar einen echten „Lion dance“. Jeder, der schon einmal Berichte über das chinesische Neujahrsfest gesehen hat, wird diese Tänze mit dem charakteristischen, von mehreren Tänzern getragenen Löwenfigur und dem lauten Trommelgewirbel kennen. Neben der Food Fair gab es mehrere Filmabende mit internationalen Filmen im Originalton und in mehreren Räumen die „International Games Exhibition“, wo man beispielsweise das chinesische „Nationalspiel“ Mahjong ausprobieren konnte. Abschluss des Festival of Nations war die „World Music Night“ mit vielen verschiedenen internationalen Musik- und Showeinlagen auf der Bühne des Ballsaals im Union House.

Das nächste größere Ereignis war die International Orientation 2004, also die Erstsemestereinführung für neue internationale Studenten, an der ich ja ein halbes Jahr vorher selbst als Student teilgenommen hatte. MUOSS arbeitet hier eng mit dem International Office zusammen, um die gemeinsamen Veranstaltungen zu koordinieren. Zu unseren Aufgaben gehörten beispielsweise organisatorische Sachen wie das Verteilen von Informationsmappen oder das Anbringen von Hinweispfeilen auf dem Campus, um die Studenten zu ihren Einführungsveranstaltungen zu lotsen. Wesentlich interessanter war natürlich die Organisation kultureller Aktivitäten. Unter anderem war ich einer der Gruppenleiter bei der Stadtrundfahrt und Besichtigung von Sehenswürdigkeiten. Des Weiteren gab es wieder einmal den Bush Dance, bei dem man diverse australische Volkstänze lernen kann und auch mal eine Bullenpeitsche schwingen darf. Der Bush Dance erfreut sich immer riesiger Beliebtheit unter den Studenten, weil er aufgrund der häufigen Partnerwechsel die ideale Gelegenheit ist, viele neue Leute kennen zu lernen und entstandene Kontakte beim gemütlichen Dinner danach zu vertiefen. Außerdem gab es noch eine Schnitzeljagd über den Campus und einen „Summer Spirit“ genannten Nachmittag mit Spielen auf dem „South Lawn“, der größten Rasenfläche auf dem Campus. Auch aufgrund des fantastischen SommerWetters Ende Februar waren alle diese Veranstaltungen ein voller Erfolg.

Ähnlich dem Festival of Nations gab es auch im zweiten Semester ein interkulturelles Event. Der so genannte Night Market war den riesigen nächtlichen Märkten in Asien und Südostasien nachempfunden. Auf der großen Fläche vor dem Union House, die treffend Concrete Lawn (Betonrasen) genannt wird, bauten wir wieder Stände und kleine Buden auf, in denen am Abend viel gutes Essen und jede Menge Schmuck, Bilder, Stoffe, Kleinkunst und anderer „Kram“ verkauft wurde. Dazu organisierten wir kleine Spiele und natürlich gab es wieder jede Menge Unterhaltung mit Musik und Tanz auf der Bühne.


Neben meiner Mithilfe bei den MUOSS-Veranstaltungen habe ich mich auch noch anderweitig an der Uni engagiert. So hatte ich beispielsweise einen guten Kontakt zum International Office. Die Leute dort waren immer sehr hilfsbereit waren und man konnte stets auf ein kleines Gespräch vorbeikommen. Es ist wirklich erstaunlich, wie persönlich der Kontakt zu den Mitarbeitern der Uni mit der Zeit wurde. Vom ersten Besuch nach der Ankunft bis hin zur Verabschiedung am Schluss hatten sie immer ein offenen Ohr und Zeit für persönliche Probleme und Fragen. Kurz: man fühlte sich jederzeit willkommen.

Aufgrund dieser guten Beziehung wurde ich auch des Öfteren um Mithilfe bei Projekten des International Office gebeten. So begleitete ich Anfang des zweiten Semesters im Rahmen der „Cultural Tours“ Eltern von neuen internationalen Studenten bei einer Führung durch den Campus, die das Ziel hatte, kulturell und historisch signifikante Gebäude und Plätze vorzustellen. Außerdem besuchten wir mehrere der über den Campus verstreuten Museen und Ausstellungen. Des Weiteren nahm ich an einer Fokusgruppe teil, die die Qualität der International Orientation evaluieren und Verbesserungsmöglichkeiten aufzeigen sollte. Ein schönes Projekt war auch die Neugestaltung der „Study Abroad and Exchange“-Broschüre der Universität. Dafür wurde ich als einer von sechs Studenten nach meinen Erfahrungen als internationaler Student in Melbourne gefragt und außerdem gab es ein Foto-Shooting, das Szenen aus dem Studieralltag in Melbourne festhielt. Die Photos und Ausschnitte aus dem Interview sind nun in diesem offiziellen Informationsheft der Uni zu finden.

Sehr interessant war auch die Mitarbeit als so genannter „Student Host“ bei der allgemeinen, von der Unileitung organisierten Orientation 2004 (zusätzlich zu meiner Mithilfe bei der durch das International Office und MUOSS durchgeführten International Orientation). Dabei war ich als Mentor für eine Gruppe von australischen Erstsemestern verantwortlich, um ihnen den Start ins Studentenleben so einfach wie möglich zu gestalten. Das Programm war sehr professionell organisiert. Es gab eine vorbereitende Schulung und jede Menge Informationsmaterial zu Gruppenarbeit und Tutortätigkeit. Außerdem wurde jeder neu immatrikulierte Student schon automatisch einer Tutorgruppe zugeteilt. Konkret sah das so aus, dass ich eine Adressliste bekam und die mir zugeteilten Studenten vor Beginn des Semesters angerufen habe, um mich und das Programm vorzustellen und einen Treffpunkt für den ersten Tag der Einführungswoche zu vereinbaren. An diesem Tag habe ich mit ihnen dann einen Campusrundgang gemacht, etwas über das Studieren an der University of Melbourne erzählt und sie auch zu Informations- und Einführungsveranstaltungen begleitet. Auch in den Tagen und Wochen danach stand ich ihnen als Ansprechpartner zur Verfügung.

Neben diesen Aktivitäten habe ich außerdem ein wenig bei der Gestaltung des semesterweise erscheinenden internationalen Studentenmagazins „The Voice“ mitgeholfen. Unter anderem habe ich Kommentare und Statements als internationaler Student sowie Veranstaltungsphotos beigesteuert und auch einen längeren Artikel zum Thema „What is typical German?“ („Was ist typisch deutsch?“) geschrieben.

Insgesamt war es wirklich sehr schön, sich einmal ein Jahr lang noch intensiver als sonst mit außerakademischen Dingen beschäftigen zu können, ohne das nagende Gefühl, nicht genug fürs Studium zu machen. Das konsequente Ziel der Universität, neben dem Lernen ausreichend Freiräume für gesellschaftliches Engagement zu schaffen und dieses auch aktiv zu fördern, möchte ich deshalb ausdrücklich hervorheben. In Deutschland wird dies durch zeitlich eng begrenzte Studienordnungen und voll gepackte Stundenpläne oft erschwert (nicht umsonst sind derzeit gleich mehrere Geschäftsführerposten im Studentenrat der TU Dresden unbesetzt).


Meine Reisen – Outback, Großstädte und Südostasien

Natürlich ist für mich ein Hauptgrund dafür, nach Australien zu gehen, auch die Möglichkeit gewesen, fantastische und teilweise völlig unberührte Naturlandschaften zu erleben. Ich möchte an dieser Stelle natürlich nicht meine ausführlicheren Reiseberichte wiedergeben, sondern werde mich auf ein paar kurze Worte zu einigen Reisezielen und ein paar Photos beschränken, um dem Leser vielleicht auch Anregungen für den nächsten Urlaub zu geben.

Mein erster Ausflug innerhalb Australiens war ein Campingtrip mit meinen Mitbewohnern in die Berglandschaft der Grampions, nicht allzu weit von Melbourne entfernt. Dies war auch das erste Mal, dass ich etwas von der Einsamkeit Australiens erleben durfte, auch wenn der Staat Victoria natürlich zu den am dichtest besiedelten Gebieten Australiens gehört. Nichtsdestotrotz bietet sich einem in den Wäldern der Grampions bei Nacht ein absolut traumhaft klarer Sternenhimmel, da der nächste Ort eine halbe Stunde entfernt ist und es sich dabei im Wesentlichen nur um einen Supermarkt und eine Tankstelle handelt. Die Landschaft in den Grampions ist sehr malerisch und es gibt viele Aussichtsplattformen und Wasserfälle zu besichtigen.

Ende November folgte ich der Einladung meiner Freunde und verbrachte drei wunderschöne Wochen in Malaysia, wo ich abseits der üblichen Touristenpfade auch eine Menge über Geschichte und Kultur dieses Landes gelernt habe. Der Kontrast zwischen hochmodernem urbanem Leben in Kuala Lumpur und traditioneller muslimischer Lebensweise in den Dschungelgebieten war dabei überaus faszinierend. Neben der reizvollen Landschaft bietet Malaysia durch die verschiedenen dort lebenden Rassen zudem die Möglichkeit, eine unglaubliche Vielfalt an asiatischem Essen zu probieren. Ich hatte natürlich den unschätzbaren Vorteil, dass mich meine fachkundigen einheimischen Freunde zu den verschiedensten Restaurants und Märkten führen konnten, die man allein kaum gefunden hätte.

Direkt nach meiner Rückkehr aus Asien startete auch schon meine nächste Urlaubsreise. Zusammen mit meiner Familie fuhr ich zwei Wochen lang im Wohnmobil durch Victoria und erkundete die dortigen Nationalparks und Naturschauspiele, darunter auch den landschaftlich sehr beeindruckenden „Wilson’s Promontory“, die Zwergpinguinkolonie auf Philipp Island und natürlich die „Great Ocean Road“, eine über 300 km lange Straße entlang atemberaubender Küstenlandschaft.

Ende Februar besuchte ich zum zweiten Mal die Weltstadt Sydney, nachdem ich schon zwischen Weihnachten und Neujahr für einen Tag dort gewesen war. Dieses Mal hatte ich mehr Zeit (und besseres Wetter), um die Stadt in aller Ruhe zu besichtigen. Dazu gehörte natürlich auch eine Fährenfahrt im weltberühmten Hafen und ein Besuch der vielen herrlichen Strände, die Sydney zu bieten hat.

Während des „Mid-semester-break“ Anfang April verbrachte ich dann den wahrscheinlich schönsten Urlaub während meines Aufenthaltes. Zusammen mit einer Gruppe von 22 anderen internationalen Studenten und zwei Reiseführern tourte ich fast zwei Wochen lang durch Western Australia, eines der am dünnsten besiedelten Gebiete Australiens. Auf einer Fläche, die der Größe von Westeuropa entspricht, leben hier etwa 2 Millionen Menschen (und der größte Teil davon in Perth). Hier findet man die oft zitierten endlosen Highways inmitten der rot gefärbten OutbackWüste, wo es passieren kann, dass man stundenlang niemandem begegnet. Zu den Highlights der Reise gehörten riesige Felsspalten und Flusstäler (sog. Gorges) im Karijini National Park, unberührte, kilometerlange weiße Sandstrände am Indischen Ozean und das Ningaloo Reef, ein gigantisches Korallenriff unmittelbar an der Küste. Ich denke, dass es vor allem dieser Trip war, der mir gezeigt hat, was für fantastische Naturwelten es auf dieser Welt gibt und was man noch alles entdecken kann. Und dass man für eine Weile auch perfekt ohne fließend Wasser, Strom und Komfort auskommen kann. Im Gegenteil, mehrere Nächte unter freiem Himmel (auch ohne Zelt) inmitten einer endlos weiten Wüste zu verbringen, kann durchaus sehr viele reizvolle Momente haben.

Natürlich wäre mein Aufenthalt in Australien nicht perfekt gewesen, wenn ich nicht auch die Hauptstadt gesehen hätte. Also flog ich Anfang Juni noch für ein paar Tage nach Canberra, besuchte Parlament und Museen und stellte fest, dass die Stadt zwar künstlich und charakterlos wirkt, aber erstaunlich viel an Kultur und Unterhaltung zu bieten hat.

Meine letzte längere Exkursion in „down under“ führte mich dann zwei Wochen vor dem Abflug endlich ins „Red Centre“ des Kontinents. Neben dem ikonhaften Ayer’s Rock (von den dortigen Aborigines Uluru genannt) besuchte unsere Gruppe von überwiegend internationalen Studenten auch King’s Canyon, die Olgas, die McDonnel Ranges und viele weitere beeindruckende Fels- und Wüstenlandschaften. Natürlich hatten wir auch einen mehrtägigen Aufenthalt in und um Alice Springs, der einzigen größeren Stadt in der Mitte Australiens. Insgesamt war dies erneut eine fantastische Reise voller Erfahrungen und Eindrücke, auch wenn besonders die Rückfahrt stark von Wehmut geprägt war.

Die Gefühle zu beschreiben, die mich bei dieser vorerst letzten Rückkehr nach Melbourne ergriffen, ist mir nicht wirklich möglich. Immer wieder hatte ich ja nach dem Ende einer meiner Reisen die vielen Lichter der Stadt vom Flugzeug oder Bus aus gesehen und dieses wohlige Gefühl gehabt, wieder „zu Hause“ zu sein. Dieses Mal war es anders, denn ich wusste, dass das Ende dieses Ausflugs gleichzeitig das Ende meines Jahres in Australien bedeutete. Jeder Kilometer näher an Melbourne bedeutete auch wieder ein Stück näher an Deutschland.
Bevor ich aber ganz zurück nach Dresden geflogen bin, habe ich noch einen kleinen Stopover-Aufenthalt in Singapur gemacht. Etwas hektischer und lauter als Malaysia bietet dieser Stadtstaat trotzdem asiatische Freundlichkeit, hervorragendes Essen und viel Kultur. Besonders der Kontrast zwischen den lebhaften ethnischen Vierteln „Little India“ und Chinatown und den majestätischen englischen Prachtbauten aus der Kolonialzeit ist sehr faszinierend. Was in Singapur auffällt, ist die beachtliche Konsumlust der Menschen. Endlose Straßenzüge voller Einkaufszentren dominieren das Stadtbild. Dazu sind weite Gebiete unterirdisch mit Shopping-Arkaden verbunden. Insgesamt recht beeindruckend, auch wenn ich mir kaum vorstellen konnte, wie so viele Geschäfte parallel existieren können.


Rückblick und Abschluss

Nachdem ich nun den zeitlichen Rahmen bis zur Rückkehr nach Deutschland gespannt habe, ist dies wahrscheinlich ein passender Moment, den Bericht zu beenden. Ich hoffe, dass der Bericht unterhaltsam und lesenswert war und einen guten Einblick in meinen Auslandsaufenthalt gegeben hat. Sicher gäbe es noch viel mehr zu erzählen, auch sind manche Aspekte vielleicht etwas zu kurz gekommen. Für Nachfragen stehe ich natürlich gern zur Verfügung. Es wäre schön, wenn aus dem Gesagten zumindest ansatzweise die Faszination deutlich geworden ist, die der Aufenthalt in Melbourne und Australien auf mich ausgeübt hat. Wie schon am Anfang erwähnt, hat mich dieses eine Jahr persönlich stark verändert und, wie ich denke, weitergebracht. Mein zukünftiger Lebensweg zeichnet sich zwar bei weitem nicht mehr so klar und geradlinig vor mir ab wie das vielleicht vor einem Jahr der Fall war, aber vielleicht ist dies auch ganz gut so. „Wer wagt gewinnt“ sagt man ja oft und ich bin fest dazu entschlossen, noch ein paar Wagnisse in meinem Leben einzugehen.

No worries and bye bye,
Matthias Bräuer


Seitenanfang - Auslandsstudium in Australien - The University of Melbourne

Erfahrungsbericht - Philip Büchner



1. Verlauf des Studiums im Rahmen eines Vollstipendiums

1.1. Das Programm Media and Communication:

Die University of Melbourne hat den Bereich “Media and Communication” (es ist genauer gesagt ein Studienprogramm für, das den Bachelor als Abschlusstitel hat) dem English Department unterstellt, das der Faculty of Arts angehört. Deutlich mehr Lehrende, deutlich mehr als an der Freien Universität Berlin Publizistik- und Kommunikationswissenschaften lehren, halten Kurse. Ein Lecturer hat meistens ein bis zwei Tutoren zur Seite, in der Regel wird jede Vorlesung durch ein Tutorium pro Woche vertieft. Ich nenne das einen Idealfall, denn so ist für den Studenten stets ein Ansprechpartner da; E-Mail wird meist umgehend, d.h. noch am gleichen Tag beantwortet.
Bis auf einen (Understanding Australian Media) konnte ich alle Kurse besuchen, die ich in meinem Studienvorhaben als besonders wichtig erachtet habe. Hier ist zu erwähnen, dass ausländische Studierende aufgefordert werden, frühzeitig Wunschkurse an die International Course Advisors zu schicken. Neben mir gab es nur ganz wenige, die aufgrund eines Schwangerschaftsurlaubes einer Betreuerin, diese Aufforderung nicht erhielten, mit der schriftlichen Entschuldigung der Uni hat man mir mitgeteilt, dass das zum ersten Mal vorgekommen ist. Als Arts-Student bin ich flexibler, Studierende anderer Fächer hätten somit ein Problem haben können.
Das Lehrniveau war hoch, jedoch gut zu bewältigen. Auf eventuelle Differenzen, die Scheinanerkennung betreffen, gehen Dozenten in der Regel ein, es sollte jedoch zu frühzeitiger Kontaktaufnahme geraten werden. Mitunter passen sich auch die Institute in Deutschland an.
An der Faculty of Arts musste ich bislang keine Klausuren schreiben, Leistungserwerb findet durch Einreichen von Papers statt. In der Regel wird ein kurzes (1500 Wörter) inmitten des Semesters verlangt, ein längeres (2500 – 4000) zur letzten Vorlesungswoche. 4000 Wörter ist in der Regel die Gesamtlänge der erstellten Arbeiten. Auf Wunsch eines Professors in Berlin sollte ich eine längere Arbeit an einem Stück schreiben (5000 Wörter). Der Tutor willigte ein und gab mir spontan eine Verlängerung, weil das während des Semesters kaum schaffbar ist.
In den Kursen, die die Arts-Fakultät anbietet, sollte man keine Probleme haben, zu bestehen, allerdings sind gute Noten nur durch gehörigen Aufwand zu erzielen. Kommilitonen haben mir berichtet, dass es in anderen Fachbereichen (etwa Commerce) durchaus schwierig sein kann, überhaupt zu bestehen.

1.2. Literatur, Bibliotheken und Rechnerzugang:

Für die einzelnen Kurse werden oft Reader zusammengestellt, die dann im universitätseigenen Bookshop gekauft werden müssen. Allerdings sind die Preise angemessen, das ist also keine Geldmacherei, sondern erleichtert den Umgang mit Basisliteratur. Die Leseanforderungen deckten sich ungefähr mit dem, was auch in Deutschland üblich ist. Auch diese Einschätzung wird von deutschen Auslandsstudenten anderer Heimatuniversitäten geteilt.
Weitere wichtige Literatur wird oft in einem gesonderten Bereich in einer der vielen Bibliotheken reserviert gehalten und kann für zwei Stunden (also zum Nachschlagen oder Kopieren) ausgeliehen werden. Die meisten Fakultäten haben eigene Bibliotheken, allerdings sind gerade für Geisteswissenschaftler mehrere Bibliotheken relevant. Ein Nachteil entsteht nicht, da sich (fast) alles auf dem Campus befindet, Suchkataloge greifen natürlich auf alle Bestände zu, einschließlich die Dokumentsammlungen, in denen historische Dokumente nur zur Ansicht ausgegeben werden. Videos und DVDs hält das ERC (Education Research Centre) bereit, von Dokumentarfilmen (sehr hilfreich bei Hausarbeiten und besonders Referaten) bis hin zu Schätzen wie “Billy the Kid vs Dracula”. Medien können an dafür vorgesehenen Plätzen in der Bibliothek angesehen werden oder für eine Woche ausgeliehen werden.
Studierende können jedoch kostenlos Zugang zu weiteren Bibliotheken Victorias erhalten. Eine entsprechende Ausleihkarte ermöglicht die Ausleihe an ca. zehn weiteren Universitätsbibliotheken in und um Melbourne. Zudem hält die State Library of Victoria einen Bestand, der Fachliteratur einschließt, zur Einsicht bereit.
Rechnerzugang ist beinahe flächendeckend. Sogar ein Computerlab mit 24-hour Zugang befindet sich auf dem Campus – offen 365 Tage im Jahr. Einzige Ausnahme sind Schaltjahre… Internetzugang ist überall vorhanden, die Uni verfügt zudem über ein Wireless LAN, allerdings ist dieses nicht flächendeckend.

1.3. Fazit meiner bisherigen Studienerfahrung

Die University of Melbourne gilt sicher zurecht als eine der besten Universitäten der südlichen Hemisphäre, auch wenn mir Vergleichsmöglichkeiten fehlen. Die Erwartungen eines deutschen Studenten werden sicher realistisch sein, böse Überraschungen wird es wohl kaum geben.
Im Gegenteil: nur bei guter Vorbereitung kann man das Angebot in voller Breite nutzen. Ein Studienvorhaben kann an der Qualität der University of Melbourne sicher nicht scheitern.

2. Wahl des Studienortes: Melbourne, Australien

2.1. Entscheidung und Informationssuche:

Das Studieren in Australien, besonders an den renommierten Universitäten ist eines sicher nicht: ein unkalkulierbares Abenteuer. Die Organisation und Qualität der Lehre sind europäisch, der Service wohl eher amerikanisch (siehe Kapitel 4.). Wer den Sprachtest (z.B. TOEFL oder IELTS) besteht, wird auch an der Uni bestehen. Für diese kann man ja bekanntlich lernen, es gibt Vorbereitungsmaterialien, oft mit Kassetten oder Software. Diese Materialien gibt es zumindest auf Bestellung bei jeder Buchhandlung und natürlich bei Ebay. Wer an der FU-Berlin studiert, sollte unbedingt die Mediothek im Sprachlabor (Silberlaube) besuchen. Die haben Materialien zum Üben.
Wer aufgrund der Fremdsprache Englisch auf den anglo-amerikanischen Sprachraum festgelegt ist, sollte sich gut überlegen, warum ausgerechnet Australien? Das scheint bei jeder Bewerbung ein Knackpunkt zu sein: muss der/die BewerberIn unbedingt nach Australien? In meinem Fall (Publizistik- und Kommunikationswissenschaft) hatte ich natürlich Informationen über das Mediensystem und einzelne Medien zu sammeln. Viele Studenten sind durch spezielle Interessen auf Australien festgelegt. Seien es seltene Tiere, Aboriginal Studies oder Pflanzen, Autralien ist auf vielerlei Weise EINZIGARTIG und bietet für viele Fachbereiche die beste Chance auf Studienerfolg.
Ein weiteres Plus ist Informationssuche. Die Vorbereitung auf Bewerbung und dann letztlich das Studium ist nicht allzu schwer. Internet ist hier flächendeckend (zumindest in den urbanen Gegenden, in denen beinahe die gesamte Bevölkerung lebt) und jede größere Institution, ob privat oder öffentlich, ist im Internet zu finden.
Was das Kursangebot angeht, sollte das Handbuch der jeweiligen Universität konsultiert werden. Auf der Homepage einer jeden Uni sollten die Kurse irgendwo unter “Handbook” angegeben sein, meist nach Fakultät gegliedert. Es ist hilfreich sich frühzeitig herauszusuchen, welche Uni welche Kurse anbietet.
Ich habe mich für meine Bewerbung beim Institut Ranke Heinemann in Berlin (Hauptsitz Essen) informiert. Ein kostenloser Dienstleister, der Studenten für australische Universitäten vermittelt. Dort habe ich viele nützliche Tipps und Broschüren australischer Universitäten erhalten und was noch besser ist: die helfen einem bei der Bewerbungsmappe, prüfen Vollständigkeit, senden, faxen und fertigen beglaubigte Übersetzungen von Dokumenten an. Der Service hilft eigentlich in jeder Phase der Bewerbung.
Hilfreich sind auch die Akademischen Auslandsämter, allerdings sollte jedem klar sein, dass das kein Servicebetrieb vergleichbar mit einem Oversea’s Representative ist, sondern eben ein Amt der Universität.
Bei speziellen Anfragen kann eine E-Mail an die Uni in Australien Erfolg bringen. So habe ich auf eine sehr spezifische Frage, die mein Studienvorhaben betraf, von einem Dozenten der University of Melbourne Antwort erhalten.

3. Leben in Melbourne:

Leben in Melbourne ist nicht teuer. Als Wahlberliner kann ich das mit meiner Heimatstadt vergleichen. Manche Dinge sind etwas teurer, andere dafür billiger, mein Budget im Alltag bleibt etwas gleich.

3.1. Wohnungssuche / Wohnen:

Die meisten Studenten wohnen entweder in einem sogenannten Residential College, in einer eigenen Wohnung oder in einer WG. Das College-System ist mir immer noch suspekt, denn ein Zimmer kostet ein vielfaches dessen, was ein WG-Zimmer kostet (ca. drei mal so viel). Diese Unterkünfte sind nur allzu oft über die Universität organisiert. Dafür gibt es dort Mahlzeiten, Tutorienprogramme und endlose Freizeitaktivitäten. Sehr beliebt ist diese Art zu wohnen bei Amerikanern; allerdings muss man sich für ein College (nicht mit der Ausbildungsstätte zu verwechseln, es handelt sich eher um eine Art Verbindungshaus) bewerben und soweit ich das verstanden habe, in den Semesterferien raus, da sind Colleges geschlossen.
Eine eigene Wohnung kann man sich mitunter ebenfalls leisten, allerdings sind die in der Innenstadt teuer (Preise etwa wie in den Colleges).
Wohnen in der WG (shared accomodation) ist am günstigsten. Viele Studenten teilen sich ein viktorianisches Terrassenhaus oder eine Bungalow-Wohnung. Die Zimmer sind allerdings oft sehr klein. Aber in der Regel reicht das für ein Jahr oder wenige Monate.
So kommt man übrigens leichter mit Australiern in Kontakt. Einfach in eine WG mit ein paar Aussies ziehen. Es gibt schöne Wohnviertel um die University of Melbourne. Carlton, Fitzroy, East Brunswick, um nur drei zu nennen.

Mietpreise im Klartext (Wohnpreise pro Monat über den Daumen gepeilt):

College-Zimmer: mehr als 1000 Dollar (Essen inklusive)
Eigene Wohnung: gibt es für 600 Dollar schon richtig schöne
WG-Zimmer: 300-500 Dollar, nach oben offen

Ein College-Zimmer findet man über die Uni, Wohnungen und WG-Zimmer per Anzeige. Buchläden, Cafes etc. haben oft Aushänge (für die Uni Melbourne: Readings Bookstore auf der Lygon Street; Vegetarier sollten im Friends of the Earth-Reformhaus auf der Smith Street Erfolg haben).
Möbel findet man in einer WG mitunter leichter. Eventuell kennen die Mitbewohner jemanden, der wieder jemanden kennt, etc. Oder die Flatmates haben selber noch alte Regale. Es gibt auch sogenannte Op-Shops (z.B. Salvation Army), mit Glück findet man dort etwas. Ansonsten haben Garage Sales oft Schnäppchen zu bieten: das sind flomarktähnliche Verkäufe im Vorgarten oder, wie der Name schon sagt, in der Garage. Achtet auf Aushänge und Anzeigen.
Letztere findet man in den Tageszeitungen (z.B. “The Age” oder “The Australian”) oder donnerstags in der “Trading Post”, einem Second Hand-Magazin. Dort findet man auch Autos, Fahrräder, Jobs und Goldfische, wenn es sein muss.

3.2. Freizeit in Melbourne: Sport und Kultur

Auf diese zwei Arten und genau in dieser Reihenfolge verbringt der Melbourner seine Freizeit. Sport – aktiv und passiv – ist hier allgegenwärtig. Besonders, rechnet man die Strandkultur hinzu, die allerdings eher an der Ostküste (z.B. Sydney) sehr ausgeprägt ist. Wer gerne Sport treibt, wird hier glücklich. Die Universitäten bieten über ihre Clubs alle Sportarten an und privat findet sich sicher auch, wonach der Sportler sucht. Die großen Sportarten sind Autralian Rules Football, Cricket und Rugby, doch alle weltweit populären Ball- und Individualsportarten haben in Australien ihre Nische. Sogar Fußballer, hierzulande noch fast Exoten finden Spielpartner, versprochen.
Und gerade Melbourne bietet für den begeisterten Sportzuschauer eine ganze Menge. Mit dem Grand Prix (Formel 1), den Australian Open im Tennis und dem Grand Final der Footballer finden die Top-Events in der Hauptstadt Viktorias statt.
Das kulturelle Leben wird von Europäern oft belächelt, meiner Meinung nach absolut zu Unrecht. Allein die Bandbreite beeindruckt, Spitzenqualität ist auch vertreten. Nicht umsonst ist die meistfotografierte Sehenswürdigkeit Australiens ein Opernhaus (Sydney natürlich). Aber gerade die kleinen Veranstaltungen sind hier das Besondere: es gibt beinahe täglich Live-Auftritte von unbekannten, oft guten Bands. Kunstgalerien und Museen jeder Art sind über ganz Melbourne verstreut, zu viele, um sie hier zu erwähnen. Auch hier machen besonders kleine Galerien den Unterschied aus: wer sich für australische zeitgenössische Kunst und die Malerei der Aborigines interessiert, kann aus diversen kleinen Austellungsorten auswählen (oder eine große Ausstellung besuchen, die regelmäßig angeboten werden).

4. Service an der University of Melbourne:

4.1. Orientation Week:

Als Neuankömmling muss man sich keine Sorgen machen. Wer das Melbourne Welcome Programm bucht, bekommt eine einwöchige Fremdenführung, mit Unterkunft und allem, was dazugehört; da hat allerdings seinen Preis. Aber auch ohne diesen Service wird einem nichts verborgen bleiben. Neue Studenten werden wirklich an die Hand genommen. Eine ganze Woche wird informiert und organisiert, sogar bei der Kurswahl hilft ein International Course Advisor.
Es gibt Einführungen für die Bibliotheksnutzung, Hilfsveranstaltungen für Anträge auf ein Arbeitsvisum, Beratungen in Jobsuche und Steuersachen und noch vieles mehr. Alles wird mehrfach angeboten, also wer zu einer Veranstaltung nicht erscheinen kann, hat später in der Orientierungswoche mitunter nochmal die Gelegenheit, eine Veranstaltung gleichen Inhalts zu besuchen.
Während der Orientiertungswoche hat man auch Gelegenheit sich über die Outdoor-Trips des Education Department zu informieren. Vom Tagestrip in Viktoria über verlängerte Wochenenden bis hin zum 30-tägigen Campingtrip in den Semesterferien veranstaltet die Uni mit kompetenten Guides alles, was den internationalen Studi interessieren könnte. Auch das kann man sich schon mal auf der Homepage der Uni ansehen. Die Preise für die Trips sind oft nur ein Bruchteil dessen, was kommerzielle Veranstalter nehmen und auf die Interessen der Teilnehmer zugeschnitten. Das ist die Gelegenheit in Australien rumzureisen, ohne dass das Studium darunter leidet.

4.2. Der Campus:

Für einen deutschen Studenten kann es ungewohnt sein. Es gibt scheinbar nichts, was es auf dem Campus der University of Melbourne nicht gibt. Vom eigenen Bookshop, über zig Imbisse, einen Bodyshop, eine Apotheke, eine Post, Banken etc. Es gibt wirklich alles, was der Student braucht.
Etwas befremdlich wird einem zu Beginn vielleicht noch dieser Betrieb vorkommen, aber man lernt die Angebote zu nutzen oder ihnen aus dem Weg zu gehen.
Erwähnenswert ist sicher noch die Rowden White Library. Eine Bibliothek, die die Studentenvereinigung unterhält. Romane, Comics, Computerspiele, Videos, Musik-CDs, dort gibt es alles, was man in einer längeren Pause zum Ausspannen braucht. Dieses Angebot kann sich mit dem Studieren in einer der Fachbibliotheken gut ergänzen. Auf diese Weise kann man einen ganzen Tag an der Uni verbringen, wenn man mehrere Stunden Pause zwischen zwei Veranstaltungen hat, ohne dass entweder der Kopf raucht oder Langeweile aufkommt.
Natürlich muss man selber lernen, damit umzugehen, damit man nicht nur auf Bean Bags liegt und die neuesten CDs hört, dabei Superman liest und vergisst, dass der Reader zustaubt.

4.3. Die vielen Helferlein:

Was man an der Uni wissen muss, ist vor allem eines: wer hilft mir mit welchen Belangen? Die open-door-policy der meisten Beratungsstellen kann ein Segen sein.
MUOSS (Melbourne Uni Overseas Student Service) hat Büros im Union House und steht für Fragen aller Art zur Verfügung. Nützliche Tipps gibt es zu holen und in den Anzeigen findet sich so manches Schnäppchen. Der Anzeigenservice hilft sicher beim Ankauf von Hausrat, aber auch, beim Verkauf, wenn die Abreise naht. Aber MUOSS ist kein Spaßverein und auch Teil der Studentengewerkschaft. Man befasst sich mit durchaus ernsten Belangen. Für eine Beschwerde bei einer International Course Advisorin, begleitete mich eine MUOSS-Offizielle, weil es um Einschreibung ging, ein offizielles Anliegen also.
Die International Course Advisor sind mit den seltsamsten Sachverhalten vertraut. Die Erfahrung mit vielen Tausend Studenten ist oft Gold wert. Was Anforderungen für Ämter und Heimatuniversitäten angeht, kommen die Advisors gerne jeder Nachfrage nach. Das ist dann die Stelle, die offiziell Schreiben an die Heimatuni erstellen kann, falls es Unstimmigkeiten gibt. Im Übrigen wissen spätestens die, an wen man sich wenden muss, wenn man eine Nachfrage hat.
Das sind nur zwei Beispiele für die vielen Anlaufstellen, die die University of Melbourne für Studenten bietet.


5. Nützliche Webadressen:

Australische Suchmaschinen:
www.google.com.au
www.webwombat.com.au

Melbourne im Netz:
www.melbourne.vic.gov.au

Tageszeitungen:
www.theage.com.au (The Age)
www.theaustralian.news.com.au (The Australian)
www.heraldsun.com.au (The Herald Sun)

TV:
www.abc.net.au (ABC-Network)
www.sbs.com.au (SBS-Network)
www.seven.com.au (Channel Seven)
www.ninemsn.com.au (Channel Nine)
www.ten.com.au (Channel Ten)

Uni Melbourne im Netz:
www.unimelb.edu.au (U.a. Handbuch, Departments, Student Union)

Institut Ranke Heinemann:
www.institut-ranke-heinemann.de (mit nützlichen Links zu den Unis, Visuminfos, Erfahrungsberichten etc.)

Sprachtest:
www.ielts.org (IELTS-Test, in Australian überall anerkannt)
www.toefl.org (TOEFL, für die USA ein Muss, in Australien auch gern gesehen)


Seitenanfang - Auslandsstudium in Australien - The University of Melbourne

Erfahrungsbericht - Jens-Ake Güldner



Ich habe vom 01. 02. 2001 bis 31. 12. 2001 Geographie an der University of Melbourne studiert. Um einen umfassenden Überblick der Erfahrungen des Studiums sowie des allgemeinen Lebens in Melbourne zu geben, möchte ich Euch mein Austauschjahr in Australien wie folgt vorstellen:

Vorbereitung und Ankunft:

Nach Ausfüllen aller Bewerbungspapiere sollte man diese so schnell als möglich an das Institut Ranke-Heinemann zurückschicken. Das Bearbeiten bei den Universitäten kann einige Zeit dauern, erst dann wird die ‚Confirmation of Enrolment‘ ausgestellt. Diese ist notwendig, um sich bei der Australischen Botschaft für ein Visum zu bewerben, dessen Ausstellung wiederum bis zu vier Wochen dauern kann. Sollte man einige Wochen nach Abschicken der Bewerbungsunterlagen noch keine Antwort des ‚International Office‘ erhalten haben, empfiehlt es sich dringend nachzufragen und um baldige Bearbeitung zu bitten.

Des weiteren sollte man sich für den Abholservice vom Flughafen anmelden und die Bestätigung des ‚International Office‘ abwarten. Durch diesen Service wird man in einem Hotel/ Hostel (muß vorher gewählt werden) in der Innenstadtgegend abgesetzt, von wo man sich nach Wohnung oder Zimmer umschauen kann. Eine günstige Bleibe für die ersten Wochen ist z.B. das Carlton College in der Drummond St nahe Victoria Rd in Carlton. Während der Semesterferien fungiert dieses als Jugendherberge mit Einzel-, Doppel- und Dreierzimmern in der Nähe der Uni. Die Dreierzimmer sind durch Stellwände abgetrennt, so dass man seinen privaten Bereich hat. Die Übernachtung kostet etwa $13 mit Frühstück. Trotz dieser günstigen Übernachtungsgelegenheiten sollte man mit Anfangskosten von mindestens $1000 für Übernachtungen, Transport, Concession Card (für die Trams und Züge), den Kauf eines Fahrrades (sehr zu empfehlen) etc. rechnen.

Der mit der Bewerbung an einer Universität angeschlossene Sprachtest ist im allgemeinen eine ausreichende Kontrolle der sprachlichen Vorbereitung. Man sollte jedoch nicht überrascht sein, wenn es in Australien am Anfang zu mehr als einer ‚Ich verstehe überhaupt nichts‘ – Begegnung kommt. Die ‚Aussies‘, wie sie sich selber gerne nennen, haben einen sehr eigenen Akzent und selbst die Menschen aus den Städten sind teilweise schwer zu verstehen. Dies ändert sich aber sehr schnell mit der Sprachpraxis vor Ort. Bei der Übertragung von Fachtermini vom Deutschen ins Englische sind Studenten und Angestellte am Institut von großer Hilfe. Die manchmal sehr umfangreichen Konversationen, die zum Teil durch Fragen zu einem Wort entstehen, helfen Studenten und deren Arbeitsgebiete besser kennenzulernen und Freundschaften zu schließen.

Die fachliche Vorbereitung ist bereits durch die Wahl der Themen bei der Bewerbung zum Stipendium gegeben. Trotzdem könnte es sich als hilfreich erweisen, die Literaturlisten der einzelnen Kurse über das Internet einzusehen und einige der angegebenen Texte so weit als möglich bereits in Deutschland zu lesen. Die Einarbeitungszeit in die einzelnen Kurse kann somit verkürzt und sehr erleichtert werden.

Wohnungssuche:

Die Wohnungssuche kann ein wirkliches Problem darstellen. Hier sollten ein bis zwei Wochen eingeplant werden. Weiterhin empfiehlt es sich, so früh als möglich in Melbourne einzutreffen. Bereits Anfang Februar bewerben sich für ein Zimmer in einem Haus bis zu zwanzig Personen. Diese Zahl kann bis zum Unibeginn Anfang März aber noch drastisch steigen. Einzimmerwohnungen sind nicht üblich. Studenten wohnen in Wohngemeinschaften mit zwei bis sieben Personen je Haus. Die Kaltmiete der meist unmöblierten Zimmer liegt je nach Nähe zur Uni zwischen $ 280 und $ 450, meistens aber um $ 350 pro Monat. Hinzu kommen Kosten für Telefon, Warmwasser (Gas) und Strom. Heizungen gibt es in den wenigsten Wohnungen, obwohl es im Winter kalt werden kann. Wer kälteempfindlich ist, sollte sich einen Heizlüfter zulegen. In einigen Häusern existieren Kamine, die jedoch nicht immer funktionieren.

Die beste Aussicht auf bezahlbare Wohnungen hat man durch Anzeigen im Student Support Center in der Uni, Wohnungsanzeigen in der Mittwochs- und Samstagsausgabe der Zeitung ‚The Age‘, die Aushänge im Cafe ‚Friends of the Earth‘ in der Smith St im Bezirk Collingwood oder im Buchladen ‚Readings‘ in der Lygon St im Bezirk Carlton nahe der Uni. Beim letzteren empfiehlt es sich, nach dem Umschlag der Anzeigen der nächsten Woche zu fragen und nicht nur die Aushänge im Schaufenster zu lesen.

Teurere Bezirke nahe der Unis sind Carlton, North Melbourne, Fitzroy, billiger, aber dafür etwas weiter entfernte, sind Collingwood und Brunswick.

Krankenversicherung:

Bei Ankunft muss die Krankenversicherung im Downtown Office von ‚Medicare‘ aktiviert werden. Kostenlose Untersuchungen und Behandlungen werden im Student Health Center durchgeführt. Hierbei gab es keinerlei Probleme.

Einschreibung (Enrolement):

Der erste Anlaufpunkt für die Einschreibung ist das International Office, dessen Mitarbeiter sehr hilfreich sind und sich Zeit nehmen. Die Bürokratie wird schnell und freundlich erledigt. Bei Fragen zu Kursen sind die Professoren fast immer zu sprechen und nehmen sich trotz viel Arbeit im Vergleich zu Deutschland sehr viel mehr Zeit, so dass man nach den Gesprächen wertvoller Informationen gesammelt hat. Selbiges gilt im allgemeinen für alle Universitätseinrichtungen. Probleme oder Fragen werden offen und eingehend behandelt.

Studienaufwand und –bedingungen:

Der Studienaufwand ist im allgemeinen größer als in Deutschland, die Aufgaben komplexer und zeitaufwendiger. Ein weiteres Problem stellt die Einbettung der an der University of Melbourne belegten Kurse in den deutschen Studienplan dar. Die beiden Studiensysteme sind in Geographie zu verschieden, dass eine problemlose Übertragung der belegten Kurse möglich wäre. Es dauert einige Zeit, bis man die ‚richtigen‘ Kurse gefunden hat. Es empfiehlt sich ebenfalls, mit den jeweiligen Dozenten über den geplanten Verlauf des Semesters zu sprechen, um gegebenenfalls eine andere Wahl zu treffen. Während der ersten zwei Wochen des Semesters ist ein Wechsel der Fächer möglich. Trotz intensiver Recherche im Internet im Vorfeld der Bewerbung und der dort ausführlich beschriebenen Inhalte sollte man sich auf jeden Fall eingehender vor Ort informieren. Nicht immer stimmen Beschreibung und tatsächlicher Inhalt überein. Diese Tatsache sollte man von deutschen Universitäten aber bereits mehr als gewohnt sein.

Meist erfolgt die Einschreibung als Undergraduate. Dies kann zur Folge haben, dass viele der angebotenen Kurse vom Inhalt bereits in Deutschland belegt wurden (trotz vorheriger anderweitiger Annahme). Meist gibt es jedoch weiterführende Kurse im Postgraduatebereich, für die man eigentlich nicht zugelassen ist, nach Gesprächen mit den ProfessorInnen des Instituts sowie dem zuständigen Sachbearbeiter für Enrolmentfragen dann aber doch besuchen darf.

Die University of Melbourne stellt auf dem Campus mehrere Bibliotheken zur Verfügung. Viele Insitute haben jedoch keine kleine Fachbibliothek, so dass gewünschte Bücher nach der Literatursuche am Bibliothekscomputer an den verschiedenen Plätzen gefunden werden müssen. Dies stellte sich oft als recht zeitaufwendig heraus, da die Bücher trotz anderslautender Aussage des Computers nicht vorhanden oder nur in einer Bibliothek auf einem anderen Campus erhältlich waren. Lange Fahrzeiten müssen hier eingeplant werden.

Das Computerlabor im Old Physics Building ist 24 Stunden am Tag geöffnet. Zugang erhält man über eine Magnetkarte, die im Sekretariat des Gebäudes abgeholt werden kann. Mit dieser Karte ist ebenfalls das kostenlose Drucken von 10 Seiten pro Tag möglich.

Wissenschaftliche Gesamtbewertung:

Trotz der oben beschriebenen Anfangsprobleme und Schwierigkeiten bei der Wahl der ‚richtigen‘ Kurse und des damit verbundenen Zeitaufwandes, ist der wissenschaftliche Wert des Studiums an der University of Melbourne als positiv anzusehen. Die Ausstattung der Universität ist sehr gut und verhilft zum schnellen und umfassenden Studium. Der Kontakt zum Lehrpersonal ist sehr intensiv, wodurch Fragen und Probleme schnell geklärt werden können. Die gelehrten Inhalte der einzelnen Kurse haben mein Studium bereichert. Dies wäre an einer deutschen Universität in einem solchen Maße nicht möglich gewesen.

Freizeitangebot:

Melbourne bietet an Kultur- und Freizeitangeboten alles, was man von einer Metropole erwarten kann. Die University of Melbourne offeriert ebenfalls ein reichhaltiges Programm. Sportkurse aller Art sowie verschiedene ‚Clubs‘ ermöglichen die Kommunikation mit Studenten anderer Fachbereiche. Im Union House auf dem Campus erhält man einen guten Überblick sowie Rat zu jeglichen Fragen.

Zusammenfassung:

Der Austausch mit der University of Melbourne bietet trotz einiger Anfangsschwierigkeiten eine unersetzliche Erfahrung im akademischen und persönlichen Bereich. Die Hilfsbereitschaft der Universitätsangehörigen und der Studenten ermöglicht die schnelle Lösung vieler Probleme; die Kommunikationsfreudigkeit der Menschen lässt einen schnell Freundschaften schließen.


Seitenanfang - Auslandsstudium in Australien - The University of Melbourne

Erfahrungsbericht - Zeno Danner



Vor dem Abflug

Generell empfiehlt es sich so früh wie möglich mit den Vorbereitungen zu beginnen. Die Zeit zwischen dem Beginn der Vorbereitungen und dem Abflug sollte man mit mindestens einem Jahr berechnen.

Dazu kommt, dass die Zeit direkt vor dem Abflug wahrscheinlich ziemlich stressig wird. Man wartet immer gleichzeitig auf mehrere Dokumente wie Visum oder Studienplatzbestätigung der Gastuniversität, die zudem noch voneinander abhängen. Allerdings braucht man sich deswegen nicht allzu viele Sorgen machen. Schließlich und endlich klappt es normalerweise. Man kann sich allerdings einige Nerven ersparen, wenn man möglichst viele Vorbereitungen so früh wie möglich trifft.

Die Beschaffung des Visums: Hierzu sei zunächst gesagt, dass die australische Botschaft extrem schlecht telefonisch zu erreichen ist. Viele Informationen findet man aber auf ihrer Webseite im Internet (www.australian-embassy.de). Unter anderem kann man hier auch das Formular für den Visumsantrag herunterladen (Formular 157y, student temporary visa).

Für ein „Jahresvisum für Studenten“ muss man zunächst eine vertragsärztliche Untersuchung über sich ergehen lassen, über deren Sinn man sich besser nicht den Kopf zerbricht. Die Adressen der Vertragsärzte befinden sich auf der Webseite der Botschaft.

Wesentlich komplizierter wird unter Umständen der Erhalt der Einschreibebestätigung (Confirmation of Enrolement, CoE), die zur Bewerbung um ein Visum erforderlich ist. Man erhält sie nämlich erst, wenn man das Studienplatzangebot der University of Melbourne angenommen hat. Dafür muss man das angenommene Angebot zusammen mit einen Cheque über AU$ 274,- für die australische Krankenversicherung nach Melbourne schicken. Alternativ kann man auch eine Einzugsermächtigung über Kreditkarte schicken. Die AU$ 274,- werden vom DAAD erstattet. Eine wesentliche Erleichterung bringt es mit sich, wenn man die Dokumente im Zusammenhang mit der Studienannahme per Fax austauscht und das Original nachschickt. Man kann nämlich auch die CoE zugefaxt bekommen und spart sich damit einige Zeit des Wartens. So war es mir möglich, das Studienplatzangebot am 1.12. und die CoE am 21.12.2000 zu erhalten. Damit hatte ich genügend Zeit für die Bewerbung um das Visum, das dann auch relativ bald eintraf. 2-3 Wochen Bearbeitungszeit muss man aber schon einberechnen.

Generell ist bei der ganzen Sache E-Mail Kontakt mit dem International Office der University of Melbourne anzuraten. Die Mitarbeiter dort sind sehr hilfsbereit, und viele Probleme lassen sich auf diese Weise zeitsparend und einfach lösen.

Ankunft in Melbourne

Nach Verabschiedungsstress von Freunden und Familie, über 20stündigem Flug, Zeitverschiebung und Klimawechsel kam ich schließlich relativ erschlagen aber sehr zuversichtlich im Sonnenuntergang in Melbourne an. Das Gefühl, keinen Menschen auf dem ganzen Kontinent zu kennen und quasi ein neues Leben anzufangen, ist ziemlich aufregend und hat mich den Vorbereitungsstress schnell vergessen lassen.

Da Februar in Australien Hochsommer und damit auch Reisezeit ist, empfiehlt es sich schon vor dem Abflug ein Bett in einem Hostel oder Backpacker’s zu reservieren. Außerdem weiß man dann schon mal, wohin man gehen muss, wenn man wie ich abends ankommt. Es gibt ziemlich viele Hostels in Melbourne, die man in jedem Reiseführer findet. Ich kam zunächst im Hotel Bakpak unter, was sich in der Franklin Street nahe Melbournes bekanntem Victoria Market befindet. Alternativ kann man auch eine vorübergehende Unterkunft in einem der zahlreichen University Colleges bekommen, was allerdings ziemlich teuer ist, und relativ früh abgeklärt werden muss. Die Unterlagen dazu werden einem mit dem Studienplatzangebot zugesandt.

Melbourne Welcome

Nach zwei Tagen zog ich dann vorübergehend für die Willkommenswoche in Newman College auf dem Campus ein. Während dieser Woche lernt man schnell einen Haufen „Internationalos“ kennen und unternimmt schon mal die wichtigsten australischen Basics, wie Wellenreiten, Football Aussi rules und Kängurus und Koalabären fotografieren. Außerdem lernt man Melbourne kennen. Auch hierfür muss man sich natürlich vorher anmelden und bekommt die Unterlagen mit dem Studienplatzangebot zugeschickt.

Zimmersuche

Hierzu kann ich nur sagen, es empfiehlt sich so früh wie möglich anzukommen und sich um ein Zimmer zu kümmern. Studentenwohnheime wie in Deutschland gibt es hier nicht. Man kann zwar in einem der University Colleges wohnen, die sehr schön auf dem Campus gelegen sind. Dafür zahlt man aber 200,- bis 250,- AU$ die Woche und wohnt außerdem mit australischen Erstsemestern zusammen, die generell wesentlich jünger sind und das erste mal von daheim ausgezogen sind. Außerdem verleiten die Colleges meiner Meinung nach dazu, den Campus kaum mehr zu verlassen.

Da es keine großen Wohnheime gibt, waren viel zu viele Studenten gleichzeitig auf Zimmersuche, was die ganze Sache ziemlich anstrengend machte. Man läuft recht viel durch die Stadt und vor allem läuft man recht viel umsonst. Sehr wichtig ist, dass man eine Telefonverbindung (am besten Handy) hat, damit man auch angerufen werden kann, falls man ein Zimmer kriegen sollte. Die gute Seite an der Zimmersuche ist, dass sich der Bekanntenkreis enorm erweitert, weil man immer wieder die selben Leute trifft, die mit einem „in Konkurrenz“ sind. Es hat 3 Wochen gedauert, bis ich endlich ein Zimmer gefunden hatte, was dann allerdings auch sehr schön ist. Generell empfiehlt es sich natürlich, so nahe wie möglich bei der Uni zu wohnen. Dafür bieten sich die Stadtteile Carlton, North Carlton, Fitzroy, Parkville und North Melbourne an. Wenn man gerne am Strand wohnen möchte kann man auch nach St. Kilda ziehen, muss dann aber den relativ langen Anfahrtsweg von ca. 35 Minuten mit der Tram in Kauf nehmen. Melbourne ist sehr weitläufig, was die Gefahr langer Anfahrtswege mit sich bringt.

Die Zimmerangebote findet man im Baldwin Spencer Building auf dem Uni-Campus, in der Tageszeitung „The Age“ (Mittwochs und Samstags) und in einem Buchladen an der Lygon Street. Außerdem kann man auch die Mitarbeiter des International Office fragen.

Das Preisniveau bewegt sich zwischen AU$ 75 pro Woche und AU$ 150, wobei letzteres eigentlich wesentlich zu hoch ist. Für 100 – 120 $ kann man ein sehr schönes Zimmer nahe der Universität finden. Generell gilt, je weiter man weg wohnt, desto billiger kann man wohnen.

Für die Zimmersuche ist ein Stadtplan natürlich unverzichtbar und man kann einen solchen im Baldwin Spencer Building erhalten. Sehr verwirrend ist, dass viele Strassen in verschiedenen Stadtteilen den gleichen Namen haben. Daher ist es wichtig, sich immer den Stadtteil zu merken, in dem das Zimmer liegt, das man sich angucken will.

Wenn man schließlich ein Zimmer gefunden hat, braucht man meistens noch ein paar Möbel dafür. Sehr geeignet für die Möbelsuche ist Smith Street in North Fitzroy. Hier befinden sich einige Second Hand Läden, in denen man billige Möbel findet. Die meisten Läden liefern die Möbel auch nach Hause.

Orientation week

Zwei Wochen vor Semesterbeginn findet die Orientation week statt. Hier präsentieren sich die Uni-Clubs von Sportsclubs über politische Clubs bis zum Club der Schokoladenliebhaber. Generell ist die Orientation week eine gute Möglichkeit, Leute kennen zu lernen und die zahlreichen Clubs auszukundschaften, die alle mindestens einen „free barbecue“ anbieten.

Außerdem wird man während der Orientation week über den Campus geführt. Am Ende verfügt man über Berge von Informationsmaterial, das sich vielfach wiederholt. Trotzdem empfiehlt es sich sehr, an der Orientierungswoche teilzunehmen.

Kurswahl

In der Woche vor Semesterbeginn schließlich schreibt man sich zusammen mit den anderen internationalen Studenten für die Kurse ein, die man besuchen möchte. Im Verlauf der Einschreibung erhält man auch seinen Studentenausweis, der gleichzeitig der Bibliotheksausweis ist. Er gilt allerdings nicht als concession card im Öffentlichen Verkehr. Das Einschreibungsverfahren mag am Anfang kompliziert aussehen, erklärt sich aber relativ schnell von selbst. Außerdem kann man immer jemanden im faculty office fragen. Wichtig ist, dass man seinen Reisepass mit dem Visum dabeihat.

Das Kursangebot ist immens. Daher ist es sehr angenehm, dass man seine Kurse während der ersten zwei Wochen des Semesters beliebig wechseln kann. Man kann also erst einmal alle Vorlesungen anschauen und sich dann entscheiden, welche man besuchen will.

Man muss jedes Semester mindestens 38.5 und höchstens 50 „credit points“ sammeln. Dabei haben im Jurastudium alle undergraduate Kurse 12.5 points pro Semester. Wenn man für 2 Semester da ist, kann man auch an Kursen teilnehmen, die das ganze Jahr dauern, wie z.B. „contracts“ oder „constitutional and administrative law“. Kursinformationen findet man vorab auf der Webseite der Uni (www.unimelb.edu.au). Ich habe im ersten Semester International Law, Contracts und comparative constitutional law belegt, die alle sehr zu empfehlen sind. Vorlesungen sind hier wesentlich mehr durch Diskussionen aufgelockert, was durch die Kursgröße von maximal 50 – 60 Studenten erleichtert wird. Es wird von den Studenten erwartet, dass sie mitarbeiten und ihre Meinung äußern. Zur Vorbereitung sind relativ umfangreiche course materials zu lesen, die den an sich angenehmen 10 Wochenstunden doch so einige Zeit hinzufügen, besonders am Anfang, wenn man noch viele Rechtswörter nachschlagen muss. Dafür empfiehlt sich ein Rechtswörterbuch, das auch von australischen Studenten gern benutzt wird.

Prüfungen bestehen entweder aus essays, die ca. 5000 Wörter lang sind, oder 2-3 stündigen Klausuren oder auch einem kürzeren essay und einer kürzeren Klausur.

Außerdem kann man an einem Kurs über Australien für internationale Studenten teilnehmen, genannt „experiencing the Australian landscape“. Dieser Kurs dient weniger der akademischen Bildung als vielmehr der Möglichkeit, die Umgebung Melbournes bzw. den Staat Victoria kennen zu lernen. Hier werden Wochenendtrips in Nationalparks und ähnliches unternommen, die nicht viel kosten. Wiederum eine sehr gute Möglichkeit Bekanntschaften zu machen und herum zu kommen.

Generell ist zu sagen, dass sich die Professoren viel mehr um die Belange ihrer Studenten kümmern, als man das in Deutschland gewohnt ist.

Krankenversicherung und Arbeiten

Da eine Krankenversicherung Voraussetzung für das Visum ist und man schon die AU$ 274 bezahlt hat, ist man mit Ankunft bei Medibank versichert. Man muss die Versicherung jedoch noch aktivieren. Dazu geht man ins International Office und holt sich seine Versicherungskarte ab. Allerdings kann es durchaus sein, dass es eine Weile dauert, bis diese eintrifft. Man ist in der Zeit natürlich trotzdem versichert, muss aber bestimmte Dinge beachten, wenn man ärztliche Hilfe braucht. Fragen dazu werden im International Office beantwortet.

Um in Australien zu arbeiten braucht man zusätzlich zum Visum noch eine Arbeitserlaubnis für 20 Stunden die Woche. Die Erlaubnis kann man gegen eine extra Gebühr im International Office beantragen. Außerdem sollte man eine tax file number beantragen um Steuern zu sparen. Genauere Informationen und Unterlagen bietet wiederum das International Office.

Geld

Es bietet sich sehr an, eine gewisse Menge Geld mit nach Australien zu nehmen und hier ein Konto zu eröffnen, was kein Problem ist. Man kann dann zum einen sehr flexibel auf den Dollarkurs reagieren, zum anderen hat man eine sichere Geldquelle. Es ist zwar generell kein Problem mit EC-Karte Geld am Automaten zu bekommen, aus irgendwelchen Gründen funktioniert es aber so ungefähr zwischen 10.00 Uhr und 16.00 tagsüber nicht. Daher kann eine australische Bankkarte im Notfall sehr von Nutzen sein.

Man sollte sich bei der Eröffnung eines Kontos vergewissern, dass man bei einer Bank ist, die ein gutes Netz in ganz Australien hat. Einige Banken, wie die National Australia Bank oder die Bank of Melbourne, befinden sich auf dem Uni-Campus. Es empfiehlt sich, das Konto in einer der Uni-Filialen zu eröffnen, weil sich die Mitarbeiter dort über kostenlose Studentenkonten auskennen, was woanders anscheinend nicht unbedingt der Fall ist. Überweisungen aus Deutschland sind mit ca. 30 Mark für 3000 – 5000 Mark ziemlich teuer.

Wie gesagt kann man auch mit EC-Karte Bargeld am Automaten bekommen, was zwischen 2 und 4 Mark Gebühren kostet. Außerdem sind Kreditkarten hier weit verbreitet und mit Mastercard oder Visa kann man eigentlich überall bezahlen. Wer Traveller Cheques mitnimmt, sollte sie sich in australischen Dollars ausstellen lassen.

Meiner Ansicht nach empfiehlt es sich, möglichst viele verschiedenen Möglichkeiten zu haben an Geld heranzukommen. Zum einen kann man auf Kursschwankungen reagieren, zum anderen kann es ja durchaus mal sein, dass EC- oder Kreditkarte ihren Dienst versagen. Dann wird es unter Umständen schwierig Geld zu bekommen.

Computer und Internet

Die Unversity of Melbourne ist ziemlich gut mit Computern ausgestattet. In der Bailieu Library befindet sich im ersten Stock ein großer Computerraum mit Internetzugang und relativ neuen Computern. Außerdem haben die meisten Fakultäten noch eigene Computerlabs. Die Computer der juristischen Fakultät befinden sich im Baldwin Spencer Building und haben ebenfalls allesamt Internetzugang.

Zudem gibt es für Nachtarbeiter einen 24 Stunden Computerraum an der Monash Road auf dem Campus. Dafür braucht man allerdings eine Zugangskarte, die man aber leicht an der Rezeption bekommen kann.

Man sollte gleich am Anfang seinen E-Mail-Account auf der Uni-homepage einrichten, da die Uni hauptsächlich per E-Mail mit ihren Studenten kommuniziert. Daher ist es auch ratsam den Account regelmäßig zu checken. Zwar kriegt man einen Haufen uninteressanter Mails, erfährt aber auch so manches über internationale Treffen, seine Kurse und ähnliches.

Leben in Melbourne

Melbourne ist flächenmäßig riesig. Das eigentliche Zentrum ist aber angenehm kompakt und nahe der Uni. Zudem verfügt die Stadt mit Trams, Bussen und Nahverkehrszügen über ein sehr gutes öffentliches Verkehrssystem, das außerdem nicht teuer ist. Sehr schön sind das Yarra Ufer und die botanical gardens. Außerdem sollte man sich natürlich nicht das Beachleben in St. Kilda entgehen lassen. Auch kulturell hat Melbourne einiges zu bieten, wenn man es auch nicht unbedingt mit Europa vergleichen kann. Aber es gibt hier ein gutes Symphonieorchester, das auch mit vielen internationalen Berühmtheiten auftritt, viele Theater, eine Oper, einige Kunstmuseen und nicht zu vergessen die abendliche Pubkultur. An letzterer gefällt mir besonders, dass es erstens Unmengen von Pubs gibt, und zweitens, dass in vielen Live-Bands spielen. Das Nachtleben spielt sich angesichts der Größe Melbournes natürlich in vielen verschiedenen Gegenden ab. Ein Zentrum ist sicherlich die Brunswick Street in Fitzroy, ein anderes Flinderslane in der Stadtmitte.

Außerdem kann man natürlich in der Umgebung Melbournes einiges erkunden, wie die Great Ocean Road, Phillip Island, Mornington Peninsula und vieles mehr.

Ein absolutes Muss für jeden Wahl-Melbourner ist zudem der Besuch eines Football Aussie Rules Spieles. Dieser Sport ist der ganze Stolz Melbournes, und so hat denn auch jeder Stadtteil sein eigenes Team.

Sehr angenehm ist außerdem, dass man mit Australiern viel leichter ins Gespräch kommt, als man das von daheim gewohnt ist. Vielfach hat man kurze Unterhaltungen in Läden oder in der Tram, die einem schnell ein Gefühl von Zugehörigkeit geben.



Schlusswort

Zusammenfassend möchte ich neben der rechtzeitigen Vorbereitung in Deutschland auch eine möglichst frühe Anreise empfehlen. Das erleichtert die Zimmersuche enorm und bietet außerdem die Möglichkeit, vor Unibeginn Melbourne auszukundschaften. Wenn man erst einmal englische essays schreiben muss oder für Klausuren lernt, hat man oft nicht mehr die Zeit oder die Energie dazu.

Außerdem ist es natürlich sehr wichtig, dass man daheim alle erforderlichen Vorkehrungen für eine Abwesenheit von einem Jahr trifft. Von hier aus ist es meistens viel schwieriger unklare Verhältnisse wie Miete oder Bankkonto oder ähnliches zu regeln.

Egal wie viel Mühe Stipendienbeschaffung, Visum und sonstige Vorbereitungen kosten, die Ankunft im australischen Sommer ist es auf jeden Fall wert und ich kann ein Auslandsstudium in Australien nur empfehlen.

Vielen Dank noch mal an alle Mitarbeiter des DAAD und des Akademischen Auslandsamtes der Uni Freiburg, die mir bei meinen Vorbereitungen geholfen haben.


Seitenanfang - Auslandsstudium in Australien - The University of Melbourne

Erfahrungsbericht - Anne Wach



Ankommen und Zimmersuche:

Durch den Abholservice der University of Melbourne gestaltete sich die Ankunft in Melbourne als problemlos. Ich würde also jedem empfehlen, diesen Service in Anspruch zu nehmen. Man wird dann direkt zu der Unterkunft gebracht, die die Uni vorher organisiert hat (wenn man das wollte). Dort kann man dann erst mal seinen Jetlag kurieren. Die Unterkünfte, die vom Student Support Service (Baldwin Spencer Building) organisiert werden, liegen alle sehr uninah, so dass man von dort aus schon mal alle nötigen Formalitäten erledigen kann. Am besten geht man als aller erstes zum International Centre (John Smythe Building), wo man sehr freundlich empfangen und mit allen Informationen, die man für den Anfang braucht, versorgt wird. Dort kann man sich dann auch gleich um seine ‚health insurance‘ kümmern je früher desto besser - , denn es dauert eine ganze Weile, bis man seine Versichertennummer bekommt und damit auch bald die Medicare Versichertenkarte. Sollte man in der Zwischenzeit schon einen Arzt benötigen, kann man sich ans International Centre wenden, die auch ohne Versichertenkarte einen Arzttermin beim Health Service (Grattan Street) möglich machen.
Für die Zimmersuche kann man sich an den Student Support Service wenden; dort gibt es auch einen Aushang mit etlichen Zimmerangeboten. Eine weitere Möglichkeit bietet immer noch Readings Bookshop auf Lygon Street. Dort findet man an einem Seitenfenster Angebote verschiedenster Art, also auch Möbel etc., die man meistens braucht, da die Zimmer in der Regel unmöbliert vermietet werden. Es dürfte nicht zu schwierig sein, ein Zimmer zu finde, und unter Umständen kann man auch sehr günstige kriegen. $55 die Woche ist mit viel Glück möglich, man sollte aber eher von etwa $ 80 pro Woche ausgehen, was für ein uninahes, einigermaßen großes Zimmer ein durchaus realistischer Preis ist.

Studieren und Reisen:

Das Vorlesungsverzeichnis der Uni Melbourne läßt sich ohne Problem übers Internet einsehen, und ich würde empfehlen vorab schon mal ein paar Kurse auszugucken, obwohl man später dann nach meiner Erfahrung sowieso alles noch mal umschmeisst. Es ist kein Problem, auch Kurse zu wählen, die primär nichts mit der eigenen Studienrichtung zu tun haben, man sollte dabei aber nicht vergessen, dass vieles interessanter klingt als es ist, wie z.B. der Kurs Australia Now über australische Kunst, Wirtschaft, Politik etc. Mir hat er nicht viel gebracht, aber es gab auch Studenten, die sich sehr dafür begeistern konnten. Der Kurs Experiental Understandings of the Australian Landscape bietet zwei Fieldtrips ins Umland an und ist schon allein deswegen sehr empfehlenswert. Geleitet wird der Kurs von Stuart Dickinson, von dem man sich auch Zelte und Campingzubehör leihen kann, wenn man privat auf Reisen gehen möchte (zu einem sehr günstigen Preis). Es ist also nicht unbedingt notwendig, Campingutensilien aus Deutschland mitzubringen.

Was das Psychologiestudium angeht, so ist es für ausländische Studenten auch möglich, nur ausgewählte Kurse zu studieren, und andere, die eigentlich zum Paket dazu gehören, wegzulassen. Man muss das allerdings mit dem Sekretariat vorher abklären. Generell sollte man sich nicht zu sehr darauf versteifen, Vorlesungen oder Seminare unbedingt belegen zu wollen, die man sich von Deutschland aus übers Internet ausgesucht hat. Meine Erfahrungen waren, dass der Semesterplan sowieso nochmals komplett umgestaltet wird, da Seminare oft auch zeitlich miteinander kollidieren oder auch inhaltlich nicht den eigenen Vorstellungen entsprechen.
Außerdem sollte man noch wissen, dass der Aufwand für ein Seminar in Australien in der Regel um einiges höher ist als in Deutschland. Eine Hausarbeit, ein Referat und am Ende des Semesters eine Klausur sind durchaus üblich – nicht zu vergessen die stetige Lektüre der ‚Reader‘, die auch noch viel Zeit beansprucht. Für die Hausarbeiten stehen feste Abgabetermine fest, so dass es hilfreich ist, einen Zeitplan für alle zu bewältigenden Arbeiten zu erstellen. Gibt man später ab, ohne vorher eine Genehmigung vom Dozenten eingeholt zu haben, so schlägt sich das normalerweise bei der Zensur nieder. In der Regel wird ein Punkt abgezogen. Es ist aber kein Problem, als ausländischer Studierender eine Verlängerung der Abgabefrist zu erhalten. Die Dozenten sind in dieser Hinsicht sehr kulant.
Computerräume sind an der uni ausreichend vorhanden, und einige sind auch 24 Stunden 7 Tage in der Woche offen (z.B. Old Physics). Wer ein Notebook hat, tut natürlich gut daran, es mitzunehmen, es ist aber kein Problem, seine Hausarbeiten an den von der Uni zur Verfügung gestellten Computern zu schreiben. Man muss allerdings damit rechnen, dass die Computer des öfteren abstürzen. Deswegen sollte man alles auf mehreren Disketten speichern, um Katastrophen vorzubeugen.
Fürs Reisen bietet sich an, eine Kreditkarte zu haben, denn es ist in Australien viel verbreiteter, bargeldlos zu zahlen als in Deutschland
Neben Greyhound und Mc Cafferty’s (gängige Busunternehmen) darf man nicht vergessen, dass es auch sehr günstig ist, mit dem Zug zu fahren. Ich persönlich fand es viel bequemer, wenngleich es auch leider etwas langsamer voran geht. Dort kann man sogar warmes Essen zu recht günstigen Preisen bestellen und muss nicht immer auf Fish und Chips zurückgreifen, die es an den Raststätten der Busreisenden gibt. Außerdem hat man im Zug viel mehr Beinfreiheit und kann viel bequemer schlafen. In Westaustralien kann man allerdings nur mit Greyhound reisen, da es dort überhaupt keine Züge gibt. Ab und zu gibt es auch spezielle Angebote der Bus- und Zuggesellschaften, mit denen man dann extrem günstig reisen kann. Man sollte also stets die Augen und Ohren offen halten, wenn eine Reise ansteht.
Ich persönlich würde versuchen, neben dem Studium so viel wie möglich das Land zu erkunden, denn man macht wirklich einmalige Erfahrungen, die einem keiner mehr nehmen kann.


Seitenanfang - Auslandsstudium in Australien - The University of Melbourne

Erfahrungsbericht - Marc Schonhardt



Zwischenbericht

Die ersten Tage, die man hier erlebt, lassen einem all die Strapazen vergessen, die so eine 32 Stunden Reise mit sich bringt. Auch wird einem langsam klar, warum man die letzten Monate soviel Zeit mit dem Marathon von einer Behörde zur anderen verbracht hatte. Es wird deutlich, dass es all den Aufwand wert war, den man sich machte, um, wie auch immer, an die Uni Melbourne zu kommen.

Gleich am ersten Morgen traf ich meinen Mentor aus dem SOAAP Programm des International Office. Ich empfehle dieses Programm dringend, denn ohne jemanden, der sich auskennt an seiner Seite, kann der recht große Campus schnell zum überdimensionalen Irrgarten werden. An dieser Stelle sollte angemerkt werde, dass ich erst am zweiten Tag der Orientierungswoche in Melbourne eintraf. Wenn es sich zeitlich einrichten lässt, empfehle ich allerdings ein paar Tage vor Beginn der „O-Week“ anzureisen, allein schon wegen der Tatsache, dass man dann während den ersten Veranstaltungen nicht mehr am Jetlag leidet.

Ob es notwendig ist, am „Melbourne Welcome“ teilzunehmen, kann ich nicht beurteilen, da diese Veranstaltung zum Zeitpunkt meiner Zusage bereits ausgebucht war. Von einigen Teilnehmern erfuhr ich später, dass es eine recht vollgepackte Woche war, in der sich abwechslungsreiche Veranstaltungen und Stadtführungen aneinanderreihten.

Während der Orientierungswoche hat man die Möglichkeit, sich für die einzelnen Kurse einzuschreiben und die Einrichtungen der Uni und der studentischen Organisationen kennenzulernen. Auf keinen Fall sollte man sich den „Student Carnival“ und die „Clubs and Societies“ am darauffolgenden Tag entgehen lassen. Die Kursauswahl, die man vor der Ankunft hier zu treffen hat, ist nicht verbindlich, und man die Kurse innerhalb der ersten 10 Tage so oft wechseln, wie man will. Man wird jedoch dazu angehalten, nicht mehr als eine Veranstaltung eines Kurses zu verpassen, da z. T. Anwesenheitspflicht herrscht. Die normale „full load“, die man als Exchange Student haben sollte ist 50 Creditpoints, was vier normalen Kursen entspricht. Weiterhin ist man nicht unbedingt auf seine Haupt- und Nebenfachauswahl an der deutschen Uni angewiesen. So könnte ich beispielsweise (als Soziologie Hauptfach Student) auch Kurse in Philosophie oder Geschichte belegen, da diese in der selben Fakultät (Arts) untergebracht sind.

Sehr interessant in diesem Zusammenhang sind zwei weitere Aspekte. Zum einen das reichhaltige Angebot an Sprachkursen, die man als NESB (not english speaking background) Student in Anspruch nehmen kann. Diese werden vom „Center for English as a Second Language“ veranstaltet und sind auf dem Konto 12,5 Punkte wert (was einem normalen Kurs entspricht). Weiterhin sind die Kurse nicht auf reine Sprachkurse begrenzt, so besuche ich z. B. derzeit einen „Communication Skills“ Kurs, der Schwerpunkte in den Bereichen Rhetorik und Schreiben setzt. Zum anderen gibt es spezielle Veranstaltungen für Austauschstudenten, die sich mit Australien und seiner Geschichte und Kultur befassen. Einer der interessantesten dürfte wohl „Discover Australian Landscape“ gewesen sein, der neben einigen Lehrveranstaltungen auch einen Campingtrip in die Grampions (große Felsformation, vier Autostunden von Melbourne entfernt) beinhaltete. Leider konnte ich aus zeitlichen Gründen diesen Kurs nicht selbst belegen, mir wurde jedoch von mehreren Teilnehmern bestätigt, wie grossartig er gewesen sei.

Die Organisation der Veranstaltungen entspricht im Großen und Ganzen der gewohnten Einteilung in Vorlesung und Tutorate. Wobei hier in den „Tuts“ sehr viel Wert auf Gruppenarbeit gelegt wird. Zudem werden die Teilnehmer in den Soziologiekursen dazu ermuntert, ihre „Research – Projects“ als Gruppenarbeit abzuliefern. Die Prüfungsanforderungen bestehen in aller Regel aus einem oder zwei Essays, die zwischen 2000 und 3000 Wörtern Umfang haben sollten. Je nach Kurs bestehen zwischen 10% und 20% der Endbeurteilung aus Erscheinen und Teilnahme an den Tutoraten.

Zum Leben ausserhalb der Uni lässt sich nur eins sagen: Melbourne ist eine Stadt, in der es kaum etwas nicht gibt. Um den jeweiligen Geschmack zu treffen, empfehle ich, die unten angegeben Webseiten zu besuchen, die sicherlich über Melbourne aussagen können, als solch ein Bericht.

Es macht an dieser Stelle keinen Sinn, über meine Unterkunft zu schreiben, denn das „Brookes Gillespie House“, ein echt kultiges Wohnheim der YMCA, direkt am Campus gelegen, wird im Juni d. J. geschlossen. Wer mit dem Gedanken spielt, sich für eines der Residental Colleges zu bewerben, sollte zwei Dinge beachten: zum einen die Kosten, die bei ca. 230,- austr. $ pro Woche (allerdings inkl. Verpflegung) beginnen, und zum anderen die etwas eingeschränkten Freiheiten, die das Collegeleben so mit sich bringt.

Endbericht

Zu Beginn und in der Mitte der zehn Monate, die ich hier in Australien verbrachte, wünschte ich stets, dass die Zeit nie kommen würde, in der ich diesen Bericht zu schreiben habe. Wie auch immer, es ist wohl unnötig zu sagen, wie schnell die Zeit hier vergangen ist. Um es kurz zu machen, die Entscheidung ein Jahr an der Uni Melbourne zu studieren, war sicherlich die beste, die ich je getroffen habe. Bevor ich fortfahre, sollte an dieser Stelle angemerkt werden, dass ich die Lektüre meines Zwischenberichtes voraussetzte, da ich in diesem Bericht nicht mehr über die ersten paar Tage an der Uni schreiben werde. Der Übersicht wegen werde ich meine Erfahrungen diesmal nach Themen ordnen.

Sollten irgendwelche Fragen, Kommentare oder sonstiges zu diesem Bericht auftreten, so bitte ich nicht zu zögern und mich unter folgender E-Mail Adresse zu kontaktieren:

marc.schonhardt@gmx.de


Viel Spass beim lesen!

Studium

Die TeilnehmerInnen am Exchange Programe der Uni Melbourne werden automatisch für Kurse im undergraduate Level immatrikuliert. Dies heisst jedoch nicht unbedingt, dass nur undergraduate Kurse belegt werden können. Um einen postgraduate Kurs zu belegen, empfiehlt es sich, mit der jeweiligen Person, die den Kurs durchführt, Kontakt aufzunehmen, und sie ggf. zu bitten, ein kurzes Statement zu schreiben, dass man dazu qualifiziert ist, den Kurs zu besuchen. Mit diesem Statement in der Hand, kann man dann zum Enrolment Office seiner Fakultät gehen und sich für den Kurs einschreiben. Allerdings gilt es zu bedenken, dass postgraduate Kurse eine erhebliche Vielzahl an Prüfungsanforderungen stellen. In der Faculty of Arts, die alle Geistes- und Sozialwissenschaften beherbergt, ist es üblich, für einen undergraduate Kurs insgesamt 4000 Worte zu schreiben. Postgraduate Kurse beginnen bei insgesamt 5000 Worte (meist über zwei bis drei Essays verteilt) plus eine oder zwei Seminarpräsentationen, die dann auch noch in geschriebener Version abzugeben sind.

Neben den eigentlichen Kursen, die man für sein Studium in Deutschland besucht, bietet die University of Melbourne eine Vielzahl von interessanten Fächern an, die interdisziplinär veranlagt sind, und teilweise exklusiv für internationale StudentInnen veanstaltet werden. Jeder dieser Kurse ist 12,5 Creditpoints wert und somit voll auf das Konto anrechenbar. Es folgt eine kurze Zusammenfassung der Kurse, die ich selbst besuchte.

Project Based Communication Skills

Dieser Kurs wird vom „Center for Communication Skills and English as a second Language (CCS&ESL)“ angeboten. Zunächst bietet diese Veranstaltung einen Überblick über die grundlegenden Methoden und Begriffe der freien Rede. Nach der ersten Prüfungsanforderungen, einer Präsentation zu einem vorgegebenen Thema, wird in Gruppenarbeit eine Konferenz organisiert, auf der (vor echtem Publikum!) die gelernten Fähigkeiten angewandt werden können. Unter Anwendung von Microsoft’s Powerpoint hat man die Gelegenheit, ca. 15 – 20 Minuten zu einem Thema seiner Wahl zu sprechen und danach Kommentare und Fragen aus dem Publikum entgegenzunehmen. Ein echt spannender Kurs, der einem nützliche Fähigkeiten vermittelt.

Advanced English as a Second Language 3

Wenn man die Ambition hat, sein Englisch auf ein Niveau jenseits des üblichen Universitätsalltags zu bringen, so drängt sich geradezu ein Sprachkurs in Advanced English an. Diese werden auch vom CCS&ESL organisiert und sind internationalen StudentInnen vorbehalten. Zu Beginn des Semesters kann man sich für einen Englischtest anmelden (ca. 2 Stunden), aufgrund dessen Resultate man dann in die Kategorie 1, 2 oder 3 eingestuft wird. AESL 3 befasst sich vor allem mit australischer Literatur. Man schreibt Interpretationen zu Texten, verfasst eigene Gedichte und Geschichten und liest zwei Romane. Der Arbeitsaufwand in diesem Fach ist recht hoch und man hat vier Stunden Seminar pro Woche. Allerdings ist das Resultat ein regelrechter Schub der eigenen Fähigkeiten in Englisch.

Experiencing the Australian Landscape

Eine eher ungewöhnliche Veranstaltung, die ihren Namen zurecht trägt. Nach drei Vorlesungen geht man als TeilnehmerIn dieses Kurses eine Woche lang campen. Die Touren werden vom „Department for Outdoor Education“ durchgeführt und haben das Ziel, ausländische StudentInnen mit dem australischen Busch vertraut zu machen. Auf diversen Wanderungen und Aktivitäten werden die wichtigsten Pflanzen- und Tierarten vorgestellt. Als Prüfungsanforderung schreibt man ein 4000 Wort Essay in Form eines Tagebuchs über seine Erfahrungen im Busch oder über ein Thema, dass man mit dem Veranstalter vereinbart und irgendwie seinen akademischen Hintergrund repräsentiert (so schrieb z.B. ein Architekturstudent einen Bericht über die Bauweise der Besucherzentren in Nationalparks und ich führte eine Umfrage bezüglich der Campingerfahrungen meiner Kommilitonen durch)

Neben den rein akademischen Angelegenheiten bietet die Universität Melbourne eine Reihe weiterer Dienste an, die man als StudentIn wahrnehmen kann. An dieser Stelle alle Dienste aufzuzählen würde den Rahmen dieses Berichts sprengen. Ich verweise deshalb auf die unten angegebene Homepage der Uni, auf der die Dienste unter „Student Services“ geführt werden. Es lohnt sich auf jeden Fall, mal einen Blick darauf zu werfen.

Wohnen

Die ersten drei meiner fast elf Monate wohnte ich in „Brookes Gillespie House“. Einem Wohnheim, welches von der Uni Melbourne angemietet wurde, zum Royal Women’s Hospital gehört und von der YMCA betrieben wird. Entgegen den Angaben im Zwischenbericht wurde es nicht zum Ende des ersten Semester geschlossen, sondern wird auf unbestimmte Zeit weiter betrieben. Das BGH bietet zwei ungemeine Vorteile: erstens ist es buchstäblich auf der anderen Straßenseite direkt am Campus und zweitens stellt sich unter den Bewohnern (fast alles Studenten aus Übersee) sehr schnell ein recht bewundernswertes „Wir“-Gefühl ein. Die andere Seite der Medaille ist jedoch der marode bauliche Zustand des Gebäudes. Wer sich von herabfallendem Putz in den Bädern und verschimmelter Kücheneinrichtung noch nicht abschrecken lies, dessen Geduld ist dann jedoch meist am Ende, wenn der Aufzug wieder einmal im vierten Stock steckenbleibt oder man sich beim aussteigen ducken muss, weil die Kabine einen Meter zu spät zum Stehen kam. Zu guter letzt kann man durch die hauchdünnen Wände zeitweise auch recht nahe am Paarungsgehabe seiner Zimmernachbarn akustisch teilhaben. All dies, und eine Monatsmiete von $ 560,- haben mich letztlich dazu bewogen, ein Zimmer in einem „shared house“ zu suchen.

Den Rest meiner Zeit wohnte ich in einem Haus zusammen mit drei Australiern nahe der legendären Lygon Street, im italienischen Viertel Melbournes – Carlton. Dieses Arrangement, ein Zimmer in einer WG, war das am ehesten bevorzugte unter europäischen StudentInnen. Je nach Stadtteil und baulichem Zustand der Häuser (hier gilt es im allgemeinen ein paar Abstriche vom deutschen Wohnstandard zu machen) muss man mit Monatsmieten ab $ 350 plus anteilige Kosten für Strom Wasser etc. rechnen. Wer ein Fahrrad besitzt (Achtung! Helmpflicht für RadlerInnen) oder eine Straßenbahnfahrt in Kauf nimmt sollte sich durchaus überlegen, sich nördlich der Uni bzw. des Friedhofes nieder zu lassen. Hier sind die Mieten zwar kaum geringer, jedoch sind die Zimmer erheblich größer, da die Stadtteile East/West Brunswick und Parkville früher zu den wohlhabenderen Vierteln der Stadt gehörten, und die Häuser dementsprechend großzügiger gebaut wurden.

Reisen

Neben dem Studium wurde Reisen zu meiner zweiten Hauptbeschäftigung in Australien. Da der Kontinent für jeden Geschmack und Geldbeutel etwas zu bieten hat, ist es an dieser Stelle unsinnig, einen Überblick geben zu wollen. Ich selbst habe den größten Teil meiner Reisen mit dem Programm des „Department for Outdoor Education“ zugebracht. Zusammen mit dem International Office werden in den Semesterferien mehrwöchige Trips und auch Tagestouren angeboten. Das sehr erfahrene Team um Dr. Stewart Dickenson und Simon Shaw (die im übrigen auch „Experiencing the Australian Landscape“ unterrichten) organisiert den gesamten Transport und Unterkünfte, wobei meistens auf Campingplätzen gezeltet wird, ab und an jedoch auch mal eine Jugendherberge auf dem Plan steht. Das wirklich großartige an diesem Angebot waren zum einen die Preise (denn wer so einen Trip auf eigene Faust durchführt kommt mit den Kosten einfach nicht hin) und zum anderen die weitreichende Kenntnis der Organisatoren, was die richtig guten Orte anbelangte, an denen wir, bis auf wenige Ausnahmen, auch die einzige Reisegruppe waren.

Kakadu / Central Australia

Diese Reise war sozusagen das Flaggschiff der Angebotspalette. In vier Wochen wurden in Geländewagen und Kleinbussen knapp 11.000 km zurückgelegt. Von Melbourne aus fuhren wir in vier Tagen nach Katherine, um dort die berühmte Katherine Gorge hoch zu paddeln, bzw. zu wandern. Anschließend ging es in den Kakadu National Park, wo wir in einer viertägigen Wanderung um die „Twin Falls“ herum die wohl spektakulärsten Plätze Australiens (ja, sogar noch besser als der große Fels in der Mitte!) erleben konnten. In Darwin war eines der wenigen male, die wir in Jugendherbergen übernachteten. Von den legendären Sonnenuntergängen am Strand von Darwin ging es dann in Richtung Central Australia. Auf dem Weg dorthin wurde kein National Park und kein Aboriginal Culture Centre ausgelassen. Da die ganze Gruppe an das campen in einer eher menschenleeren Umgebung gewöhnt war, kamen wir uns recht dumm vor, als wir dann, zusammen mit etwa 400 anderen Touristen den Sonnenuntergang an Uluru (Ayer’s Rock) zu sehen bekamen. Auf dem Weg zurück nach Melbourne wurde noch in Cooba Peedy übernachtet, einer Mienen – Stadt mitten in der Wüste in einem Gebiet, indem Opale abgebaut wurden.

Insgesamt waren es 34 Teilnehmer, die am Schluss dieser Reise zu einer großen Familie zusammengewachsen waren. Wem es nichts ausmacht, den ein oder anderen Tag auf einem unkomfortablen Sitz eines Toyota Landcruisers zu verbringen, und wer über eine gewisse Campfestigkeit verfügt, der sollte sich diesem Trip keines falls entgehen lassen. Die teilweise mehrtägigen Touren sind zwar etwas anstrengend, aber die Naturerlebnisse sind schier unbeschreiblich schön.

Tasmania

Der vierzehntägige Trip nach Tasmanien war als der sportliche Höhepunkt des Jahres konzipiert. Bereits beim Vorbereitungstreffen wurde darauf hingewiesen, dass eine gewisse körperliche Fitness für diese Reise unumgänglich ist. Spätestens beim Aufstieg auf den ca. 1500m hohen Cradle Mountain war einem dann auch klar, wieso auf den physischen Aspekt dieses Trips so viel Wert gelegt wurde. Die Berge der Western Arthur Ranges erinnern ein wenig an die europäischen Voralpen, allerdings weiss man spätestens wenn das nächste Palmengewächs am Wegrand sieht, dass man doch woanders ist. Eine viertägige Wanderung zum Lake Oberon, einer der spektakulärsten Plätze Tasmaniens, bot den Höhepunkt dieser Reise. Die Hauptstadt Hobart und Ostküste der Insel bildeten den Abschluss dieses großartigen Trips.

Zeug nach Hause schicken

Wenn dann die Zeit des Abschieds naht, kommt ein Problem auf, das alle Austausch- und Study Abroad Students zu bewältigen hatten: „Wie bekomme ich all das Zeug nach Hause, was ich hier habe?“ In aller Regel ist das Gepäcklimit im Flugzeug eh schon beim Hinflug überschritten, und man muss ja auch all die Souvenirs unterbringen. Hierzu bieten sich zwei Lösungen an: langsame und teure.

Wer vor allem Bücher und schriftliche Unterlagen nach Europa schicken will, und wem es egal ist, diese für etwa drei bis vier Monate nicht zu sehen, kann den Sondertarif der Australischen Post für Büchersendungen nutzen (der Halbe Preis im Vergleich zum Standarttarif). Doch auch im normalen Tarif ist das Schicken mit der Post immer noch günstiger als Variante, das zusätzliche Gewicht per Luftfracht nach Hause zu senden. Hierbei gilt es vor allem zu beachten, dass manche Lockangebote noch erheblichen versteckte Kosten, wie etwa Flughafen- und Zollgebühren beinhalten.

Webseiten

www.unimelb.edu.au - Die Webseite der Uni lässt kaum ein Frage offen ist wirklich einfach und innovativ zu handhaben

www.melbournetribe.com - Der ultimative Kultur-, Kneipen-, und Clubführer

http://www.city.golocal.com.au - Zeigt die Innenstadt via Webcams

www.melpub.com.au - Alles, was man über die öffentliche Verwaltung, Müll, Strom usw. wissen sollte

www.vicnet.net.au - Die Webseite für den „Garden State" Victoria


Seitenanfang - Auslandsstudium in Australien - The University of Melbourne


Bookmark with:                

 
Bewerbung

Zuständig für Ihre Bewerbung ist das Institut Ranke-Heinemann.

Semestertermine

Semester 1/2011
Orientation:
17.02.2011 - 24.02.2011
Semesterbeginn:
28.02.2011
Semesterende:
24.06.2011

Semester 2/2010
Orientation:
19.07.2010 - 23.07.2010
Semesterbeginn:
26.07.2010
Semesterende:
26.11.2010

Semester 2/2011
Orientation:
18.07.2011 - 22.07.2011
Semesterbeginn:
25.07.2011
Semesterende:
25.11.2011

Fakten

Cricos code:
00116K

Anzahl Studierende:
40000

Anzahl ausländische Studierende:
9000

Stadt:
Melbourne

Bundesstaat:
Victoria

Website:
The University of Melbourne

Ranke-Heinemann Magazin

Ausgabe 1 - Projektbericht eines Studenten

Ausgabe 2 - Westaustralien + Christmas und NYE Down Under

Ausgabe 3 - Stipendien

Ausgabe 4 - Heimweh + Indigenous Sport

Ausgabe 5 - Kulturschock + City2Surf Funrun

Ausgabe 6 - Wohnungssuche + Northern Territory

Ausgabe 7 - Reverse Culture Shock + Hauptstadt Canberra

Ausgabe 8 - Flug nach Down Under + Ausgefallene Studiengänge

Ausgabe 9 - Feiertage + Tipps zum Studienalltag

Alumni Club

Ehemalige und derzeitige Studierende treffen sich im 4A Club.


Alle Informationen sind nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Für die Richtigkeit der Informationen kann jedoch keine Haftung übernommen werden!
Impressum / Disclaimer | Kontakt

Australische Bildungseinrichtungen / Universitäten:
The Australian National University | University of Canberra | The University of Sydney | Australian Catholic University | Macquarie University | Charles Sturt University | The University of Technology Sydney | The University of Newcastle | Southern Cross University | The University of New England | International College of Management Sydney | The University of New South Wales | University of Western Sydney | University of Wollongong | Hotel School Sydney | Charles Darwin University | Bond University | Griffith University | Central Queensland University | James Cook University | Queensland University of Technology | The University of Queensland | The University of Southern Queensland | University of the Sunshine Coast | University of South Australia | Flinders University | The University of Adelaide | University of Tasmania | The University of Melbourne | Deakin University | La Trobe University | Monash University | RMIT University | Swinburne University of Technology | The University of Ballarat | Victoria University | Curtin University of Technology | Edith Cowan University | Murdoch University | The University of Notre Dame | The University of Western Australia |

IRH Network: Auslandsstudium in Australien (DE) | Auslandsstudium in Neuseeland (DE) | Auslandsstudium in Australien (AT) | Auslandsstudium in Neuseeland (AT) | Forschungsergebnisse aus Australien | Forschungsergebnisse aus Neuseeland | Australian Academic Alumni Association - 4A Club |
Blog Studieren in Australien und Neuseeland